Photovoltaikprojekt der S.A.G. Solarstrom AG. / Quelle: Unternehmen

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S.A.G. Solarstrom AG schwenkt bei Sanierungskurs um

Die S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg hat sich von dem Vorhaben verabschiedet, das von ihr im Dezember beantragte Insolvenzverfahren in Eigenregie durchzuführen. Hierbei hätte die Unternehmensführung das Heft in der Hand behalten und wäre von einem Sachverwalter dabei nur begleitet worden. Wie die S.A.G. Solarstrom AG gestern Abend bekannt gab, strebt sie nun aber ein Regelinsolvenzverfahren an. Das habe der Vorstand in Abstimmung mit dem vorläufigen Sachwalter Dr. Jörg Nerlich beschlossen. Dieses Verfahren werde voraussichtlich am 1. März eröffnet.

Das Solarunternehmen begründete dies mit dem Eindruck, dass „bei Investoren und Gläubigern bislang nur wenige Erfahrungen mit dem vergleichsweise neuen Verfahren der Insolvenz in Eigenverwaltung vorliegen“. Man gehe daher davon aus, dass die Restrukturierung und Sanierung der S.A.G. Solarstrom AG „mit den Mitteln des Insolvenzverfahrens in dem bekannteren Regelinsolvenzverfahren einfacher und schneller umgesetzt werden“ könne.
Am gestrigen Nachmittag hatte die S.A.G. Solarstrom AG mitgeteilt, dass sie Roland Berger Strategy Consultants damit beauftragt hat, einen Investoren zu finden (wir  berichteten). Das Unternehmen ist nicht zuletzt deshalb in Schieflage geraten, weil es deutlich schwieriger geworden ist, große Solarprojekte vorzufinanzieren. Mit einem finanzkräftigen Partner könnten die Freiburger in diesem Markt wieder mitspielen. Etliche Konkurrenten im internationalen Markt für große Photovoltaikgeschäft haben solche Großinvestoren an ihrer Seite. Dazu zählen zum Beispiel Enel Green Power, die mit dem Energiekonzern Enel verbunden ist, und SunPower aus den USA, bei der der französische Öl-Multi Total eingestiegen ist. Beide setzen für Kunden große Solarparks unter anderem in Europa um.

Solche Großprojekte umzusetzen und dann an Kunden zu verkaufen war bislang das Kermgeschäft der S.A.G. Solarstrom AG. Warum sich hier die Vorfinanzierung zu einem existenzbedrohenden Hindernis entwickelt hat, erläuterte Dr. Karl Kuhlmann, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, in einem kürzlich veröffentlichten  ECOreporter-Interview. Darin skizziert er auch die übrigen Herausforderungen, die die S.A.G. Solarstrom AG meistern muss.

Von der Krise des börsennotierten Solarunternehmens sind auch viele Anleger betroffen, die in hre Anleihen investiert haben. Die Laufzeit der bereits in 2007 von der S.A.G. Solarstrom AG begebenen Wandelschuldverschreibung war 2012 bis zum 29. Juli 2014 verlängert worden. Darauf hatten sich Anleihengläubiger eingelassen, die Schuldverschreibungen im Umfang von rund 7,5 Millionen Euro gezeichnet hatten. Wandelanleihen im Umfang von rund 2,5 Millionen Euro waren in Aktien der S.A.G. Solarstrom AG gewandelt worden. Im Dezember 2015 endet die Laufzeit einer weiteren S.A.G.-Anleihe (ISIN DE000A1E84A4). Mit ihr hatte das Unternehmen 16,9 Millionen Euro eingesammelt. Im Dezember hatte es die anstehende Ausschüttung von Zinsen nicht leisten können. Das steht auch für die dritte Anleihe (ISIN DE000A1K0K53) der S.A.G. Solarstrom AG in Frage, die dieser 25 Millionen eingebracht hatte und noch bis Juli 2017 läuft. Hier werden in fünf Monaten das nächste Mal Zinsen fällig.

S.A.G. Solarstrom AG: ISIN DE0007021008 / WKN 702100
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