Hemmt die EEG-Reform die Energiewende in Deutschland? Experte fordert Erneuerbare Energien drei bis sechs Mal schneller auszubauen als von der Bundesregierung geplant. / Foto: pixabay

21.06.16 Erneuerbare Energie

Rückt die EEG-Reform das deutsche Klima-Ziel in weite Ferne?

Die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ist weiter hoch umstritten. Noch vor der parlamentarischen Sommerpause soll der Bundestag die Novelle verabschieden. Die Bundesregierung hat sich auf einen Gesetzentwurf geeinigt (wir haben darüber  berichtet). Aber aus den Bundesländern und von den Verbänden kommen noch zahlreiche Verbesserungsvorschläge. Zudem nähren die Ergebnisse einer aktuellen Studie Zweifel am Klimaschutz-Kurs der Regierung.

Die wesentlichen Kritikpunkte betreffen den geplanten Ausbaupfad der Wind- und Solarenergie und die konkreten Förderbedingungen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) kritisiert die hohe Förderung von Offshore-Windanlagen. Hier sollen die Ausbauziele und die Förderung gesenkt werden anstatt Onshore-Windenergie und Solarenergie als günstige erneuerbare Energiequellen auszubremsen. Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, betont, dass die Energiewende nur dezentral und mit dem Mittelstand gelingen könne. Insbesondere Eigenversorgung, Akteursvielfalt und Speichermöglichkeiten seien zu verbessern bzw. beizubehalten. Aus den Bundesländern kommt beispielsweise von Schleswig-Holstein die Forderung, das EEG so zu ändern, dass wirtschaftliche und technologische Anreize geschaffen werden, Windstrom bei Netzengpässen anderweitig zu nutzen (z. B. zu speichern) statt Windkraftanlagen abzuschalten.

Forscher fordern starken Ausbau der Wind- und der Solarkraft

Eine aktuelle Studie der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin) kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland mit den geplanten Regelungen des neuen EEG 2016 seine Klimaschutzverpflichtungen aus dem Pariser Abkommen weit verfehlen werde (per Mausklick gelangen Sie zu der  HTW-Studie). „Wir müssen die Wind- und Solarenergie drei bis sechs Mal schneller ausbauen als von der Bundesregierung geplant“, präzisierte Prof. Dr. Volker Quaschning die Ergebnisse seiner Forschungsgruppe Solarspeichersysteme an der HTW Berlin. Die Windkraft an Land müsse pro Jahr um 6,3 Gigawatt (GW) netto ausgebaut werden statt um 2,8 GW brutto, wie es die EEG-Reform vorsieht. Bei der Photovoltaik seien jährlich sogar 15 GW erforderlich statt der im EEG vorgesehen 2,5 GW. Bei ihren Analysen haben die Forscher neben der Stromversorgung auch die Wärmeversorgung berücksichtigt. Die Studie sieht auch einen hohen Bedarf an neuen Speichertechnologien.
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