German Pellets hat eine möglicherweise wegweisende Gläubigerversammlung abgesagt. Anleger bangen um ihre Investments. Im Bild: die Produktion von German Pellets. / Foto: Unternehmen

09.02.16 Anleihen / AIF

Showdown vertagt? – German Pellets sagt Versammlung der Anleihegläubiger ab

Die für Mittwoch, den 10. Februar, angesetzte Versammlung der Anleger, die in die Anleihe von German Pellets aus 2011 investiert haben, fällt aus. Überraschend und ohne nähere Gründe zu nennen hat das Unternehmen sie abgesagt. German Pellets werde „über weitere Schritte zu gegebener Zeit informieren“, erklärte eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage von ECOreporter.de. Worum es  bie der Gläubigeversammlung gehen sollte, was German Pellets  erreichen wollte, wo Probleme liegen und welche Möglichkeiten die Anleger bei einer Abstimmung gehabt hätten, zeigt unser Überblick.


Worum geht’s?

German Pellets muss planmäßig zum 1. April die Anleihe 2011/2016 zurückzahlen. Ursprünglich hatte German Pellets 80 Millionen Euro über die Anleihe eingeworben und dafür seit 2012 jährlich 7,25 Prozent Zins gezahlt. Einen Teil des Anleihevolumens hat German Pellets über zwei Nachfolgeanleihen refinanziert, die 2013 und 2014 auf den Markt kamen. Außerdem startete German Pellets 2015 ein Anleihe-Rückkaufprogramm (mehr lesen Sie  hier). Zum 1. April  2016 muss German Pellets den Anleihe-Anlegern noch 52,4 Millionen Euro zurückzahlen. Diese Zahlung soll um zwei Jahre bis April 2018 verschoben werden. In den zwei Jahren sollen die Anleger pro Jahr 5,25 Prozent Zinsen jährlich erhalten.

Was bietet German Pellets den Anlegern an?

Die German-Pellets-Gruppe ist ein Familienunternehmen. Gesellschafter der German Pellets GmbH sind der Geschäftsführer und Gründer Peter Leibold (60 Prozent) und seine Ehefrau (40 Prozent) Als Gegenleistung für die Verlängerung zu niedrigeren Konditionen will die Eigentümer-Familie die Anleihe mit 50 Prozent der Unternehmensanteile besichern.

Was will German Pellets erreichen?

German Pellets will Zeit gewinnen, um die Finanzstruktur umzustellen. German Pellets verhandelt nach eigenen Angaben seit mehr als zwölf Monaten über eine  neue Finanzierung. Die Unternehmensführung erklärt, der Erfolg dieser Verhandlungen hänge davon ab, dass die 52,4 Millionen  Euro nicht im April ausgezahlt werden müssten. German Pellets könne durch die Auszahlung in einen finanziellen Engpass geraten, der sich auch für Anleger von anderen German-Pellet-Kapitalanlagen auswirken könne. (mehr lesen Sie  hier ).
Was plant German Pellets für die Zeit nach der Laufzeitverlängerung der Anleihe?

Das Unternehmen will  neue Investoren finden. Dafür plant es einen Börsengang und die Emission einer neuen Anleihe. Diese soll die bis 2018 verlängerte Anleihe  ablösen – wenn es denn zu der Verlängerung kommen sollte.  Außerdem sollen neue Bankkredite abgeschlossen werden. Geprüft werde auch eine Zusammenführung mit dem US-Geschäft, erklärt die German-Pellets-Führung ihr Refinanzierungskonzept. Dazu verweist das Management in einer aktuellen Stellungnahme auf Eckdaten zu den Bilanzen 2014 und 2015. Demnach gelang es sowohl im Gesamtjahr 2014 (mehr zu dieser Bilanz lesen Sie  hier) als auch im ersten  Halbjahr 2015,   mehr Umsatz und Gewinn zu erzielen als im jeweiligen Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zudem sei für das Gesamtjahr 2015 mit „einem positiven Ergebnisausweis“ zu rechnen, so die German Pellets GmbH.  
Wer kritisiert die Pläne German Pellets?
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle und die Beraterfirma Houliham Lokey Investment Gesellschaft kritisieren die Pläne von German Pellets und äußern Zweifel daran, dass das Unternehmen stark genug sei, den geplanten Weg zu gehen.
Was fordern die Kritiker?

Den Kritikern geht es um ein alternatives Sanierungskonzept. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger hat mehrere Gegenanträge für die Gläubigerversammlung am morgigen Mittwoch gestellt, über die die Gläubiger ebenfalls abstimmen sollen. Die Schutzgemeinschaft will erreichen, dass die Anleihe 2011/2016 lediglich um 6 Monate  bis Oktober 2016 verlängert wird. In dieser Zeit soll die finanzielle Situation von German Pellets „von dritter Seite“ begutachtet werden, heißt es im Gegenantrag. Die bisherige Geschäftsführung soll zurücktreten (mehr zu dieser Forderung der SdK lesen Sie  hier).  Zum 1. April 2016 solle German Pellets den Anlegern dann 10,25 Prozent Zinsen ausbezahlen anstatt 7,25 Prozent.

In einer gemeinsamen Telefonkonferenz hatten die die Rechtsanwälte von CMS Hasche Sigle und die Analysten von Houliham Lokey Anlegern eine kritische Analyse zur Situation von German Pellets präsentiert. Laut  der Präsentation dieser  Analyse, die ECOreporter.de auszugsweise vorliegt, strebt CMS das Amt des gemeinsamen Vertreters der Anleihegläubiger an während Houliham Lokey als Finanzberater für ein Restrukturierungskonzept antreten soll.

Wo liegen die Probleme der German Pellets GmbH?

Die Kritiker der  Pläne  von German Pellets GmbH führen vor allem die hohe Verschuldung von German Pellets als problematisch an. Nach vorläufigen eigenen Berechnungen von  German Pellets  zum 30. Juni 2015 beliefen sich allein die kurzfristigen Verbindlichkeiten (mit Laufzeiten unter zwölf Monaten) auf 219,6 Millionen Euro.  Auf der anderen Seite  hat German Pellets demnach noch offene, kurzfristige Forderungen gegenüber Lieferanten und Darlehensnehmern  in Höhe von 148,3 Millionen Euro.
Dazu gehört auch ein Darlehen, das German Pellets dem seit Januar 2016 insolventen Ofenhersteller Kago Energiesysteme gewährt hat, und das ausfallgefährdet ist (mehr lesen Sie  hier).   Kago Energiesysteme gehört zwar nicht direkt zu German Pellets, ist aber zu 100 Prozent im Besitz von Geschäftsführer Peter Leibold. Wegen der unsicheren Finanzlage lehnen die Kritiker auch die angebotene Sicherheit in Höhe von 50 Prozent der Unternehmensanteile an German Pellets ab.

Ebenfalls kritisch gesehen wird die komplizierte Unternehmensstruktur. German Pellets hat 27 unmittelbare und mittelbare Tochtergesellschaften. Viele davon sind Vertriebs- und Produktionsstandorte. Problematisch daran: 50 Prozent der Produktion werden in Texas und Louisiana abgewickelt. Gerade diese wichtigen Werke, die Texas Pellets Inc. und die Louisiana Pellets Inc., gehören nicht zur German Pellets-Gruppe. Hier lässt das Unternehmen über langfristige Lizenzverträge produzieren. Zusätzlich problematisch: Beide Betreiberfirmen haben ihrerseits Anleihen im dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich auf den Markt gebracht, die in Schwierigkeiten geraten sein sollen (mehr lesen Sie  hier ). Diese Konstellation wäre im Insolvenzfall ein großer Nachteil für die Anleger der German Pellets Anleihe 2011/2016, denn die Werke wären nicht Teil der German Pellets-Insolvenzmasse.
Weiter unklar ist zudem, ob einzelne Werke von German Pellets in Deutschland still stehen. Nach entsprechenden Medienberichten hat German Pellets Nachfragen dazu bislang nicht beantwortet. Auch Gerüchte über Probleme mit Lieferanten kommentierte German Pellets bisher nicht.

Welche Möglichkeiten haben Gläubiger der Anleihe 2011/2016?

Es gibt mehrere Szenarien. Die Anleihegläubiger können der Führung der German Pellets GmbH folgen und hoffen, dass der Konzern wieder auf die Beine kommt. Sie könnten aber auch der Linie der SdK folgen und auf einen alternativen Restrukturierungsplan hoffen. Dieser hängt davon ab, wie sich die finanzielle Situation von German Pellets nach der geplanten Analyse „von dritter Seite“ darstellt. Außerdem könnten sie auch ganz gegen diese Anträge stimmen und die Verlängerung zum Scheitern bringen. Das ginge auch, wenn die Anleihegläubiger massenhaft von ihrem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen würden. Eine akute Insolvenzgefahr wäre dann zumindest denkbar. Dafür spricht, dass German Pellets selbst die Verlängerung als „alternativlos“ bezeichnet und Verhandlungen mit Geldgebern direkt damit verknüpft. Diese könnten dann platzen. Dafür spricht auch, dass German Pellets die Bedienung von Genussrechtezinsen gefährdet sieht, wenn die Anleihe nicht verlängert wird.
 
Was passiert, wenn die Gläubigerversammlung scheitert?

Damit auf der Gläubigerversammlung  am 10. Februar 2016 Beschlüsse hätten gefasst werden können, müssen 50 Prozent aller stimmberechtigten Anleger anwesend sein. Das geht entweder persönlich oder über einen bevollmächtigten Vertreter. Nehmen zu wenige Anleger teil, soll  voraussichtlich am 26. Februar 2016 eine zweite Runde stattfinden. Das hat German Pellets bereits angekündigt. Dann reichen 25 Prozent für die Beschlussfähigkeit.
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