Eine italienische Freiflächensolaranlage eines geschlossenen Fonds der Chorus-Gruppe. Die Reform der Einspeseisevergütung in Italien macht Anlagen wie diese für die Betreiber weniger rentabel. / Foto: Unternehmen

  Anleihen / AIF

Probleme bei Italien-Solarfonds: Leonidas setzt Ausschüttungen aus, Chorus wagt den großen Wurf

Eine neue italienische Regelung trifft auch deutsche Anleger hart: Weil die Vergütungen für Solarstrom in Italien deutlich gekürzt werden sollen, werden etliche Solaranlagen einige Jahre nicht rentabel laufen. Die Krux dabei: Die neue italienische Regelung soll auch für bereits bestehende Solaranlagen gelten, nicht nur für neue. Fondsbetreiber reagieren unterschiedlich: Während beispielsweise Leonidas die Ausschüttungen zunächst einmal gestrichen hat, hat Chorus nun den Plan zur Gründung einer neuen Aktiengesellschaft veröffentlicht. Ein Plan, der gefasst wurde, als die italienische Neuregelung noch gar nicht zur Debatte stand.


Bis zu einem Viertel will die italienische Regierung die Einspeisevergütungen für Solarstrom senken (hier  lesen Sie Details zur Regelung). Solche Kürzungen bedeuten für die meisten deutschen Anleger, die über deutsche geschlossene Fonds in italienische Solaranlagen investiert haben, vor allem eins: Die Einnahmen werden meistens in etwa noch ausreichen, um die Kredite der Banken zu bezahlen. Für die Ausschüttungen an die Anleger bleibt in der Regel nicht genug übrig.

Max-Robert Hug, Geschäftsführer der Leonidas Associates GmbH, sagt dazu: „Wir haben die 8 Prozent Ausschüttung für 2014 vorrübergehend ausgesetzt. Sie war ursprünglich für den 30. Juni 2014 geplant.“ Die Solaranlagen des Fonds Leonidas VI laufen laut Hug von der Stromproduktion her zwar kontinuierlich über Plan, auch Liquidität habe der Fonds. Angesichts der Marktlage in Italien sei es aber unverantwortlich erschienen, an die Anleger auszuschütten. Das habe man frühzeitig mitgeteilt. Von den mehreren Möglichkeiten, die Fondsbetreiber in Italien nun wählen können, favorisiert Hug folgendes: „Die Laufzeit des Fördertarifs bleibt gleich, von 2015 bis 2019 wird der monatliche Tarif abgesenkt, wobei die Höhe noch nicht feststeht, es aber zwischen 15 Prozent und 17 Prozent werden dürften.“ Ab 2020 solle dann der Tarif dafür wieder höher werden. Hug: „Die Verschiebung der Ausschüttung für 2014 sichert uns den Handlungsspielraum, die wirtschaftlich vernünftigste Variante für Leonidas VI zu wählen.“

Schwierigkeiten bereitet den Solarfondsbetreibern laut Hug nicht nur die Kürzung der Vergütung, sondern auch folgendes: Solarparkbetreiber verkaufen, so Hug, einen Teil des Stroms direkt an italienische Stromversorger Gestore Servizi Energitici (GSE). Der Preis, zu dem die GSE den Strom abnähmen, sei von 8,06 Cent je Kilowattstunde (kWh) auf 3,89 Cent/kWh gesunken. Diese Kürzung sei umso gravierender, je niedriger der staatlich garantierte Einspeisetarif einer Anlage sei, da der prozentuale Anteil dann entsprechend größer sei, so Hug. Außerdem wurden in Italien pauschale monatliche Abschlagszahlungen für Solarstrom auf Basis des erwarteten Ertrages eingeführt. Ausgezahlt werden aber zehn Prozent weniger als der errechnete erwartete Betrag. Der Abgleich mit dem, wie viel Strom ein Solarpark tatsächlich produziert hat, und der finanzielle Ausgleich erfolge dann erst jeweils im Juni des Folgejahres. Für den Fonds Leonidas VI bedeutet diese Reform, dass die Einspeisevergütung pro KWh voraussichtlich rund 20 Prozent niedriger ausfallen wird. Hug kommentiert: „Glücklicherweise können die Solaranlagen dies dank der überdurchschnittlichen Stromerträge, die sie erzielen, zum Teil ausgleichen.“

Chorus-Fondsgesellschaften sollen in AG gebündelt werden

Auch die Solarfondsanbieterin Chorus aus Neubiberg bei München hat sich bereits an ihre Anleger gewendet. Mitgeteilt wurde, dass „unter anderem aufgrund der vom italienischen Parlament am 8. August 2014 ratifizierten Tarifänderung in Italien in den nächsten Jahren voraussichtlich keine Ausschüttungen mehr geleistet werden könnten.“

Bild: Dieser Solarpark eines Fonds der Chorus-Gruppe steht im Norden Italiens. / Foto: Unternehmen

Vor diesem Hintergrund habe Chorus seit längerem an einem Konzept gearbeitet, um die verschiedenen Chorus-Fondsgesellschaften zu einer großen stabilen Einheit zusammen zu führen. Vereinfacht ausgedrückt sollen alle Kommanditgesellschafts-Beteiligungen an den Chorus CleanTech Fonds in Aktien einer neuen börsennotierten Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Der Name der neuen Aktiengesellschaft: Chorus Clean Energy AG. Die Aktien sollen an der Börse in einem regulierten Bereich gehandelt werden, im so genannten „Prime Standard“ in Frankfurt. Chorus hebt als Vorteile dieser Lösung hervor, dass sich die möglichen Ausschüttungen durch eine breite Diversifikation stabilisieren würden. Denn insgesamt gehe es um 75 Erneuerbare-Energien-Anlagen mit unterschiedlichen Technologien in verschiedenen Ländern. Zudem seien die Aktien an der Börse handelbar – anders als Fondsanteile. Weil die einzelnen Fondsgesellschaften zusammengeführt würden, würden auch die Kosten in der Verwaltung sinken.

Anleger der Chorus-Fonds stimmen ab

Gefragt sind nun die Anleger der Chorus-Fonds. Sie erhalten Abstimmungs-Unterlagen. Denn ohne ihre mehrheitliche Zustimmung ist die Fusion nicht möglich. Stimmen die Anleger zu, sollen die Fonds ihre jeweiligen Betriebsgesellschaften in die neue Chorus Clean Energy AG einbringen. Dafür sollen die Fondsgesellschaften Aktien erhalten, die sie an die Kapitalanleger weitergeben. Steuerlich könnte in dem Vorgehen ein Vorteil für die Anleger der Italien-Solarfonds liegen: Wenn sie ihre Fondsanteile abgeben, könnte sich steuerlich ein Verlust realisieren. Dann wäre die niedrigere Bewertung der Italien-Solarfonds etwas besser zu verschmerzen. Genaues werden aber erst die Bewertungen zeigen, welche die BDO AWT GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vorgenommen hat.

Zusätzlich zu den einzelnen Fondsgesellschaften soll auch die Chorus Muttergesellschaft in die neue Aktiengesellschaft eingebracht werden. Ihr Wertanteil dürfte bei etwas über 20 Prozent des neuen Gesamtwertes liegen. Die Bilanzsumme der neuen Aktiengesellschaft soll bei etwa 525 Millionen Euro liegen, das Aktienkapital bei etwa 175 Millionen Euro. Dabei sollen die Aktien einen Nominalwert von 1 Euro haben, wobei von 17,5 Millionen Aktie die Rede ist. Damit gäbe es einen Kurswert von 10 Euro pro Aktie. Geplant ist aber noch eine Barkapitalerhöhung von etwa 100 Millionen Euro. ECOreporter.de wird in der nächsten Woche eine Analyse der Chorus-Pläne veröffentlichen.
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x