Eine Apfelblüte: beckers bester aus Niedersachsen produziert Fruchtsäfte und will bald neue Maschinen anschaffen. / Foto: Pixabay

17.04.18 Crowd-Investment

Safthersteller beckers bester sammelt Geld via Crowd ein

Beckers bester ist für seine Fruchtsäfte bekannt. Nun sucht das Unternehmen nach Anlegern, die sein Wachstum über die Crowd finanzieren. 

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Ab heute sofort können Anleger über die Online-Plattform Finnest.com in Nachrangdarlehen investieren. Beckers bester will das Kapital unter anderem für die Investition in neue Maschinen nutzen: etwa computergestützte Abfüllsysteme und moderne Verpackungsanlagen.

Einstieg ist ab 1.000 Euro möglich

Potenzielle Investoren können der beckers bester GmbH ein qualifiziertes Nachrangdarlehen anbieten. Dabei dürften sie ihre jährliche "Wunsch-Verzinsung" zwischen 2 und 6 Prozent selbst festlegen. Das Unternehmen wählt daraus die besten Angebote aus.

Das Mindestinvestment beträgt 1.000 Euro, die Laufzeit fünf Jahre. Die Investoren haben zudem die Aussicht auf einen Bonus, ein Voucher-Modell: Wählen sie für die Auszahlung der Zinsen Gutscheine statt Geld, bekommen sie einen Bonus in Höhe von 50 Prozent. Statt beispielsweise 200 Euro auf ihr Konto erhalten sie dann jedes Jahr Gutscheine für beckers-bester-Produkte im Wert von 300 Euro.

Natürliche Säfte als Geschäftsmodell

Das Familienunternehmen aus Lütgenrode in Niedersachsen ist einer der zehn größten Safthersteller in Deutschland. Es hat nach eigenen Angaben eine Jahresproduktion von rund 65 Millionen Flaschen und Packungen sowie einem Jahresumsatz von über 41 Millionen Euro (2017). Der Absatz soll laut Prognose in diesem Jahr um bis zu 10 Prozent steigen. Chef des Mittelstandsunternehmens ist Sebastian Koeppel, Ur-Enkel der Gründerin Bertha Becker.

Bei beckers bester stellen 115 Mitarbeiter rund 300 verschiedene naturbelassene Produkte her, darunter auch Bio-Nektar und vegane Direktsäfte - "ohne Farb- und Konservierungsstoffe oder künstliche Aromen", so Koeppel. Mehrere Säfte wurden bereits ausgezeichnet. Auf seiner Webseite hat der Hersteller einige Nachhaltigkeitsziele formuliert, etwa stamme das Holz, das für die Herstellung der Tetra Paks benötigt wird, "hauptsächlich" aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft. 

Warum die Finanzierung via Crowd?

Das Crowdinvesting sei "das richtige Instrument", um das weitere Wachstum des Unternehmens zu finanzieren", erklärte der Geschäftsführer in einer Mitteilung. Wieso für die Finanzierung kein Bankdarlehen oder eine Anleihe gewählt wurde? Dazu äußerte sich Geschäftsführer Koeppel auf ECOreporter-Anfrage: "Seit nun fast zwei Jahren haben wir uns mit diesem Thema intensiv beschäftigt. Wir sehen darin nicht nur ein Mittel der Liquiditätsbeschaffung, sondern letztlich auch eine Methode der Kundenbindung. Um ehrlich zu sein, waren wir auch neugierig zu erfahren, wie unsere Kunden darauf reagieren und wie sehr sie sich mit der Marke beckers bester identifizieren."

Finnest sei ein glaubwürdiger Partner, der sich bewusst auf etablierte Unternehmen wie beckers bester spezialisiert habe. "Natürlich ist diese Crowd-Finanzierung nur ein Baustein unseres Finanzierungsmixes. Wir sind gerade dabei unsere Gesamtfinanzierung umzustrukturieren, was wir in regelmäßigen Abständen machen", so Koeppel.

Das Unternehmen sei in den letzten Jahren gewachsen, und zum Ende des Jahres sowie in 2019 würden große Neugeschäfte hinzukommen. "Wachstum braucht nun mal Liquidität. Wir haben den Crowd-Baustein bewusst zeitlich voran gestellt, da wir für die benötigte Liquidität eigentlich eine andere Finanzierung haben, die wir in dem Maße weniger in Anspruch nehmen werden, in dem wir von der Crowd Mittel bekommen." Das Mezzaninekapital werde die Position des Unternehmens bei Gesprächen mit weiteren Finanzierungspartnern deutlich stärken und bessere Konditionen ermöglichen.

Anleihen-Emission war keine Alternative

Eine Anleihen-Emission sei wiederum sehr komplex, langwierig und teuer - und daher keine Alternative für das Unternehmen, da Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stünden, erklärte der Geschäftsführer. "Im Endeffekt ist das Finnest-Crowdinvesting nichts anderes als eine vereinfachte Anleihe für den Mittelstand. Dadurch, dass hier die Möglichkeiten des Internets genutzt werden, und alles automatisiert und schneller abgewickelt werden kann, können wir diese alternative Finanzierung viel einfacher und kostengünstiger abwickeln." 

Bei dem Crowd-Investment handelt es sich um ein qualifiziertes Nachrangdarlehen, das an beckers bester vergeben wird. Falls das Unternehmen insolvent werden sollte, werden zuerst die anderen Gläubiger bedient (der Darlehensgeber wird als "nachrangig" bedient). Die Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.

Der Artikel wurde um 16:16 Uhr aktualisiert. 

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