01.12.11 Anleihen / AIF , Fonds / ETF

Quadratur des Kreises? – Was Experten raten, um Bargeld nachhaltig und sicher durch die Krise zu bringen



Die Eurokrise und ihre täglich neuen Ausläufer haben den Blick zahlreicher Privatanleger auf die Gegenwart und Zukunft der Finanzmärkte verändert. „Viele Anleger haben erhebliche Zweifel, ob die Staatsschuldenkrise dauerhaft gelöst wird. Sie gehen eher davon aus, dass sie sich noch verschärfen wird“, konstatiert Ernst Rudolf. Der Vermögensverwalter ist Vorstand der Catus AG aus Bodenheim nahe Mainz und Fondsmanager des Nachhaltigkeitsfonds INFINUS ecoConsort Fund. Ihm erscheint es wenig verwunderlich, dass immer mehr Anleger  nachhaltige Investmentangebote ins Visier nehmen. „Viele Menschen denken zum ersten Mal darüber nach, in nachhaltige Anlagen zu investieren. Ihre Motive sind vielfach sehr stark ethischer und sozialer Natur; sie kritisieren im Zuge der Eurokrise den zunehmenden Werteverfall in der Gesellschaft“, so Rudolf.

„Die Menschen sind zugänglicher geworden für nachhaltige Investitionsmöglichkeiten. Wir bekommen seit Wochen pro Tag mindestens zwei Anfragen von Interessenten, die von uns eine Beratung einfordern“, berichtet Maik Butzbach, freier Finanzvermittler und als solcher Vorstand der NFN AG Nachhaltiges Finanznetzwerk. „Die Sicherheit, von der im Markt und in der Politik immer geredet wird, gibt es nicht. Es gibt lediglich Anlageformen die sicherer oder unsicherer als andere Anlageformen sind“, stellt Butzbach weiter fest. „Mit Rentenpapieren kaufen Anleger Schulden anderer Leute beziehungsweise Länder. Die Garantie, die ein Staat oder ein Unternehmen abgebe, sei immer nur so gut wie der Garant selbst, gibt er mit Blick auf dieses Marktsegment zu bedenken. Dies gelte für konventionelle wie für nachhaltige Emittenten.

„Wenn man unter sicherer Investition ‚nicht schwankend‘ versteht, dann bleiben als nachhaltige Anlagen nur kurz laufende Staatsanleihen von wirtschaftlich starken Ländern wie beispielsweise Deutschland oder Norwegen mit Renditen unter einem Prozent“, erläutert Ernst Rudolf von der Catus AG.  Man müsse aber die Inflation berücksichtigen, die aktuell bereits bei 2,5 Prozent liege. Somit lohne sich das Investment in Rentenpapiere schlicht nicht. „Nur Unternehmensanleihen und Anleihen von Schwellenländern bieten aufgrund ihrer höheren Rendite einen Inflationsschutz“, so Rudolf. Er rät zu nachhaltigen vermögensverwaltenden Fonds mit einem Mix aus Aktien und Rentenwerten, wie er ihn mit dem INFINUS ecoConsort Fund betreut.
Bildnachweis:Ernst Rudolf, Vorstand der Catus AG / Quelle Unternehmen.


„So etwas wie den sicheren Hafen für nachhaltige Anleger scheint es derzeit nicht zu geben“, meint auch Martin Cech, Fondsmanager des Geldmarkt nahen Nachhaltigkeitsfonds Espa Vinis Cash der Ersten Sparinvest mit Sitz in Wien.  „Wir empfehlen die Geldanlage möglichst breit zu streuen, die Investments also nicht zu stark auf einzelne Emittenten zu konzentrieren. Wir verfolgen derzeit eine sehr defensive beziehungsweise konservative  Anlagestrategie. Dabei setzten wir auf kurzfristige Anleihen wie Pfandbriefe oder Unternehmensanleihen, die nicht länger als zwei Jahre laufen. Außerdem ziehen wir für die nächste Zukunft die Investition in Monatsgelder in Erwägung.“ erklärt Fondsmanager Martin Chech.

Eine Strategie der breiten Streuung verfolgt auch Pierre Boyer, als Money Market Asset Manager von Dexia Asset Management auch Experte für den nachhaltigen Geldmarktfonds Dexia Money Market Euro Sustainable. Er verwaltet ein über viele verschiedene Anlageklassen gestreutes Portfolio mit kurzfristig laufenden Wertpapieren und Geldmarktinstrumenten. Damit habe er erreicht, dass der Dexia Money Market Euro Sustainable die Wertentwicklung seines Referenzindex, des EONIA, in den vergangenen Monaten deutlich überboten habe, so Boyer [Der Euro OverNight Index Average (EONIA) ist ein Referenzindex für kurzfristige Geldmarktkredite im Euroraum und wird von der Europäischen Zentralbank  berechnet. - Anm. d. Redaktion].
 
Zwar halten alle von ECOreporter.de befragten Experten einen Kollaps der europäischen Währungsunion für unrealistisch. Einen möglichst wirksamen Schutz vor Inflation halten sie allerdings übereinstimmend für wichtig.  „Schon kleine Inflationsraten  erhalten auf der Zeitachse eine enorme Bedeutung“, erklärt NFN- Vorstand Butzbach: „Bei einer Inflationsrate von 3 Prozent pro Jahr halbiert sich ein Vermögen innerhalb von 24 Jahre. Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent pro Jahr reduziert sich das Vermögen in 25 Jahren immerhin noch um rund ein Drittel“, rechnet er vor.

Aus Angst vor der Geldentwertung durch Inflation, wenden sich viele Anleger verstärkt Sachwertanlagen zu, insbesondere Investments in Immobilien oder Edelmetalle. Offenbar gelten sie ihnen in Krisenzeiten im Vergleich zu Investmentfonds als sicher.  „Sachwertanlagen gehören generell in ein breit aufgestelltes Portfolio. Und das völlig unabhängig davon ob diese Anlagen - wie zurzeit - stark nachgefragt werden“, sagt Finanzberater Butzbach dazu.
Bildnachweis: Maik Butzbach, Vorstand der NFN AG. /Quelle: Unternehmen

Das Problem dabei: Edelmetall-Investments in Gold oder Silber sollten für nachhaltige Anleger eigentlich tabu sein. „Gold ist der Airbag für die Extremkrise, den Zusammenbruch unseres Währungssystems. Es wird jedoch nicht nachhaltig gefördert und ist aufgrund der erheblichen Schwankungen des Goldpreises weit davon entfernt, als sichere Anlage zu gelten“, stellt Ernst Rudolf klar (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu einem ausführlichen Beitrag zum Thema Goldinvestments und Nachhaltigkeit). „Als sicherer Geldanlagehafen kommen Rohstoffe für nachhaltig orientierte Anleger nicht in Frage“, ergänzt Finanzberater Butzbach: „Im Reichtum an Bodenschätzen wurzeln zahlreiche der blutigsten Konflikte in verschiedenen Teilen der Welt. Die Erträge aus dem legalen und irregulären Abbau versickern nach nach wie vor zu nicht unerheblichen Teilen in dunklen Kanälen“, erklärt er.

Geschlossene Neue-Energiefonds, über die direkt in Wind-, Solar-, oder Biogasanlagen investiert wird,  zählen ebenfalls zu den Sachwertinvestments. Sie bieten laut Vermögensverwalter Rudolf „im Einzelfall gute Anlagemöglichkeiten“. Um vernünftige Entscheidungen zu treffen, seien jedoch fundiertes Wissen und viel Erfahrung notwendig, worüber normale Anleger nicht verfügen würden. „Außerdem muss ein liquides Vermögen von mindestens 100.000 Euro vorhanden sein, da man nicht mehr als 10 bis 15 Prozent in diese mit mittleren bis langen Laufzeiten ausgestatteten Anlagen geben sollte“, argumentiert Rudolph mit Blick auf eine möglichst breite Streuung der Geldanlagerisiken.
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