Wartungen am Nordseewindpark Global Tech 1 durch die Windkraftsparte des Atomkonzerns Areva. / Foto: Unternehmen

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Privates Insolvenzverfahren gegen Windreich-Gründer beantragt

Die Bank J. Safra Sarasin, einer der großen Gläubiger der insolventen Windreich GmbH, hat nun offenbar auch ein Insolvenzverfahren gegen den Gründer und langjährigen Alleinvorstand Willi Balz als Privatperson beantragt. Das bestätigte Balz gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Dem Bericht zufolge wird derzeit ein Gutachten erstellt, das klären soll, ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird. Der  Insolvenzverwalter der Windreich GmbH, Holger Blümel, gehe nicht davon aus, dass eine mögliche Privatinsolvenz des Ex-Vorstandschefs Auswirkungen auf das Insolvenzverfahren von Windreich haben werde, schreibt die FAZ weiter.  Balz hatte in der Vergangenheit betont, dass er immer wieder Millionen-Beträge aus eigener Tasche als Sicherheiten in sein Unternehmen investiert habe.

Den Gläubigern der Windreich AG – darunter zahlreiche Privatanleger, die in zwei Anleihen investiert hatten – hat der Windreich-Gründer jüngst einen Insolvenzplan vorgestellt. Es sei möglich, die Forderungen der Gläubiger (laut Insolvenztabelle 370 Millionen Euro) weitgehend zu bedienen, so Balz. Schlüssel dazu sei der Verkauf der Nordsee-Windkraftprojekte MEG 1 und Global Tech 1, die nach der Fertigstellung  jeweils über 400 Megawatt Leistungskapazität verfügen sollen. Dabei kalkuliert Balz übereinstimmenden Berichten zufolge mit zusammengenommen 355 Millionen Euro Verkaufserlös aus den Transaktionen (175 Millionen für Global Tech 1 und 180 Millionen Euro für MEG1). Der Insolvenzverwalter Holger Blümle hält die kolportierten Preisvorstellungen jedoch für überzogen: „Gerade hinsichtlich der zu erzielenden Verkaufserlöse bestehen zwischen Herrn Balz und der Insolvenzverwaltung sowie den Gläubigerausschüssen weiter unterschiedliche Marktauffassungen“, zitiert ihn die FAZ. Daher sei es zu früh, um seriös über mögliche Insolvenzquoten zu sprechen.


Windreich-Gründer Willi Balz kritisiert J. Safra Sarasin

In einem aktuellen Brief an die Anleihezeichner verteidigt Balz seine Position und schießt gegen die Bank J. Safra Sarasin, die nicht nur das aktuelle Privatinsolvenzverfahren beantragt hatte, sondern auch das gegen die Windreich GmbH. Zur Vorstellung seines Insolvenzplans schreibt Balz: „Nach einer ausführlichen Diskussion über die Werthaltigkeit von Projekten, bei der ich zusammen mit meinen Beratern durch umfangreichste Dokumentation ‚punkten‘ konnte, kam ausgerechnet von denjenigen, die die Chance, die Windreich in die Insolvenz zu treiben, genutzt haben, der nicht zu begründende Hinweis: Dadurch, dass die Windreich ja insolvent wäre, könne man für Windreich-Projekte sowieso keine normalen Preise erzielen, da wir nicht in der Lage wären, Konzerngarantien abzugeben.“ Und mit Blick auf die Bank J. Safra Sarasin, die Windreich 70 Millionen Euro Kredit gewährt hatte:  „Sehr auffällig ist, dass das Argument  ‚Insolvenz = automatische Wertevernichtung‘ ausgerechnet von den Vertretern und Sachverständigen desjenigen Gläubigers besonders hervorgehoben wird, der diesen Zustand aktiv ausgelöst hat“.


Gegen Balz und weitere Verantwortliche der Windreich GmbH ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart seit September 2013. Dabei gehen die Ermittler gehen unter anderem dem Verdacht der Bilanzmanipulation und der Insolvenzverschleppung nach. Beides hatte Balz stets vehement bestritten (näheres lesen Sie  hier). Laut FAZ strebt die Staatsanwaltschaft an, die Ermittlungen 2015 abzuschließen.

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