09.08.12 Nachhaltige Aktien , Meldungen

S.A.G. Solarstrom AG schreibt weiter rote Zahlen - Vorstandschef erläutert Hintergründe und erwartet Trendwende noch in diesem Jahr

Die S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg verharrt in der Verlustzone. Zwar hat das Solarunternehmen das 2. Quartal 2012 positiv abgeschlossen. Aufgrund des großen Verlustes im 1. Quartal fiel jedoch im 1. Halbjahr insgesamt ein negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 1,9 Millionen Euro an. Im Vorjahreszeitraum hatte die S.A.G. noch einen EBIT-Gewinn in Höhe von 6,9 Millionen Euro erreicht, im 1. Halbjahr 2010 hatte er bei 4,5 Millionen Euro gelegen. Die Freiburger erlösten von Januar bis Juni 2012 einen Umsatz in Höhe von 53,3 Millionen Euro nach 137,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum und 85 Millionen Euro im 1. Halbjahr 2010.

"Die Banken- und Finanzkrise, die abrupten Änderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa und der Preisrückgang am Markt für Komponenten haben uns im 1. Halbjahr vor erhebliche Herausforderungen gestellt“, erklärte Dr. Karl Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender der S.A.G. Solarstrom AG, gegenüber ECOreporter.de dazu. Die Finanzierungskosten für das Großprojekt Serenissima, das wesentlich das Wachstum des vergangenen Jahres getrieben hatte, sei ein Grund für das schwache Ergebnis im 1. Quartal gewesen. Auch hätten Vorfinanzierungskosten für die weitere Projekttätigkeit sowie Aufwendungen für die im Juni 2011 begebene zweite Unternehmensanleihe das Ergebnis belastet.

Kuhlmann beklagte die „langen Unsicherheiten bezüglich der regulatorischen Änderungen in Deutschland und Italien“.  Diese hätten die Umsetzung größerer Projekte im 1. Halbjahr 2012 deutlich erschwert. In Deutschland war erst zu Jahresbeginn eine deutliche Kürzung der Solarstromtarife für neu ans Netz kommende Anlagen in Kraft getreten. Die Debatte über weitere Einschnitte hatte im Februar eingesetzt, und war nach etlichen Wendungen erst im Juni mit dem Ergebnis abermaliger tiefer Kürzungen beendet worden.

In Italien hat der Staat ein Budget festgeschrieben, aus dem die Tarifansprüche der Betreiber meldepflichtiger Solaranlagen bedient werden. Das sorgt in diesem Jahr für Probleme, weil das sechs Milliarden Euro schwere Budget des bisherigen Vergütungssystems (Conto Energia IV) zur Solarförderung in Italien überraschend früh ausgeschöpft worden war (mehr darüber erfahren Sie Opens external link in new windowhier). Wie Kuhlmannerläuterte, war es im 2. Quartal nicht möglich, für Solarprojekte in Italien eine Finanzierung durch Banken zu erhalten. Daher habe sein Unternehmen sich schließlich vorerst dagegen entscheiden, Projekte in Italien umzusetzen. Darüber sehe er derzeit keine sinnvollen Geschäftsmöglichkeiten in Spanien und auch nicht im ebenfalls sonnenverwöhnten Griechenland, wo die Risiken für Solarprojekte derzeit viel zu hoch seien.

Wie der Vorstandschef auf Nachfrage ausführte, wird das Soalrunternehmen aus Freiburg in diesem Jahr seine Geschäfte vor allem im Heimatland machen. In 2011 habe sich der Auslandsanteil der Geschäfte noch auf 80 Prozent belaufen und der des deutschen Marktes auf rund 20 Prozent. In diesem Jahr werde es genau umgekehrt sein. Gegenwärtig gutes Potential sieht er in aufstrebenden Solarmärkten wie Rumänien oder der Türkei. Hier bereite die S.A.G. Solarstrom bereits Projekte vor.


Der Vorstandsvorsitzende des Solarunternehmens führte ferner die sich zuspitzende Banken- und Finanzkrise als Hindernis für die Geschäfte der S.A.G. Solarstrom an, wie sie sich etwa auch im Italiengeschäft niedergeschlagen habe. Er ist aber für die weitere Entwicklung in 2012 zuversichtlich. Kuhlmann bestätigte „trotz des sehr herausfordernden Marktumfeldes“ den Ausblick für das Gesamtjahr 2012. Die S.A.G. Solarstrom AG werde das Absatzvolumen in 2012 weiter steigern, nachdem sie in 2011 100 Megawatt (MWp) erreicht hatte, und ein positives operatives Ergebnis (EBIT) erzielen.

Bildhinweis: Photovoltaikprojekt der S.A.G. Solarstrom AG. / Quelle: ECOreporter.de



Hoffnung macht Kuhlmann nach eigener Aussage die Aussicht darauf, „bereits früher als geplant wettbewerbsfähige Photovoltaik-Projekte ohne garantierte Einspeisevergütung umzusetzen“. Auch sei es der S.A.G.  bereits im 1. Halbjahr 2012 gelungen, das Absatzvolumen bei kleinen und mittleren Anlagen knapp zu verdreifachen. Nur habe das nicht ausgereicht, die Vorlaufkosten für größere Projekte im 1. Halbjahr in Gänze zu kompensieren. Aber bereits von April bis Juni sei es im umsatzstärksten Unternehmensbereich Projektierung und Anlagenbau gelungen, das operative Defizit im Vergleich zum Jahresauftaktquartal deutlich zu verringern.  

Im Geschäftsbereich Partnervertrieb wirkt sich Kuhlmann zufolge der Verfall der Preise für Solarmodule belastend aus. Trotz des überproportional hohen Rückgangs der Marktpreise sei es seinem Unternehmen aber gelungen, das Absatzvolumen im Vergleich zum 1. Halbjahr 2011 um 50 Prozent zu steigern. So sei ein stärkerer Umsatzrückgang verhindert worden, auch wenn das EBIT mit -0,2 Millionen Euro ebenfalls leicht ins Minus rutschte, nach positiven 0,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Während der Geschäftsbereich Stromproduktion stabile Beiträge zum Umsatz und EBIT beisteuerte – jeweils wurden in etwa die Vorjahreswerte erreicht – verbuchte die S.A.G. Solarstrom im 1. Halbjahr im Geschäftsbereich Anlagenbetrieb und Services deutliche Zuwächse. Dabei profitierte sie laut Kuhlmann vom hohen Zubau an Photovoltaik-Anlagen und der damit verbundenen höheren Nachfrage nach Überwachungs- und Prognosedienstleistungen. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum 1. Halbjahr 2011 um 40 Prozent auf 9,4 Millionen Euro, das EBIT kletterte gegenüber dem 1. Halbjahr 2011 von 1,1 Millionen auf 1,6 Mio. Millionen Euro und damit um 43 Prozent. Hier steuerten beide Quartale mit knapp 0,8 um 40 Prozent einen ähnlichen Anteil zum EBIT bei.

Im Xetra gewann die Aktie der S.A.G. Solarstrom AG heute bis 12 Uhr 5,4 Prozent auf 1,95 Euro hinzu. Seit dem Ende des ersten Quartals hat sie etwa 20 Prozent an Wert verloren, auf Jahressicht rund 44 Prozent.

S.A.G. Solarstrom AG: ISIN DE0007021008 / WKN 702100
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