17.03.11 Fonds / ETF

Profitieren Erneuerbare-Energien-Fonds von der Atomkatastrophe in Japan?



Die Atomkatastrophe in Japan beflügelt in dieser Woche die Aktienkurse von Unternehmen aus der Branche der Erneuerbaren Energien. Denn die massiven Zweifel an der Beherrschbarkeit der Kernenergie nähren die Hoffnung darauf, dass der Ausbau der alternativen Energien nun konsequenter umgesetzt wird als bislang angenommen. Heute haben erneut viele Solaraktien an Wert gewonnen, Conergy etwa verteuerte sich heute in Frankfurt wieder zweistellig und über eine Woche hinweg um rund 66 Prozent. Solon gewann bis zum Mittag über elf Prozent an Wert und auf Wochensicht rund 30 Prozent (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu einem Bericht von ECOreporter.de vom 16. März, der diese Kurszuwächse einordnet).

Vor diesem Hintergrund sollte man erwarten, dass auch die in Deutschland zugelassenen Erneuerbare-Energien-Fonds in diesen Tagen stark zulegen. Tatsächlich trifft das aber nur für wenige Produkte zu. Seit Freitag hat sich der DnB NOR ECO Absolute Return mit einem Wertzuwachs von knapp fünf Prozent am besten entwickelt. DnB NOR Asset Management ist einer der größten Vermögensverwalter in Nordeuropa und hat diesen Fonds erst vor drei Monaten auf den Markt gebracht. Manager des weltweit in Umwelt- und Erneuerbare-Energien-Aktien investierenden Carlson Fund – DnB NOR Renewable Energy ist Jon Sigurdsen.

Sigurdsen setzt jedoch keineswegs besonders auf Aktien von Wind- und Sonnenstromunternehmen. Nach seiner Einschätzung wird Energiespeicherung zum Schlüssel für den Erfolg grüner Technologien. „Anfangs war das Thema Energiespeicherung wegen der Vielfalt vorhandener Rohstoffe und geringer Gewinnmargen für Anleger nicht interessant“, erklärt Sigurdsen. Inzwischen seien die Wachstumsaussichten jedoch weitaus attraktiver geworden. Insbesondere der Automobilsektor entwickle sich zum Wachstumstreiber. Beim Einsatz von Elektroautos zeige sich beispielhaft die zunehmende Bedeutung von guten Speichermöglichkeiten. Die Unternehmen der Branche profitierten von der steigenden Nachfrage nach Komponenten und von der Suche nach immer effizienteren Speichertechnologien.

Bildhinweis: Jon Sigurdsen ist Co-Manager des Carlson DnR NOR Renewable Energy Fund. / Quelle: Unternehmen


So überrascht es nicht, dass etwa die Aktie der italienischen Landi Renzo S.p.A. zu den größten Positionen im Portfolio des DnB NOR ECO Absolute Return gehört. Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden im Bereich umweltverträglicher Mobilität. Eine weitere der größten Positionen ist die Aktie der kanadischen Ballard Power Systems, die auf Brennstoffzellen spezialisiert ist und damit auf eine alternative Antriebstechnologie. Mit der US-amerikanischen MYR Group investiert der Fonds auch stark in den Bereich intelligenter und energieeffizienter Stromnetze. Ohnehin liegt der Regionale Fokus des DnB NOR ECO Absolute Return mit einem Anteil von fast 50 Prozent eindeutig auf Titeln aus Nordamerika.

Um 3,7 Prozent hat sich der Luxembourg Selection Asian Solar&Wind A1 in dieser Woche verteuert. Im Gegensatz zum norwegischen Konkurrenten setzt dieser ganz auf Unternehmen der Windkraft- und Photovoltaikbranche. Die UBS Fund Services S.A. aus Luxemburg hat ihn vor zwei Jahren gestartet, FiNet Asset Management aus Marburg stellt das Fondsmanagement. Der Schwerpunkt des Portfolios liegt eindeutig auf chinesischen Solaraktien. Die haben sich in den letzten zwei Jahren deutlich besser entwickelt als deutsche Solarwerte, da die Solarhersteller aus Fernost günstiger produzieren können und daher ihre Marktanteile stark ausgebaut haben.

Präsentation von chinesischen Solarprodukten. / Quelle: Suntech



Wohl auch deshalb haben sie sich in den letzten Tagen nicht so spektakulär verteuert wie viele deutsche Solaraktien. Trina Solar zählt zu den größten Positionen des Luxembourg Selection Asian Solar&Wind A1. Diese Aktie verteuerte sich in dieser Woche um sechs Prozent. Weitere Top-Positionen dieses Fonds sind unter anderem Yingli Green Energy, die auf Wochensicht acht Prozent hinzu gewann, Renesola mit neun Prozent Plus und LDK Solar mit neun Prozent Plus. Auch wenn der Luxembourg Selection Asian Solar&Wind A1 in dieser Woche nur eingeschränkt von der aktuellen Entwicklung profitiert hat, so liegt er doch auf Jahressicht weit vor der Konkurrenz. Er hat in den letzten zwölf Monaten 23,5 Prozent an Wert gewonnen.

Mit 17 Prozent im Plus kann sich auch die Jahresbilanz des Vontobel Fund - Global Trend New Power Tech sehen lassen. Der Fonds der Vontobel Fonds Services AG hat seit dem Atomunfall in Japan aber von allen in Deutschland zugelassenen  Erneuerbare-Energien-Fonds am stärksten verloren. Er büsste 3,8 Prozent an Wert ein. Seit Dezember 2010 verwalten Pascal Dudle und Roger Merz das Vermögen des bereits 2001 aufgelegten Fonds. Er investiert weltweit in Unternehmen, die eine umweltverträglichere und ressourcenschonendere Energieproduktion oder einen ökologischeren Energieverbrauch ermöglichen.

Zu den größten Positionen im Portfolio des Vontobel Fund - Global Trend New Power Tech zählt mit der Wacker Chemie AG zwar ein weltweit führender Solarzulieferer. Dessen Aktie legte in diesen Tagen aber kaum zu, schließlich hatte sie sich zuvor dank starker Geschäftszahlen für 2010 schon sehr verteuert, auf Jahressicht um 40 Prozent. Aber das Management des Vontobel-Fonds ist auch in die Aktie der Siemens AG stark investiert. Und die hat in der Woche deutlich an Wert verloren. Denn der Technologiekonzern aus München engagiert sich nicht nur im Bereich der Umwelttechnologien. Er ist auch weiter am Bau von Atomkraftwerken beteiligt und wurde dafür jetzt an der Börse abgestraft.

Der BlackRock Global Funds (BGF) New Energy Fund zählt mit minus 2,6 Prozent in dieser Woche ebenfalls den den Verlierern. Das Management des schon 2001 aufgelegten Fonds konnte vom starken Aufwind insbesondere der Solaraktien nicht profitieren, da sich unter seinen größten Positionen keine Solarwerte befinden. Vielmehr liegt hier der Schwerpunkt auf Windaktien wie die dänische Vestas, den weltgrößten Windturbinenbauer, die spanische Iberdrola Renovables, den weltweit größten Betreiber von Windparks, und American Superconductor (AMSC) aus den USA, die vor allem Chinesische Windkraftanlagenhersteller mit Technologie ausstattet. Während Vestas und Iberdrola Renovables in diesen Tagen leicht an Wert gewannen, brach die Aktie von AMSC über die Woche hinweg um über zehn Prozent ein. Die Amerikaner hatten die Übernahme der finnischen Energietechnikspezialistin The Switch Engineering Oy gemeldet und aufgrund der Aufwendungen ihre Geschäftsziele nach unten korrigiert.

Die Wertentwicklung der Erneuerbare-Energien-Fonds mit Blick auf 1 Woche


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