Die EWR Umwelttechnik GmbH bietet Investments in Recyclinganlagen für Plastikmüll an. Im Bild eine vergleichbare Thermische Reststoffanlage (TRV-Anlage) der Energie- und Abfallverwertungsgesellschaft (Enages) GmbH in Österreich. / Quelle: Enages

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Schwierigkeiten bei der EWR Umwelttechnik mit geplanten Projekten

Die EWR Umwelttechnik GmbH aus Trier bietet Direktinvestments in Umwelttechnologie-Projekte an. Für 5.000 Euro können Interessenten einen Anteil an einer Reststoffverwertungsanlage kaufen. ECOreporter.de hatte das Angebot vor zwei Monaten in einem ECOanlagecheck kritisch beleuchtet. Die ausführliche Analyse finden Sie  hier.

Anfang Mai 2014 hatte die EWR Umwelttechnik GmbH Investments in zwei „thermische Reststoffverwertungsanlage zur Verölung von Kunststoffen und biogenen Abfällen mit anschließender Verstromung und Wärmenutzung in Containerbauweise“ (TRV-Anlage) angeboten. Die beiden Anlagen sollen beziehungsweise sollten 2014 in Betrieb genommen werden. Eine auf den Malediven, eine in Wolfhagen bei Kassel.

Probleme mit den Standorten

Mitte Juli 2014 wurden beide Anlagen beziehungsweise Anlagenstandorte nicht mehr von EWR auf Ihrer Internetseite angeboten. ECOreporter.de fragte bei EWR nach den Hintergründen: „Das Angebot M10 – Standort Malediven – haben wir vorübergehend von unserer Website genommen, weil wir an dieser Anlage, die bereits teilgefertigt ist, zur Zeit noch keine ideellen Miteigentumsanteile verkaufen können. Der Grund ist, dass wir dieses Projekt zeitlich nicht so umsetzen konnten wie geplant, nachdem es durch den Aufbau einer sinnvolleren Plastikmüll-Logistik vor Ort eine Verzögerung gibt, auf die wir nicht vorbereitet waren. Unser Partner vor Ort verhandelt mit der Regierung zurzeit über einen Vertrag mit der Großdeponie auf der Insel Thiafushi. Die Verhandlungen gestalten sich jedoch sehr zäh, da derzeit noch ein Vertragsverhältnis mit einem indischen Entsorgungsunternehmen besteht. Die Vorbereitungen auf den Malediven allgemein werden selbstverständlich weiter vorangetrieben. Wir können derzeit aber noch nicht abschätzen, wann diese abgeschlossen sein werden.“

Zum Angebot D11 – Standort Wolfhagen – erläuterte EWR: „Es gab nicht vorhersehbare Schwierigkeiten mit dem Grundstückseigentümer in Wolfhagen. Der Standort Wolfhagen ist für uns nach wie vor interessant, steht auf Grund der Umstände jedoch im Moment noch nicht zur Debatte. Es bestehen unseres Wissens dort seitens der Grundstückseigentümerin angeblich zurzeit auch Bemühungen, einen Großinvestor zu finden, der eine TRV-Anlage komplett erwerben soll.“

Neuer Standort, aber altes Angebot

Laut Pressemeldung investiert die EWR Umwelttechnik nun in eine TRV-Anlage am Standort Burkau. EWR führte dazu aus: " Am Standort Burkau sind durch seine unmittelbare Nähe zum Hersteller der Anlage sämtliche Voraussetzungen gegeben, um unser Konzept wirtschaftlich erfolgreich umzusetzen.“

Das geplante Investment am Standort Burkau wird Anlegern unter der Angebotsnummer D11 angeboten. Die Angebotsnummer D11 trug auch das geplante Investment am Standort Wolfhagen. ECOreporter.de fragte nach, was mit den Anlegern passiert, die unter der Prämisse investiert haben, dass – wie in der Anlage zum Vertragswerk aufgeführt  – am Standort Wolfhagen investiert wird? Sind die jetzt automatisch mit ihrem Kapital am Standort Burkau investiert? Haben sie ein Rücktrittsrecht vom Vertrag, da aufgrund des Standortwechsels das Vertragsangebot nachträglich inhaltlich entscheidend verändert worden ist?

EWR erklärte dazu: „Zum Glück haben wir nur ganz wenige Käufer, die sich für den Standort Wolfhagen entschieden hatten. Ein Rücktrittsrecht wurde in diesen Kaufverträgen nicht vereinbart. Mit diesen Kunden stehen wir bezüglich der Zustimmung zum Standortwechsel, der aus den oben genannten Gründen keine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung für den Investor bedeutet, bereits in Verhandlung, zumal der Käufer in der gleichen technischen Anlage investiert bleibt.“

Einige Tage nachdem EWR die Fragen von ECOreporter.de beantwortet hatte, hat EWR einen Großteil der Antworten selbst als Pressemeldung veröffentlicht. ECOreporter.de bleibt derweil beim Teil-Fazit aus dem ECOanlagecheck: „Nach Beurteilung von ECOreporter.de bestehen bei den beiden Angeboten insgesamt hohe Risiken. Interessenten sollten abwarten, ob die geplanten Anlagen zuverlässig laufen und ob die Geschäftsmodelle funktionieren.“
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