Rohrkrepierer oder Schnäppchen für langfristig ausgerichtete Anleger? - Das Bio-Ethanol Index TR Zertifikat

Es gibt bislang kaum Zertifikate, die voll und ganz auf Biosprithersteller setzen. Vor etwa einem Jahr hat ABN Amro mit dem Bio-Ethanol Index TR Zertifikat eines auf den Markt gebracht. Das Zertifikat mit unbegrenzter Laufzeit beteiligt den Anleger im Bezugsverhältnis 1 zu 1 an der Wertentwicklung eines Aktienkorbes, der ausschließlich Ethanol-Unternehmen enthält. Wie Funda Tarhan gegenüber ECOreporter.de erläuterte, kommen nur Unternehmen für den Index in Frage, bei denen Ethanol mindestens 50 Prozent des Geschäfts ausmache. Halbjährlich überprüfe ABN Amro die Auswahl, ein Nachhaltigkeitsrating werde nicht durchgeführt. In die Entwicklung des bankeigenen Index fließen laut der Unternehmenssprecherin sowohl die Kursentwicklung als auch die Dividendenausschüttungen der ausgewählten Gesellschaften ein. Die bisherige Bilanz des börsennotierten Wertpapiers fällt verheerend aus und dürfte kaum Nachahmer auf den Plan rufen. Von 75 Euro ist es auf unter 33 Euro abgestürzt. Aktuell liegt der Geldkurs bei 32,62 Euro, der Briefkurs 33,11 Euro. Der Spread beträgt 1,47 Prozent, die jährliche Managementgebühr 1 Prozent.

Dabei sind die Aussichten für den Ethanolmarkt theoretisch sehr gut. Dauerhaft hohe Ölpreise zwingen weltweit dazu, auf neue Antriebstechnologien zu setzen. Ferner ist der Verkehr einer der Hauptemittenten des Treibhausgases CO2. Eine entscheidende Rolle zur Minderung des Schadstoffausstoßes spielen die Fahrzeugkraftstoffe, denn das Auto ist und bleibt der weltweite Mobilitätsträger Nummer eins. Biotreibstoffe wie Ethanol könnten helfen, die Klimabelastung durch den Verkehr zu verringern. Handelt es sich hierbei doch um einen aus Biomasse gewonnenen, nachwachsenden Energieträger. In Asien, Europa und vor allem in den USA ist der Bedarf nach Ethanol in den letzten Jahren auch deutlich gestiegen. In Brasilien, wo in hohem Maße die erforderliche Stärke und Zucker aus Zuckerrohr gewonnen wird, treibt Ethanol-Treibstoff schon heute das Gros der Fahrzeuge an. Dort wird Bioethanol seit über 20 Jahren als Kraftstoff verwendet, sind etwa 60 Prozent aller Neuzulassungen sind so genannte Flexfuel Vehicles (FFV). Sie laufen mit jeder Mischung von Benzin und Ethanol, aber auch mit reinem Ethanol. US-Präsident Bush hat in den Vereinigten Staaten Programme angestoßen, die es US-Autofahrern erleichtern sollen, Biotreibstoffe einzusetzen. Deren Beimischung soll bis 2017 auf 17 Prozent anwachsen. Die EU hat das Ziel ausgegeben, bis 2010 mindestens 5,75 Prozent der herkömmlichen fossilen Brennstoffe durch Stoffe wie Ethanol und Biodiesel zu ersetzen. Bis 2020 will man einen Anteil von mindestens zehn Prozent erreichen.

Dennoch haben sich Aktien aus der Branche im letzten Jahr sehr schlecht entwickelt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. In Deutschland leidet die Branche zum Beispiel vor allem darunter, dass der Fiskus den Einsatz von Biotreibstoffen weniger fördert als ursprünglich angekündigt. Denn in Deutschland ist der Marktanteil von Biokraftstoffen schon jetzt höher als in den meisten anderen EU-Staaten. In den USA wurde zwar zuletzt ein starker Anstieg des Ethanolverbrauch verzeichnet. Aber zugleich haben dort die Ethanolproduzenten binnen kürzester Zeit Überkapazitäten aufgebaut. Schnell wuschen sie auf über 20 Milliarden Liter an. Die Getreidepreise sind jedoch auch deshalb stark gestiegen, so dass die Produzenten ihre Rohstoffe weitaus teurer einkaufen mussten als erwartet. Somit fiel der Preisvorteil gegenüber herkömmlichen Treibstoff weitaus geringer aus als erhofft. Hinzu kam die Konkurrenz ausländischer Ethanolanbieter, etwa aus Brasilien, wo man viel mehr Erfahrung mit der Produktion großer Mengen von Ethanol besitzt, Rohstoffe billig erwerben und geringere Lohnkosten einkalkulieren kann. Die US-Ethanolproduzenten verdienten weitaus weniger als zuvor angenommen. Dass diese dazu übergingen, in Mexiko vergleichsweise billig Mais als Rohstoff einzukaufen und dadurch bewirkten, dass sich im armen Nachbarland dieses Grundnahrungsmittel verteuerte, gab den Kritikern des Einsatzes von Getreide für die Herstellung von Treibstoffen weitere Argumente in die Hand.

Diese verweisen darauf, dass es auch andere Alternativen zum Fahrzeugantrieb mit fossilen Brennstoffen gibt als die Verfeuerung potentieller Lebensmittel, etwa den Elektroantrieb. Sie kritisieren ferner, dass beim Anbau und Düngender Energiepflanzen klimaschädliche Gase wie Distickstoffoxid in die Atmosphäre ausgestoßen werden. Insgesamt trüge Ethanol nur wenig zur Verringerung der Klimabelastung bei. Zwar weisen auch unabhängige Experten solche Kritik zurück. Doch wie groß der ökologische Nutzen von Biotreibstoffen wirklich ist, bleibt weiter umstritten.

All diese Entwicklungen haben sich negativ auf den Aktienkurs vieler Ethanolproduzenten ausgewirkt. ABN Amro hat laut Funda Tarhan im Februar die Zusammensetzung des Ethanol-Index aktualisiert zwei Werte entfernt. Neben der Xethanol Corp. aus den USA traf es die EOP Biodiesel aus Deutschland, deren Aktie sich auf Jahressicht um über 70 Prozent verbilligt hat. Mit der australischen Goodman Group wurde nur ein Wert neu aufgenommen. Die weiteren Titel im Ethanolindex von ABN Amro sind die deutsche Biopetrol Industries AG, GTL Resources und D1 Oils plc aus Großbritannien und die US-Unternehmen Verasun, Aventine und Pacific Ethanol. Als Anleger setzt man bei dem Bio-Ethanol Index TR Zertifikat somit auf einen sehr kleinen Aktienkorb und eine im Vergleich zu anderen Indexzertifikaten geringe Risikostreuung.

Fazit:
Dieses Zertifikat ist zwar im Moment aufgrund des Wertverfalls relativ günstig zu erwerben. Es birgt jedoch immer noch erhebliche Risiken. Denn zum einen ist völlig ungewiss, ob und wann die Ethanolunternehmen im Index einen Aufschwung erfahren. Zum anderen ist das Risiko durch die Beschränkung auf wenige Titel und einen sehr engen Marktausschnitt sehr riskant. Risikobewusste Anleger können vielleicht darauf setzen, dass sich die Aktienkurse der im Bio-Ethanol Index TR Zertifikat enthaltenen Unternehmen wieder deutlich erholen. Langfristig ist dies durchaus möglich. Es gibt jedoch andere, breiter aufgestellte Wertpapiere, die auf Biotreibstoffunternehmen setzen. Daher können wir dieses Zertifikat nicht empfehlen.

Open-End Zertifikat auf Bio-Ethanol TR Index
WKN: AA0EKB
ISIN NL0000776888
Laufzeit: unbegrenzt

Bildhinweis: Raps ist in Deutschland der wichtigste Rohstoff für die Biotreibstoffproduktion / Quelle: VDB
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