01.10.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Schnäppchenmarkt für Windkraftaktien?

Das Angebot klingt verlockend: Eine Windaktie aus Europa, ein Unternehmen, das vom boomenden Windmarkt profitieren sollte, und das Ganze mit einem Abschlag auf den August-Kurs von 20 Prozent. Ein Schnäppchen? Vielleicht haben auch Sie einen Anruf erhalten, in dem jemand Sie auf Investmentchancen im Bereich der Erneuerbaren Energien hinweisen wollte? Die Suisse-Direct aus Berlin bietet derzeit Aktien des in der Schweiz ansässigen Windkraftunternehmens Genesys Wind AG an.Genesys Wind betont, nicht mit einer Suisse Direct zusammengearbeitet zu haben. Das Unternehmen handele nicht im Namen oder Auftrag der Genesysy.Der Anteilsschein wird seit Dezember 2006 im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.


Auf Nachfrage bestätigte die Börse, dass das Angebot einen deutlichen Kursabschlag beinhalte, man müsse dafür die Lock-up-Frist bis zum 31.12.2008 einhalten. Laut dem ECOreporter.de vorliegenden Kaufvertrag für Anteilsscheine der Genesys (für 250 Inhaberaktien) kosten diese 7,60 Euro.


Dies erscheint auf den ersten Blick recht günstig, notiert der Anteilsschein des Windkraftunternehmens aktuell doch bei 12,95 Euro. Allerdings wird das Papier nur äußerst wenig gehandelt. Der Kurs lag auch schon einmal (Anfang August) bei vier Euro. Niemand kann sagen, wie viel die Aktie nach Ablauf der Haltefrist wert sein wird.Genesys Wind gehe davon aus, dass der Vertrag zweckentfremdet wurde.och wer verkauft die angebotenen Genesys-Aktien?

Das Unternehmen selbst nicht, wie Unternehmenschef Bernhard Steiner gegenüber ECOreporter.de erklärte. „Gemäss Schweizerischem Obligationenrecht dürfen Schweizer Gesellschaften lediglich zehn Prozent ‚eigene’ Aktien halten“, so Steiner. Er distanzierte sich „von Telefonverkäufen jeglicher Art“ und empfahl Interessenten und Anlegern, „entsprechende Aktien der Genesys Wind AG regulär über die Börse Frankfurt oder XETRA zu erwerben“. Gegenüber ECOreporter.de bestätigte Steiner, dass die Swiss Private Equity Holding aus dem schweizerischen Stansstad zu den Hauptaktionären des Windkraftunternehmens zähle. Diese wird im Kaufvertrag für das Aktienangebot als Verkäufergemeinschaft genannt, vertreten durch die Finvara Treuhand GmbH. „Derzeit gibt es drei Hauptaktionäre, die aktuell rund 80 Prozent aller Aktien kontrollieren, also selbst halten oder mittels Aktionärsbindungsverträgen untereinander ein Stillhalteabkommen betreffend dem Handel abgeschlossen haben“, erklärte der CEO der Genesys. Die Swiss Private Equity Holding sei der größte Anteilsinhaber der Aktien und Hauptfinanzierer seines Unternehmens. „Swiss Private Equity Holding bietet Aktienbestände an qualifizierte Investoren an. Das Kapital fließt hauptsächlich zur weiteren Finanzierung direkt an die Genesys AG via nachrangigem Darlehen“, teilte Steiner weiter mit. Der Kaufvertrag führt die Finvara als faktische Verkäuferin (als Vertreterin der Swiss Private Equity) auf, nur von ihr werden Kontaktdaten genannt. Ihre Anschrift ist identisch mit der von Genesys.


Laut deren CEO Steiner ist Finvara eine 100-prozentige Tochter der Safine AG. Safine sei keine Beteiligungsgesellschaft und nicht Hauptaktionär der Genesys AG. Wie er im Gespräch mit ECOreporter.de weiter ausführte, plant sein Unternehmen weitere Finanzierungsrunden. „Nach erfolgten Kapitalerhöhungen wird es zu erfahrungsgemäß erheblichen Veränderungen im Aktionariat und in der Stimmenmehrheit kommen“, meinte er.Die erst im November 2005 gegründete Genesys entwickelt nach eigenen Angaben vor allem Windkraftanlagen mit einer Leistung von 600 bis 800 Kilowatt mit getriebeloser Technik und Permanentmagnetgenerator. Eigene Windkraftanlagen betreibt sie eigenen Angaben zufolge derzeit nicht. Das Unternehmen versteht sich als Systementwickler mit dem Schwerpunkt Entwicklung und Engineering. Mit spezialisierten Partnern plant es ferner, Steuerungen und Elektrotechnik sowie Rotorblätter für Windkraftanlagen der Megawatt-Klasse zu entwickeln, zu fertigen und zu vertreiben. Darüber hinaus habe sich die Gesellschaft als Dienstleister in der Planung von Windparksystemen positioniert, von der Identifizierung geeigneter Flächen bis zur technischen Realisierung von Windparks einschließlich des Netzanschlusses für Windkraftanlagen. Zur konkreten Geschäftsentwicklung nahm Unternehmensschef Steiner trotz mehrfacher Nachfrage von ECOreporter.de keine Stellung. „Alle Abschlüsse werden auf unserer Website veröffentlicht“, stellte er klar. Vorab könne er keine Zahlen mitteilen.

Auch unsere Frage zu konkreten Abschlüssen blieb unbeantwortet. Steiner teilte lediglich mit, es gebe gegenwärtig „verstärkt Verhandlungen mit ausländischen Auftraggebern. Sobald die Aufträge verifiziert wurden und die Finanzierung (Vermeidung des Delkredere-Risiko) sichergestellt ist, werden wir nach vorsichtigem kaufmännischem Prinzip die aktuellen Informationen auf unserer Website publizieren“.Auch wenn über die Geschäftszahlen somit nichts zu erfahren war, so erlangten wir zumindest Klarheit über die Führung des Unternehmens. In Unternehmensmeldungen zum Börsenlisting im Dezember sowie im damals veröffentlichten Prospekt war Wolfram Gunia als Vorstandschef genannt worden. Wie Steiner auf Nachfrage mitteilte, ist dieser „bereits im Januar 2007 aus der Genesys Wind AG ausgeschieden“. Zudem sei er – entgegen den Unternehmenspublikationen – „zu keinem Zeitpunkt Vorstandschef der Genesys AG, sondern für sehr kurze Zeit lediglich leitender Ingenieur und Geschäftsführungsmitglied“ gewesen.

Unser Fazit:
Wir raten Anlegern davon ab, die über die Suisse-Direct angebotenen Genesys-Aktien mit Lock-up-Frist zu erwerben. Wir haben keine Daten erfahren, auf deren Basis wir einen fairen Wert der Anteilsscheine bestimmen könnten. Was das Geschäft des Windkraftunternehmens angeht, ließ sich nicht verifizieren, inwiefern das Unternehmen über konkrete Projekte und damit Einnahmen verfügt oder zumindest Aussicht darauf hat. Die Genesys hat sich zwar allen Fragen gestellt, sie aber aus unserer Sicht nicht befriedigend beantwortet. So kann kaum eingeschätzt werden, wie es dem Unternehmen gelingen kann, sich im Windkraftgeschäft zu etablieren.

Genesys Wind AG: ISIN CH0026738093 / WKN A0KFYD 

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