Einblick in die Produktion von Suntech. Der Soalrkonzern hatte als erstes eine Produktionskapazität von einem Gigawatt erreicht. Aufgrund der Überkapazitäten im Weltmarkt muss er aber heute um seine Fortbestand kämpfen. / Quelle: Unternehmen

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Regierung bremst chinesische Solarhersteller aus

Die chinesische Regierung will verhindern, dass die einheimischen Solarhersteller noch mehr Produktionskapazität aufbauen. Sie haben schon jetzt einen Anteil am Weltmarkt von rund 70 Prozent, ohne dass sie ihre Produktionskapazitäten voll auslasten können. Diese beziffert Bloomberg mit insgesamt 49 Gigawatt. Diese Kapazität übertrifft die weltweite Nachfrage für Solarmodule bei weitem. im vergangenen Jahr lag sie mehr als 60 Prozent unter diesem Wert. Auch in 2013 dürfte sie weit unter 40 GW liegen.

Nun hat das chinesische Industrieministerium einen offiziellen Ausbaustopp für Solarfabriken bekannt gegeben, sofern er lediglich auf eine Ausweitung der Massenfertigung geht. Je größer die Stückzahl der Produktion ist, desto weniger kostet die Herstellung  eines Solarmoduls und desto billiger kann es angeboten werden. Aus diesem Grund haben chinesische Solarhersteller in den letzten Jahren sehr stark in den Ausbau der Kapazitäten investiert. Mit dem Ergebnis, dass mittlerweile in jeder zweiten Großstadt eine Solarfabrik steht und Arbeitsplätze bietet, die erhalten werden müssen. Um einen Zusammenbruch der einheimischen Solarbranche zu verhindern, hat die Zentralregierung und haben lokale Institutionen in den letzten Jahren eine Reihe von Fördermaßnahmen gestartet, um Investitionen in chinesische Solaranlagen anzustoßen. Dazu gehört auch die Einführung fester Einspeisetarife für Solarstrom.

Daher wächst in diesem Jahr in keinem Land der Welt die Nachfrage für Solarprodukte so stark wie in China. Voraussichtlich wird die Solarstromkapazität der Volksrepublik noch in diesem Jahr die Marke von zehn Gigawatt (GW) deutlich übersteigen, nachdem sie vor zwei Jahren noch deutlich unter einem GW gelegen hatte. Das hat viele einheimische Solarhersteller vor der Pleite bewahrt, denn im bisherigen Hauptabsatzmarkt Europa war die Nachfrage eingebrochen. Es droht aber eine Überhitzung des chinesischen Solarmarktes. Dem will die Zentralregierung nun einen Riegel vorschieben.

Das zuständige Industrieministerium will ab Mitte Oktober nur noch Investitionen in neue Produktionsanlagen zulassen, wenn sie eindeutig dem technischen Fortschritt dienen, also die Fertigung von leistungsstärkeren Solarmodulen ermöglichen. Zudem verlangt das Industrieministerium, dass Solarhersteller mindestens drei Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung investieren. Laut Bloomberg erfolgt dies bisher im Schnitt allenfalls zu zwei Prozent des Umsatzes. Folglich sollen die Solarhersteller in China nicht länger aus Masse setzen, sondern verstärkt auf Qualität. Vor allem können sie neue Kosteneinsparungen und neues Wachstum nicht mehr erreichen, indem sie immer mehr Solarkomponenten produzieren. Sie müssen effizienter produzieren. Und nur noch durch Übernahmen und Verschmelzungen können sie an Größe gewinnen.

Noch ist offen, wie die börsennotierten Solarhersteller aus China darauf reagieren. Für hoch verschuldete Solarkonzerne wie Suntech oder LDK erhöht das aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie von der Konkurrenz übernommen werden. Dass ihre Gläubiger weniger Vertrauen auf eine Restrukturierung aus eigener Kraft haben können und stärker dazu drängen dürften, Produktionskapazitäten an Konkurrenten zu verkaufen. Westliche Solarhersteller wiederum müssen nicht fürchten, dass die Produktionskapazitäten in China und damit die Überkapazitäten im Markt noch weiter ansteigen. Diese hatten zu einem massiven Preisverfall bei Solarkomponenten geführt. Solarmodule hatten sich allein in 2012 im Schnitt um 20 Prozent verbilligt. Künftig dürfte der Preisverfall an Dynamik verlieren. Das verschafft westlichen Solarherstellern Zeit, ihre Produktionskosten weiter zu senken.
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