Dieses Enercon-Windrad zählt zum Portfolio des Publikums-AIF Aquila WindpowerINVEST II, der in Großbritannien investiert. / Foto: Unternehmen

11.08.15 Anleihen / AIF

Publikums-AIF WindpowerINVEST II von Aquila vor Finanzspritze durch Großinvestoren?

Rund 9,6 Millionen Britische Pfund (GBP) hat der geschlossene Windfonds Aquila WindpowerINVEST II in knapp einem Jahr am Markt bei Privatinvestoren eingeworben. Halb so viel Kapital wie insgesamt angepeilt. Steigt möglicherweise schon bald ein Großinvestor ein?

WindpowerINVEST II ist der erste Fonds des Hamburger Emissionshauses Aquila Capital, der nach nach den Vorgaben des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) als so genannter Publikums-AIF für Privatanleger auf den Markt kam. Außerdem ist es der erste geschlossene Windfonds, den Aquila Capital überhaupt für Privatanleger aufgelegt hat. Investiert wird in vier Enercon-Windräder, die seit April 2014 im Westen der nordenglischen Grafschaft Cumbria Strom produzieren Deshalb ist die Fondswährung nicht Euro, sondern GBP. Eine Besonderheit: Wegen des speziellen Einspeisevergütungstarifs für Windräder mit maximal 500 Kilowatt Leistungskapazität sind die vier Enercon-Anlagen des Typs E48-800 entsprechend gedrosselt. Somit steht dem Fonds als Betreiber von vier dieser Anlagen Aquila Capital zufolge nach aktuellem Umrechnungskurs knapp 0,34 Eurocent pro Kilowattstunde als staatlich garantierte Vergütung für 20 Betriebsjahre zu. Dabei ist der WindpowerINVEST II auf zehn Jahre bis 2024 angelegt. Zum Laufzeitende soll die Anleger je nach Windstromausbeute entweder 134 Prozent, 161 Prozent oder 191 Prozent bezogen auf das eingesetzte Kapital als Gesamtausschüttung zurückerhalten. Das heißt: zuzüglich zum zurückerstatteten Kapitaleinsatz sollen die Anleger zwischen 34 und 91 Prozent Ertrag bekommen. Mit einkalkuliert dabei ist der Verkauf der Windräder in 2024. ECOreporter.de hat das Angebot in diesem ECOanlagecheck analysiert.

Gespräche mit potenziellem Großinvestor laufen

Der Fonds WindpowerINVEST II verzichtet laut Prospekt auf so genanntes Fremdkapital von kreditgebenden Banken. Die angepeilten 19,2 Millionen GBP (aktuell umgerechnet knapp 27 Millionen Euro) sollen demnach als Eigenkapital von Anlegern eingebracht werden. Das soll wohl auch weiterhin so bleiben. Allerdings erwägt das Emissionshaus nach knapp einem Jahr Fondsvertrieb nicht mehr allein auf Privatanleger zu setzen. Von Kleinanlegern warb der Fonds bislang 50 Prozent des anvisierten Eigenkapitals ein. Wie ECOreporter.de auf Nachfrage erfuhr, führt Aquila Capital derzeit Gespräche über den möglichen Einstieg eines Großinvestors. Ein solcher institutioneller Anleger könnte auf einen Schlag einen Großteil oder gar alle noch nicht verkauften Fondsanteile übernehmen. Wie weit die laufenden „Überlegungen“ dazu sind und mit wem über einen möglichen Einstieg verhandelt wird, ließ das Emissionshaus offen: „Über den Stand der Gespräche zu diesen Wünschen wurde Stillschweigen vereinbart“, teilt das Unternehmen mit. Allerdings sei der Fonds nach wie vor auf dem Markt und bislang kein solcher Großanleger beteiligt, erklärt Aquila Capital.

Schwacher Euro als Hindernis für den weiteren Vertrieb?

Wie schnell geschlossene Erneuerbare-Energie-Fonds ausverkauft werden, ist sehr unterschiedlich, allein schon wegen der oftmals sehr verschiedenen Größenordnung der zu finanzierenden Projekte. Dass solche Fonds länger als ein Jahr am Markt sind, ist deshalb keine Seltenheit. Dazu, ob der aktuelle Platzierungsstand Grund für die laufenden Gespräche ist, äußerte sich Aquila Capital nicht. Beim Vertrieb des WindpowerINVEST II könnte sich die aktuelle Schwäche des Euro gegenüber dem Britischen Pfund als zusätzliche Hürde beim weiteren Vertrieb erweisen. Die Einstiegsschwelle liegt bei 10.000 GBP zuzüglich fünf Prozent Ausgabeaufschlag (Agio). Als der Fonds Ende August 2014 auf den Markt kam entsprachen 10.000 GBP noch 12.500 Euro. Nach aktuellen Umrechnungskursen sind 10.000 GBP mittlerweile rund 14.000 Euro wert.
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