28.01.10 Finanzdienstleister

Senkrechtstart ins Grüne: Wer steckt hinter der neuen noa bank? - ECOreporter.de-Interview mit dem Gründer Francois Jozic / Teil 1


Gründer der Bank mit Sitz in Frankfurt und Düsseldorf ist der Belgier Francois Jozic. Er ist auch das Gesicht – sogar wörtlich: Allein in der Rubrik „Geschichte“ auf der Internetseite der noa bank sind sieben unterschiedliche Porträts von ihm zu sehen. Jozic hat 2004 mit seinem Geschäftspartner Frederic Lodewyk das Factoring-Unternehmen Quorum AG aus der Taufe gehoben. Fünf Jahre später finanzierte diese Firma laut Jozic bereits fast 500 mittelständische Unternehmen in Deutschland.

Die Finanzkrise habe ihn nun auf die Idee zu einer neuen Bank gebracht, erklärt er. Um besser starten zu können, habe er eine bestehende Bank übernommen, mit funktionierender Struktur, aber ohne Altlasten. Es handelt sich um das frühere Bankhaus Zwirn GmbH&Co KG, das einem Hedgefonds gehörte. Dessen Vertreter, laut Jozic ausgestattet mit cholerischem Temperament, hätten die Kaufverhandlungen zu einem nicht immer angenehmen Ereignis werden lassen, verbunden mit Geschrei und Türeschlagen.

Mitte 2009 waren dann die Kaufverhandlungen erfolgreich abgeschlossen. Käufer ist die Strategis GmbH aus Düsseldorf; sie gehört Jozic und Lodewyk. Beide sind aber formell nicht die Bank-Chefs. Das sind der frühere Volksbank-Vorstand Heinrich Südbeck sowie Prof. Dr. Friedrich-Leopold Freiherr von Stechow, der unter anderem Aufsichtsrat des Solarfondsanbieters White Owl Capital AG ist. ECOreporter.de fragte Jozic zu den Besonderheiten und Zielen der noa bank.


ECOreporter.de: Herr Jozic, hat die noa bank schon einen Kredit vergeben?

Jozic: Ja, Ende Dezember haben wir einem Flensburger Fischer 28.000 Euro geliehen.

ECOreporter.de: Werden Sie veröffentlichen, an wen Sie das Geld verleihen?

Jozic: Ja, wir werden unseren Einlage-Kunden die mittelständischen Unternehmen, an die wir Kredite vergeben, nennen. Das gehört zu unserem Konzept einer transparenten Bank.

ECOreporter.de: Im deutschen Markt der „grünen“ oder auch ethischen Banken gibt es die Kirchenbanken und die Ethikbank, GLS Bank, Umweltbank und Triodos Bank. Ein stark wachsender Markt. Und nun gibt es die noa bank. Wer hat das Kapital – fünf Millionen Euro waren es - für diese Bank bereit gestellt. Man munkelt etwas von einem amerikanischen Investor?

Jozic (lacht): Nein, definitiv kein amerikanischer Investor. Sondern mein langjähriger Geschäftspartner Lodewyk und ich selbst.

ECOreporter.de: Hat die noa bank schriftlich festgehaltene Grundsätze zur Nachhaltigkeit, deren Einhaltung Sie regelmäßig überprüfen?

Jozic: Wir wollen einen Verhaltenskodex für Kunden und Bank definieren. Wir wollen vollkommen transparent sein. Aber wir wollen auch vermeiden, uns mit einem Nachhaltigkeitskonzept in die Ecke der grünen Banken zu stellen. Ich liebe es nicht, Nachhaltigkeit als Marketingkonzept anzusehen. Wir werden Unternehmen finanzieren, die transparent sind und einen Mehrwert für die Gesellschaft liefern. Auch nicht im nachhaltigen Bereich tätige Firmen bieten schließlich Arbeitsplätze und haben einen hohen Wert für die Gesellschaft. Ein transparentes Unternehmen kann ja Teil der „Region“ sein – „Region“ ist ein Themenkonto, in das Anleger bei uns investieren können. Diejenigen, die in unseren Bereich „Planet“ investieren, zu denen passen nicht nachhaltige Firmen sicher nicht.

ECOreporter.de: Sie waren einmal Finanzdirektor einer belgischen Modeagentur. War die im Bereich Nachhaltigkeit tätig?

Jozic: Das war eine Agentur, in der Fotografen, Stylisten und andere Leute aus der Modeszene arbeiteten.

ECOreporter.de: Herr Jozic, Sie sind, zumindest nach außen hin, das „Gesicht“ der Bank. Warum haben Sie nicht auch formal die Position des Bankvorstands inne?

Jozic: Ich habe die Bank gegründet, und als Präsident des Beirats ist es meine Aufgabe sicherzustellen, dass die Mission und die Werte der noa bank langfristig Gültigkeit haben werden. Für einen Bankvorstand habe ich nicht die erforderliche Erfahrung. In Deutschland muss man fünf Jahre als Bankmanager gearbeitet haben, um ein Finanzhaus zu leiten. Eigentlich muss man auch Jurist oder Ökonom sein.

ECOreporter.de: Wie war Ihr Ausbildungsweg?

Jozic: Ich habe nicht lange studiert, zwei Jahre Wirtschaft in Liège (Lüttich, die Red.). Danach habe ich mich direkt selbständig gemacht und bin seitdem in der freien Wirtschaft tätig.

Teil 2 des Interviews lesen Sie morgen in ECOreporter.de.
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