24.03.10 Aktientipps

Q-Cells will vom Solarzellenhersteller zum Anbieter von Photovoltaik-Lösungen werden – Analyst gibt Kaufempfehlung, Ventizz Capital übernimmt Sovello AG



Die nun veröffentlichten Zahlen des Solarkonzerns entsprechen im Wesentlichen den Werten, die vorab mitgeteilt wurden und die zum Rücktritt des bisherigen Vorstandschefs Anton Milner geführt haben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) für das gesamte Jahr 2009 beläuft sich auf minus 486 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr ergibt sich ein Verlust von 1.356 Millionen Euro. Auf Buchverluste, Abschreibungen auf Portfoliounternehmen sowie nicht fortgeführte Geschäftsbereiche entfielen insgesamt rund 1 Milliarde Euro.

Die Produktion kristalliner Solarzellen ging im Jahr 2009 auf 537 Megawatt peak (MWp) zurück (Vorjahr: 570 MWp). Inklusive der Dünnschicht-Module der Tochtergesellschaft Solibro ergibt sich eine Jahresproduktion von 551 MWp. Für das Gesamtjahr 2009 ergibt sich damit ein Umsatz in Höhe von 802 Millionen Euro (Vorjahr: 1.251 Milliarden Euro). Die liquiden Mittel zum Jahresende lagen mit 412 Millionen Euro deutlich oberhalb des prognostizierten Wertes von 250 bis 300 Millionen Euro. Laut Q-Cells ist dieser höhere Barmittelbestand zum Teil auf Verschiebungen von Investitionen in das Jahr 2010 zurückzuführen. Mit diesem Bestand an liquiden Mitteln sei das Unternehmen für das laufende Jahr ausreichend finanziert, betonte das Unternehmen. Es bekräftigte damit eine Aussage des neuen Vorstandschefs Nedim Cen, über die wir am 11. März Opens external link in new windowberichtet haben.

Weiter teilte Q-Cells den Rücktritt von Aufsichtsrat Richard Kauffman mit. Als sein Nachfolger sei Helmut Gierse bestellt worden, der langjährige Erfahrungen in der industriellen Produktion und Automation mitbringe.

Für 2010 erwartet das Unternehmen eine deutliche Umsatzsteigerung auf 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro und „ein signifikant verbessertes operatives Ergebnis“. Insbesondere für das erste Halbjahr 2010 sei ein deutliches Wachstum des europäischen Marktes zu erwarten, von dem auch Q-Cells profitieren werde. Für Investitionen im Jahr 2010 stehe ein Volumen von 150 bis 200 Millionen Euro zur Verfügung. Q-Cells will die Mittel in den weiteren Ausbau der Zellproduktion in Malaysia auf eine geplante Kapazität von 600 MWp Ende 2010, in die Dünnschicht-Modulproduktion bei Solibro und in die gezielte Forschung und Entwicklung für Zellen, Module und den Ausbau der Systemkompetenz investieren. Im Bereich der kristallinen Module sei ein Verkaufsvolumen von 100 bis 150 MWp geplant.

Für die Produktion dieser Module ist Q-Cells mit dem Unternehmen Flextronics eine Partnerschaft eingegangen: Flextronics errichte in Malaysia eine Produktionslinie für Module mit einer Kapazität von 200 MW, die mit Solarzellen von Q-Cells bestückt werden. Im Projektgeschäft von QCI strebt die Gesellschaft 150 bis 200 MWp für neu installierte Photovoltaik-Anlagen an. Neben den großen Freiflächenanlagen, auf die sich QCI in den vergangenen zwei Jahren spezialisiert hat, sollen künftig verstärkt auch mittlere Projekte in der Größenordnung von 500 Kilowatt bis 5MW, also Solaranlagen für gewerbliche und industrielle Kunden, realisiert werden.

Ben Lynch, Analyst  von Bryan Garnier & Co., geht davon aus, dass Q-Cells in diesem Jahr auf den Wachstumspfad zurück findet. Er prognostiziert einen Umsatzsprung um 42 Prozent in 2010 und dass am Jahresende ein positives EBIT von 64 Millionen Euro erreicht wird. 2011 werde das Unternehmen den Umsatz dann weiter auf knapp 1,3 Milliarden Euro steigern und das EBIT auf 88 Millionen Euro, so seine Einschätzung. Der Analyst begrüßt die angekündigte Neuausrichtung, die das TecDax-Unternehmen noch forcieren will.

Es kündigte heute an, mit den Ergänzungen bei der Modulproduktion und der Umsetzung von Solaranlagen den Wandel vom Solarzellenhersteller zum Anbieter von Photovoltaik-Lösungen zu forcieren. Das erweiterte Geschäftsmodell ziele darauf ab, zukünftig über ein Portfolio aus Solarzellen, kristallinen und Dünnschicht-Modulen sowie Photovoltaik-Systemen für größere Dach- und Freiflächen zu verfügen. Damit will Q-Cells die ertragreicheren Bereiche der Wertschöpfungskette abdecken und eine bessere Risikogewichtung sicherstellen. Um stärker auch auf die Bedürfnisse internationaler Kunden eingehen zu können, habe man in den Kernländern Frankreich, Italien und Nordamerika eigene Niederlassungen gegründet, hieß es ferner. Weitere Niederlassungen seien geplant.

"Der Photovoltaikmarkt wird in den nächsten Jahren durch starkes Wachstum, aber auch Überkapazitäten und Margendruck gekennzeichnet sein“, sagte der neue CEO Nedim Cen. Q-Cells müsse weiter flexible und kostengünstige Kapazitäten schaffen und mit Hochdruck am Ausbau des Produktportfolios und des Marktzugangs arbeiten. „Die Partnerschaft mit Flextronics ist ein erster wichtiger Meilenstein, aber es müssen weitere folgen, um im scharfen internationalen Wettbewerb Schritt zu halten", so Cen. Die Börsianer scheint er mit seinem Konzept zu überzeugen. Die Aktie des Solarkonzerns legte heute bis zum Mittag in Frankfurt rund acht Prozent auf 7,70 Euro zu. Analyst Lynch rechnet mit starken Zuwächsen und empfiehlt den Anteilsschein mit Kursziel 18 Euro zum Kauf.

Wie Q-Cells weiter bekannt gab, wurde zum Ende des Geschäftsjahres 2009 das Beteiligungsportfolio des Unternehmens umfassend bereinigt. Mit den Bereinigungen gehe man „einen wichtigen Schritt, um bilanzielle Risiken zu minimieren bzw. zukünftig auszuschließen“. Die Buchwerte der Solaria Corp. der Sovello AG (Abschreibung 88 Millionen Euro) und der Sunfilm AG (Abschreibung 150 Millionen Euro) seien 2009 auf Null abgeschrieben worden. Für Sovello haben die beteiligten Gesellschafter mit dem Finanzinvestor Ventizz Capital einen Vertrag zur Veräußerung von 100 Prozent der Anteile geschlossen.

Ventizz Capital kündigte heute an, das Eigenkapital der Sovello AG „um einen zweistelligen Millionebetrag zu erhöhen und das Unternehmen weitgehend zu entschulden“. Dr. Helmut Vorndran, Managing Partner und Mitgründer der Ventizz Capital Partners, lobte das Management von Sovello und gab sich zuversichtlich, die Gesellschaft aussichtsreich im Markt positionieren zu können. Er hob hervor, dass Sovello, an der bisher neben Q-Cells auch die norwegische REC und Evergreen Solar aus den USA je zu einem Drittel beteiligt waren, „einer der wenigen voll integrierten Player im Markt“ sei. Das Unternehmen produziert neben Wafern auch Zellen und Module. Per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu einem Interview von ECOreporter.de mit Vorndran über in Investments in Umwelttechnologie-Unternehmen.

Q-Cells SE: WKN 555866 / ISIN DE0005558662
Bildhinweis: Einblick in die Produktion von Q-Cells. / Quelle: Unternehmen
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