14.12.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Researchpartner ermitteln Klimarisiken von 35 Branchen: Immobilien- und Bauwirtschaft hinken hinterher

Die Immobilien- und die Bauwirtschaft setzen sich bisher wenig mit Klimarisiken auseinander. Das ist eines der Ergebnisse eines gemeinsamen Projekts der HypoVereinsbank (HVB) mit der Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research. Wie oekom meldet, analysierten und bewerteten die Partner die Klimarisiken von 35 Branchen. Insgesamt gewinne das Thema Klimastrategie zunehmend an Bedeutung: „Die Ergebnisse des Klimagipfels in Kopenhagen werden unmittelbare Auswirkungen auf die Unternehmen haben, da sie deren Rahmenbedingungen direkt und indirekt beeinflussen“, sagt Stefan Löbbert, Leiter Corporate Sustainability bei der HVB.

Anders als die Immobilien- und Baubranche reagieren laut oekom die Energieversorger, die Öl- und Gasbranche und die Automobilbranche. Sie seien noch stärker von den Risiken betroffen, hätten aber bereits begonnen, sich systematisch damit auseinander zu setzen. "Sie bauen Know How und Strukturen im Unternehmen auf und erfassen ihre Treibhausgasemissionen“, so Rolf D. Häßler, Director Business Development bei oekom research.

Deutliche Unterschiede konstatiert oekom zwischen Großunternehmen und der mittelständischen Wirtschaft. So hätten die DAX 30 Unternehmen bei der Bewertung des Klimarisiko-Managements durch oekom research auf einer Skala von 1,0 (sehr schlecht) bis 4,0 (sehr gut) eine durchschnittliche Bewertung von 2,72 erreicht. Die MDax-Unternehmen kamen demnach nur auf einen Wert von 1,62. Häßler: „Gerade kleine und mittelständische Unternehmen tun sich schwer, die konkreten Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäft zu analysieren und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen einzuleiten.“

Die organisatorische Verankerung des Klimaschutzes sei zumindest in einigen Branchen auf einem guten Weg, heißt es weiter. In der Gesamtschau lasse die Qualität der konkreten Ziele und Programme zum Klimaschutz jedoch zu wünschen.

Die Autoren hätten nicht nur die unmittelbaren physischen Risiken für Unternehmen in ihrer Betrachtung berücksichtigt - wie etwa Schäden an Gebäuden oder Infrastruktureinrichtungen durch extreme Wetterereignisse. Es seien auch regulatorische Risiken, Veränderungen bei den Marktpreisen und beim Kundenverhalten sowie Reputationsrisiken einkalkuliert worden.

„Wenn man sich in Kopenhagen auf verbindliche Schritte zur Erreichung des viel diskutierten 2-Grad Ziels einigen kann, besteht die Chance, dass die physischen Risiken begrenzt werden können. Gleichzeitig werden in diesem Szenario aber mit hoher Wahrscheinlichkeit die regulatorischen Vorgaben verschärft werden“, erläutert Häßler.

Dabei rückt eine adäquate Klimapolitik der Unternehmen stärker in den Fokus. „Die Frage, wie sich ein Unternehmen, entsprechend seiner Exponiertheit im Klimawandel auf diese Veränderungen vorbereitet, wird bei Entscheidungen im Kreditgeschäft und Assetmanagement eine größere Rolle spielen“, so Stefan Löbbert von der HVB.
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