27.05.10 Finanzdienstleister , Fonds / ETF

Rente mit gutem Gewissen - deutsche Versorgungswerke und das nachhaltige Investment




Norwegens Finanzminister Sigbjörn Johnsen macht Ernst: Künftig darf der Staatsfonds, der die norwegischen Pensionsgelder verwaltet, keine Aktien von Tabakherstellern mehr kaufen. Johnsen folgt damit der Empfehlung des fünfköpfigen Ethikrats, der kontrollieren soll, dass die Investments des Pensionsfonds nicht gegen die eigenen Richtlinien verstoßen. Was Norwegen vormacht, setzt sich auch bei anderen Investoren durch. 2008 waren in Europa immerhin 2,2 Billionen Euro nach ethisch-ökologischen Kriterien investiert. Laut dem European Social Investment Forum (Eurosif) stammen 94 Prozent des nachhaltig investierten Kapitals aus den Kassen großer institutioneller Anleger, vor allem aus von Pensionsfonds.

Kein zusätzliches Renditerisiko

Auch deutsche Versorgungswerke orientieren sich bei ihren Investments zunehmend an ethisch-ökologischen Kriterien. Laut einer Studie von Fortis Investments legen mehr als 40 Prozent der deutschen Pensionsverwalter nachhaltig an. Der hohe Wert hat aber einen Schönheitsfehler: Viele Versorgungswerke haben auf die Fortis-Anfrage nicht geantwortet. So beteiligte sich beispielsweise nur etwa ein Drittel der 154 befragten Pensionskassen. Unter den verbliebenen 51 Pensionskassen waren es 22, bei denen ethisch-ökologische Standards direkten Einfluss auf die Kapitalanlage haben. Weitere 14 bekannten sich zwar zu Nachhaltigkeitskriterien, räumten aber ein, dass sie Pensionsgelder primär nach Renditegesichtspunkten anlegten.

Die Angst einiger Versorgungswerke, mit nachhaltigen Investments Rendite einzubüßen, ist unbegründet. So verzinsten sich die Kapitalanlagen der nachhaltig investierenden Gerling Versorgungskasse mit 6,0 Prozent in 2006 und 5,9 Prozent in 2007 deutlich besser als der Schnitt aller Pensionskassen, die nur auf  4,9 beziehungsweise 5,0 Prozent kamen. Die Kölner Pensionskasse, die ebenfalls ethisch-ökologische Standards berücksichtigt, lag 2006 mit 5,2 Prozent knapp über dem Schnitt, 2007 mit 4,4 Prozent nur wenig darunter.

Trend zu mehr Nachhaltigkeit

Noch sind die nachhaltigen Versorgungswerke in der Minderheit, aber die Aussichten für die Zukunft sind gut. Immerhin 54 Prozent der Pensionsverwalter rechnen nach einer Umfrage von Allianz Global Investors damit, dass Nachhaltigkeitskriterien für die Anlage von Pensionsvermögen in Zukunft wichtiger werden.

Wie wichtig dem eigenen Versorgungswerk Nachhaltigkeitskriterien sind, können Arbeitnehmer und Arbeitgeber seit 2002 den Geschäftsberichten oder der jährlichen Betriebsrenteninformation entnehmen. Das 2002 erneuerte Versicherungsaufsichtsgesetz befiehlt den Verwaltern von Pensionsgeldern, offen zu legen, ob sie bei ihren Kapitalanlagen ethisch-ökologische Standards berücksichtigen.

„Das systematische Filtern einzelner Aktien und Anleihen nach ethischen, sozialen oder ökologischen Kriterien ist bei deutschen Versorgungswerken noch nicht sehr verbreitet“, kritisiert Axel Hesse von der Unternehmensberatung SD-M aus Münster. Oft seien die deutschen Pensionsvermögen zu klein und hätten einen zu geringen Aktienanteil als dass sich die Einzeltitelauswahl in Eigenregie lohnen würde.
Bildhinweis: Axel Hesse / Quelle: SD-M


Nachhaltige Betriebsrenten: zwei Wege

Das derzeitige Angebot für nachhaltige Betriebsrenten konzentriert sich daher meist auf fondsgebundende Direktversicherungen. Dabei sind zwei Varianten zu unterscheiden: Entweder sind es konventionelle Direktversicherungen, die sich mit nachhaltigen Fonds bestücken lassen, wie bei Skandia, oder ethisch-ökologische Tarife, wie die „Anlagestrategie Natura“ von Swiss Life. Auch Pensionskassen, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen,  bieten häufig Tarife mit ethisch-ökologischen  Investmentfonds. Dazu zählen beispielsweise der Öko-Pensionsplan von Versiko/ProBav oder die Transparente von VAV/neue leben.  

Nachhaltigkeitskriterien mit Fonds zu erfüllen, ist für betriebliche Versorgungswerke der bequemste Weg, weil sie so die Auswahl einzelner Investments einem Vermögensverwalter überlassen können. Die Lebensversicherung oeco capital beispielsweise wendet für alle ihre Kundengelder Umweltleitlinien an, egal ob sie aus einem Betriebsrententopf stammen oder nicht. Oeco capital investiert nur in Unternehmen, die umweltschonend produzieren, ethische Standards im Umgang mit Personal und Kunden beachten, auf Gentechnik und weitgehend auf Tierversuche verzichten sowie keine  Atomenergie erzeugen. Die Kriterien gelten sowohl für börsennotierte Unternehmen als auch für jene, die sich lediglich über Anleihen Geld am Kapitalmarkt besorgen.

Die Berliner Ärzteversorgung macht es anders: Statt einzelne Branchen oder Unternehmen auszuschließen, hat sie den Vermögensverwalter F&C Investments beauftragt, Einfluss auf die Konzerne auszuüben, nachhaltiger zu wirtschaften. Dafür nutzt F&C beispielsweise die Stimmrechte auf den Hauptversammlung, aber auch direkte Gespräche mit den Vorständen.  

Arbeitgeber entscheiden

Arbeitnehmern, die Wert auf eine ethisch-ökologische Betriebsrente legen, sind in Deutschland allerdings Grenzen gesetzt. Zwar haben Beschäftigte ein Anrecht auf ein Angebot zur betrieblichen Altersversorgung. Nur: Wie das konkret gestaltet ist, entscheidet der Arbeitgeber. Der muss sich nicht für eine ethisch-ökologische Lösung entscheiden. In der Regel stehen Rendite, Kosten und Gesetzliche im Vordergrund. Inzwischen bieten  eine Reihe unabhängiger Unternehmensberatungen Hilfe an, um konventionelle Betriebsrenten in grüne zu verwandeln.      


Zusammenfassung:
Fünf Wege führen zur Betriebsrente:
•    Direktversicherung: Der Arbeitgeber schließt für seine Arbeitnehmer eine Lebensversicherung ab. Häufig wird dabei ein Teil des Gehalts steuer- und sozialabgabenfrei in Beiträge zur Betriebsrente umgewandelt.
•    Pensionskasse: Eigenständiges Versorgungswerk, vergleichbar mit einem Lebensversicherer
•    Pensionsfonds: Eigenständiges Versorgungswerk, das nicht an die strengen Anlagevorschriften eines Lebensversicherers oder einer Pensionskasse gebunden ist
•    Unterstützungskasse: Von einem oder mehreren Unternehmen finanziertes Versorgungswerk, das nicht der Versicherungsaufsicht unterliegt
•    Direktzusagen:  Unternehmen bilden Rückstellungen für zugesagte Betriebsrenten


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