Bergbau fordert nach wie vor zahlreiche Todesopfer. Die Betreiber von Minen zählten 2014 deshalb laut RepRisk zu den weltweit am stärksten kritisierten Unternehmen. / Foto: Fotolia

13.04.15 Fonds / ETF

RepRisk-Studie: Die zehn weltweit kontroversesten Großvorhaben

Massive Umweltverschmutzung, tragische Unfälle wegen hoch riskanter Arbeitsbedingungen, Zwangsarbeit und Betrug: Eine aktuelle Studie der RepRisk AG zeigt die kontroversesten Großvorhaben der Welt in 2014 und nennt die Unternehmen, die dahinter stehen. In der Rangliste ist neben Bergbaukonzernen und Unternehmen aus der Tourismusbranche einmal mehr der Fußballweltverband Fifa zu finden - wegen der Weltmeisterschaft, die 2022 in Katar stattfinden soll.

Grundlage der Studie ist die  Auswertung des RepRisk Inex (RRI). Dafür sammelt bündelt und bewertet die RepRisk AG Medienberichte, Gerichtsurteile, Studien, Kritik von Nichtregierungsorganisationen und auch Stellungnahmen von Verbänden. Der RRI wertet die Berichterstattung nach sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien aus und leitet daraus das Reputationsrisiko von mittlerweile mehr als 50.000 Unternehmen weltweit ab. Die Skala reicht von 0 bis 100 Punkten (minimales bis maximales Reputationsrisiko).  Dabei unterscheidet der RRI vier Risikoklassen: niedrig (bis 25 Punkte), mittel (bis 50 Punkte) hoch (bis 75 Punkte) und sehr hoch (bis 100 Punkte). Die Rep-Risk-Datenbank und der Rep-Risk-Index sind Werkzeuge, die unter anderem Fondsinitiatoren und Großinvestoren bei der Umsetzung ihre Nachhaltigkeitsstrategien helfen sollen.
Zulieferer von Volkswagen und Mitsubishi schwer in der Kritik

Der Fifa-WM in Kartar steht  demnach weiterhin schwer in der öffentlichen Kritik: Stein des Anstoßes bleibt die für 2022 in dem Wüstenemirat Katar anberaumte Fußballweltmeisterschaft. Die Vorwürfe sind nicht neu, aber weiter aktuell: Es geht um Menschenrechtsverletzungen beim Bau der Infrastruktur für das Turnier, schlechte Arbeitsbedingungen vor Ort, Zwangsarbeit und Korruption. Doch die Fifa-Weltmeisterschaft in Katar war damit längst nicht mehr das weltweit kontroverseste Großprojekt des Jahres 2014. Sie rangiert in der aktuellen RRI-Auswertung lediglich noch auf dem fünften Rang. Spitzenreiter ist der chinesische Automobilzulieferer Kunshan Zhongrong Metal Plating. Ein Unternehmen, das der Studie zufolge zu den Zulieferern von Mitsubishi und Volkswagen gehört. Bei dem Unternehmen gab es im August 2014 eine große Explosion mit 70 Todesopfern und 180 Verletzen. Auslöser soll eine chemische Reaktion gewesen sein, die mit entsprechenden baulichen Maßnahmen hätte verhindert werden können, heißt es in dem Bericht unter Bezugnahme auf die Ermittlungen zur Unglücksursache. 2014 rückten generell große Arbeitsunfälle in den Fokus der fortlaufenden RepRisk-Auswertung. Es handele sich vielfach um Vorfälle mit im Vorfeld bekannten Risiken und auch Warnungen. In einzelnen Fällen hätten die betroffenen Unternehmen versucht, die Vorkommnisse zu vertuschen, so die Studie.

Umweltverschmutzung: Greenpeace prangert Mine in Mexko an

Auf dem zweiten Rang der kontroversesten Großvorhaben der Welt landete die Buenavista del Cobre Mine in Mexiko. Ein Säureuunfall brachte 40.000 Kubikmeter Chemikalien in einen Fluss und vergiftete diesen. Greenpeace Mexiko schätzt der Studie zufolge, dass die Reinigung bis zu 20 Jahre dauern könne. Zudem zitieren die Studienmacher das mexikanische Umweltministerium, die den Vorfall als „schlimmste ökologische Katastrophe in Mexikos Bergbaugeschichte“ nannte.

Auf dem dritten Platz der RepRisk-Top 10 brachte es ein Unglück in einem Kohlebergwerk der türkischen Soma Komur Isletmeleri AS. Das Unglück ereignete sich im Mai 2014 und forderte 301 Todesopfer.  Die Mitarbeiter hatten nach dem Unglück schwere Vorwürfe gegen den Konzern erhoben. Es ging um die riskanten Arbeitsbedingungen.

Die meisten (drei) der zehn genannten Vorfälle beziehen sich auf Großvorhaben in Asien (China und Korea). Nordamerika ist zweimal vertreten (einmal USA, einmal Kanada), Australien, die Türkei und Russland jeweils einmal. RepRisk aktualisiert die vorliegende Studie jährlich.
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