Fonds / ETF

Schwache Entwicklung der Erneuerbare-Energie-Fonds über fünf Jahre



Von den 17 Erneuerbare-Energie-Aktienfonds, sind laut unserer Datenbank ECOfondsreporter in Deutschland nur fünf seit mindestens fünf Jahren zum Vertrieb zugelassenen. Vier weitere Erneuerbare-Energie-Fonds sind zumindest in 2007 lanciert worden, aber nicht ganz fünf Jahre am Markt. Von all diesen Fonds hat aber nur einer hat seither an Wert gewonnen. Dieses Verhältnis spiegelt die Entwicklung bei den nachhaltigen Aktienfonds wider, wo über die letzten fünf Jahre hinweg nur jeder zehnte im Plus liegt (wir Opens external link in new windowberichteten).

Der SAM Smart Energy hat seit Ende März 2007 als einziger Erneuerbare-Energie-Fonds ein Plus erzielt. Dieser in Euro notierende Fonds gewann 4,4 Prozent an Wert. Die mit der Sustainable Asset Management (SAM) aus Zürich verbundene Swiss & Global Asset Management aus Luxembourg hat ihn in 2003 gestartet und verlangt eine jährliche Verwaltungsgebühr in Höhe von 1,5 Prozent.

Der SAM Smart Energy investiert er weltweit in Aktien von Unternehmen aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Energieübertragung und -speicherung, Energieeffizienz und Erdgas in Frage. Fondsmanager Dr. Thiemo Lang setzt gegenwärtig auf eine ausgewogene Portfoliokonstruktion. Einen Schwerpunkt habe man „in defensiven Werten mit stabilen Cashflows und Dividendenauszahlungen wie Wasserkraftbetreiber, elektrische Netzbetreiber oder Erdgasenergieversorger gesetzt“, erläutert er. „Dies haben wir angereichert über Wachstumswerte aus den Bereichen energieeffiziente Beleuchtung mit LEDs, erdgasbetriebene Fahrzeuge, und Batterien. Aufgrund der strukturellen Probleme im Solar- und Windsektor halten wir uns in diesen Sektoren derzeit eher zurück“, so Lang weiter.

Im Portfolio des SAM Smart Energy zählen ebenfalls ITC und die BG Group zu den größten Positionen. Daneben sind etwa die japanischen Versorger Osaka Gas und Tokyo Gas stark vertreten. Regional ist dieser Fonds breiter gestreut als der Monatssieger. Zwar bilden auch hier die USA den Schwerpunkt. Er ist jedoch mit 22 Prozent weniger stark ausgeprägt. Zudem steuern Japan, Taiwan und Brasilien ebenfalls zweistellige Anteile bei, folgen aus Europa Italien und Großbritannien mit geringem Abstand.

Noch länger als der SAM Smart Energy ist der 2001 gestartete Vontobel Fund Global Trend New Power Tech der Schweizer Bank Vontobel am Markt. Er führt über die letzten fünf Jahre hinweg das Feld der Erneuerbare-Energie-Fonds mit einer negativen Wertentwicklung an. Ein Minus von rund 30 Prozent seit Ende März 2007 reichte für den zweiten Platz in diesem Fünfjahres-Ranking. Die drei übrigen Fonds haben rund 40 bzw. rund 50 Prozent an Wert verloren. Der im Mai 2007 gestartete Pictet Fund (LUX)-Clean Energy (ISIN LU0280435388) hat seither rund 38 Prozent Verlust verbucht. Bei den wenige Monate jüngeren Sarasin New Power Fund  (ISIN LU0288930869), KBC ECO Fund Alternative Energy (ISIN BE0175280016), Delta Lloyd L New Energy Fund  (ISIN LU0264990036) und FBG 4 Elements Fund Fire (ISIN LU0298621334) steht bis Ende März 2012 ein Wertverlust von 52 bis 62 Prozent zu Buche.

All diese Erneuerbare-Energie-Fonds mit sehr schwacher Wertentwicklung sind stärker auf den Sektor der regenerativen Energieerzeugung ausgerichtet als der SAM Smart Energy. Das ist der wesentliche Unterschied zu dem besten Erneuerbare-Energie-Fonds der letzten fünf Jahre und einzigem mit Wertzuwachs. Denn obwohl der Grünstromsektor seit Jahren boomt, ging es für fast alle Aktien aus diesem Sektor in den letzten Jahren bergab. Dies ist damit zu erklären, dass die Gewinnmargen von Herstellern der Solar- und Windkraftbranche stark unter Druck geraten sind. Dies gilt vor allem in der Photovoltaik, wo die Einbrüche besonders stark sind, aber auch für die Windkraft. Im Markt für Windkraftanlagen herrschen auf dem Weltmarkt Überkapazitäten, die wiederum die Preise unter Druck setzen.

Ein wichtiger Grund dafür ist im Bereich der Windkraft, dass Hersteller aus China hier binnen weniger Jahre große Marktanteile erobert und ihre Produktionskapazitäten stark ausgebaut haben. Hinzu kommt, dass Windkraftprojektierer wie -hersteller weniger gute Geschäfte mit der Windkraft auf See – offshore – machen. Viele Wachstumsphantasien haben sich hier wenn nicht in Luft aufgelöst, aber sind zumindest durch Ernüchterung ersetzt worden. Außer in Europa werden so gut wie gar keine Windräder im Meer aufgestellt und in Europa geschieht dies bislang in weitaus geringerem Ausmaß als erhofft. Die Banken- und Finanzmarktkrisen der letzten Jahre haben die Geschäfte zusätzlich erschwert.

Bildhinweis: Chinesische Solarhersteller haben den Weltmarkt mit ihren Modulen überschwemmt. / Quelle: Suntech


In der Solarbranche vollzog sich in den letzten Jahren eine ähnliche Entwicklung, nur in weitaus zugespitzter Form. Hier hat die chinesische Regierung über die staatlich kontrollierten Banken einen enormen Zubau der Produktionskapazitäten chinesischer Solarhersteller ermöglicht, der wesentlich zu einem massiven Überangebot geführt hat. Westliche Hersteller, die sich am freien Markt refinanzieren müssen, können den so ausgelösten Preisverfall kaum auffangen. Solarprojektierer und –händler wiederum mussten hohe Abschreibungen auf eingekaufte Solarkomponenten durchführen. Hohe Verluste waren die Folge dieser Entwicklung und haben die Kurse von Solaraktien auf breiter Front massiv einbrechen lassen. Zumal auch aufgrund der sinkende Preise für Solarkomponenten die Vergütung von Solarstrom in den führenden Absatzmärkten stark gesunken ist.

Neben allgemeinwirtschaftlichen Faktoren wie etwa der Börsencrash nach der Lehman-Pleite haben vor allem diese branchenspezifischen Faktoren die Entwicklung der Erneuerbare-Energie-Fonds in den letzten fünf Jahren beeinträchtigt. Und die Fondsmanager sind gezwungen, jenseits der Grünstrombranche aussichtsreiche Aktien ausfindig zu machen. Derzeit setzen viele von ihnen stark auf Bereich wie Energieeffizienz und intelligente Netze (smart grids). Ob sie damit auf längere Sicht besser fahren, wird sich zeigen.

Die Wertentwicklung der Erneuerbare-Energie-Fonds im Zeitraum 3/2007 bis 3/2012

Name

ISIN

Kurs
in EUR

Entwicklung
über 5 Jahre
in %

SAM Smart Energy Fund

LU0199356550

 17,17

  4,44

Vontobel Fund Global Trend New Power Tech

LU0138259048

 90,64

 -29,98

BlackRock Global Funds (BGF) New Energy Fund

LU0124384867

   4,94

 -40,19

Sarasin New Energy Fund

LU0121747215

   4,73

 -51,83

KBC ECO Fund Alternative Energy

BE0175280016

187,68

 -51,83




Erneuerbare Energiefonds

Erneuerbare-Energie-Fonds investieren in Aktien. Sie unterscheiden sich von breit investierenden nachhaltigen Aktienfonds vor allem dadurch, dass es bei ihnen rein um das Thema Energie geht. Ethische, soziale oder ökologische Kriterien spielen eine geringere Rolle. Die Erneuerbare-Energie-Fonds gelten trotzdem als nachhaltig, weil sie sich auf Unternehmen konzentrieren, die Lösungen für bestimmte Umweltprobleme anbieten, etwa eine klimaschonende Energieversorgung. Dazu gehören Solar-, Windkraft und sonstige Erneuerbare-Energie-Technologien, Speicher, Elektromobilität, auch Biotreibstoffe, Stromleitungen und anderes. Gemein ist solchen Fonds, dass sie durch diese Konzentration auf Branchen mit großen Chancen auch höhere Risiken eingehen.  Unsere Daten zur Wertentwicklung der Fonds stammen in der Regel von den Fondsbörsen.
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