Das Geschäft von Siemens mit Offshore-Windkraftanlagen lief im zweiten Quartal 2016 gut. / Foto: Unternehmen

04.05.16 Fonds / ETF

Siemens: Rückläufige Bilanz und schwere Oxfam-Vorwürfe

Siemens hat auch dank guter Geschäfte der Windkraftsparte im zweiten Quartal 2016 einen Umsatzanstieg erzielt. Dennoch sank der Gewinn deutlich. Und Meldungen aus Israel und Honduras kratzen am Image des Technologiekonzerns. Es geht um Korruption und Vorwürfe wegen Menschenrechtsverletzungen.

Siemens ist einer der weltgrößten Windradhersteller. Außerdem setzt der Münchner Technologiekonzern stark auf Energieeffizienztechnologie. Das brachte die Siemens-Aktie in das Portfolio von Nachhaltigkeitsfonds. Im zweiten Quartal 2016 hat Siemens den Gesamtumsatz um fünf Prozent auf 18,9 Milliarden Euro gesteigert. Die Windenergiesparte zählte zu den Zugpferden dieser Entwicklung: Hier verbuchte Siemens einen Umsatzanstieg um 16 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Noch stärker als der Umsatz entwickelte sich das Neugeschäft. Auf Gesamtkonzernebene steigerte Siemens den Auftragseingang gegenüber dem Vorjahresquartal um sieben Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Auch hier leistete die Sparte „Wind Power and Renewables“ dank eines milliardenschweren Offshore-Windkraft-Auftrags einen großen Beitrag. Für das zweite Quartal 2016 verbucht Siemens dort einen Anstieg beim Auftragseingang um 52 Prozent.
Dennoch ging der Gewinn nach Steuern um 62 Prozent zurück auf 1,48 Milliarden Euro. Dies führte die Siemens-Führung vor allem darauf zurück, dass der milliardenschwere Verkauf der Hörgerätesparte und des Siemens-Anteils an der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH im Vorjahresquartal zu Buche schlugen.

Siemens: Millionenstrafe für Korruptionsfall in Israel

Zugleich erhielt das Image der Siemens AG dieser Tage durch Meldungen aus Israel und Honduras Kratzer: So einigte sich der Siemens-Konzern übereinstimmenden Medienberichten zufolge mit dem Justizministerium des Landes auf die Zahlung von 38 Millionen Dollar Strafe. Dabei geht es den Berichten zufolge um Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe, die Siemens um die Jahrtausendwende an sechs Manager der israelischen Elektrizitätswerke gezahlt habe. Gegen diese Funktionäre ist demnach inzwischen Anklage  erhoben worden.

Die Nichtregierungsorganisation Oxfam erhebt aktuell schwere Vorwürfe gegen Siemens und Voith. Den Konzernen, die gemeinsam das Wasserkraft-Joint-Venture Voith Hydro betreiben, wirft Oxfam eine Mitschuld an Menschenrechtsverletzungen vor. Im Fall Voith Hydro (an dem Gemeinschaftsunternehmen ist Siemens mit 35 Prozent beteiligt) geht es um das Wasserkraftprojekt Agua Zarca. Dazu lieferte Voith Hydro Turbinen, Generatoren und Automationstechnik. Das Wasserkraftwerk-Projekt ist seit langem international schwer umstritten und in Honduras von Protesten begleitet.

Oxfam: Wasserkraftprojekte von Siemens und Voith in Verbindung mit Menschenrechtsverletzung


Oxfam zufolge wurde Bertá Cáceres, eine führende Aktivistin im Protest gegen Agua Zarca, im März 2016 ermordet. Nur kurz darauf soll ein zweiter Aktivist erschossen worden sein.  In dem aktuellen Hintergrundpapier „Schmutzige Geschäfte mit Wasser“ wirft Oxfam den beiden Muttergesellschaften von Voith Hydro in diesem Zusammenhang vor, sie würden ihre „menschenrechtliche  Sorgfaltspflicht bei Staudammprojekten verletzen.“ In dem Papier heißt es: „Siemens und Voith spielen eine unrühmliche Rolle in diesem Wasserkraft-Geschäft.  Die Konzerne sind mitschuldig an Menschenrechtsverletzungen in Ländern wie Honduras, Brasilien, Kolumbien und China, weil sie unter anderem Turbinen für Wasserkraftprojekte liefern, die mit Zwangsumsiedlungen, Gewalt und Morden durchgesetzt werden. Damit konfrontiert, weisen Siemens und Voith jedwede Verantwortung von sich und waschen ihre Hände in Unschuld.“

Zieht sich Voith Hydro von Agua Zarca zurück?

Über das Hintergrundpapier berichtet unter anderem die Süddeutsche Zeitung (SZ). Der SZ erklärte ein Siemens-Sprecher, der Konzern halte lediglich einen Minderheitsanteil an Voith Hydro und habe keinen direkten Einfluss auf die Entscheidungen des Gemeinschaftsunternehmens. „Wir stehen jedoch in engem Kontakt mit Voith und beobachten die Lage sehr genau. Gemeinsam verurteilen wir jegliche Form von Gewalt“, zitiert die SZ den Siemens-Sprecher. Voith erklärte dem Bericht zufolge seinerseits, die Ermittlungen abwarten zu wollen. Sollte sich ein Zusammenhang zwischen dem Projekt und den Morden herausstellen, werde sich Voith davon zurückziehen, heißt es in dem Artikel.  
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