init bietet Steuersysteme an, die den ÖPNV wirkungsvoll organisieren. Dazu gehören auch Informationssysteme für die Fahrgäste. / Quelle: Unternehmen

17.10.13 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Signal auf Grün – die Aktie der init AG hat Potential

Der Öffentliche Personennahverkehr (kurz: ÖPNV) soll die Umwelt schonen und den Verkehrsinfarkt vieler Großstädte verhindern. Das aber gelingt nur, wenn er effizient organisiert wird. Dabei hilft die init AG. Anleger können von dem Potential íhrer Aktie profitieren.

Montagmorgen, Köln-Zentrum, Viertel vor Acht: Die Nerven bei einem Dutzend Wartenden an der Bushaltestelle liegen blank. Denn der Bus ist zehn Minuten zu spät. Kann man sich denn auf nichts verlassen? Ach, glückliche Deutsche! Im vom Strukturwandel extrem betroffenen Detroit fährt beispielsweise nur ein Drittel der Busse pünktlich. Auch in vielen anderen Großstädten der USA arbeitet der ÖPNV so ineffizient, dass er kaum eine echte Alternative zum Auto ist. Obwohl die Staus im Berufsverkehr immer länger werden. Noch schlimmer sieht es in vielen der schnell wachsenden Großstädte in Schwellenländern aus.

All diese Metropolen können den drohenden Verkehrsinfarkt nur abwenden, wenn ein funktionsfähiger ÖPNV die Scharen von Pendlern zuverlässig transportiert. Die init AG, mit vollen Namen „init innovation in traffic systems“ aus Karlsruhe hat das Rezept dafür. Und sie hat den Standortvorteil Deutschland. Denn Deutschland gilt, trotz Flughafen in Berlin und Stuttgart 21, in aller Welt als Inbegriff der Pünktlichkeit und Organisation. Von diesem Ruf profitiert denn auch init AG. Denn das Unternehmen aus Karlsruhe liefert vor allem ins Ausland Steuersysteme, die den ÖPNV wirkungsvoll organisieren. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Fahrpläne von Bus und Bahn aufeinander abgestimmt sind und dass Vorrangschaltungen an Ampeln Bussen und Bahnen eine möglichst freie und damit zügige Fahrt ermöglichen. Das verkürzt die Fahrtzeit, die jeweilige Verkehrsgesellschaft muss weniger Fahrzeuge einsetzen und kann Kosten senken. Der ÖPNV wird attraktiver, und die Klimabelastung durch den Stadtverkehr sinkt mit jedem Fahrgast, der zu Bus und Bahn wechselt.

Auch moderne Fahrgastinformation und der Verkauf von Fahrkarten gehört zum Geschäftsbereich der init AG. Dabei stellt sie ihren Kunden die Software zur Verfügung, liefert aber auch Hardware, zum Beispiel Bordrechner, an denen man Fahrkarten lösen kann. „Das Unternehmen bietet ein umfassendes Paket von Dienstleistungen“, erläutert Malte Lömpcke vom Nachhaltigkeitsresearch der Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung AG aus Bonn. „Das reicht von der Chipkarte beim Ticketverkauf bis hin zum kompletten Verkehrsleitsystem für eine ganze Stadt“. Die init AG leiste einen Beitrag zur Optimierung des ÖPNV und damit dazu, dass er zunehmend als Alternative zum umweltschädlichen Autoverkehr genutzt werde. Daher komme die init-Aktie insbesondere für nachhaltig ausgerichtete Investoren in Frage. Allerdings gebe es Mängel bei der Transparenz. Anfragen zu Nachhaltigkeitsaspekten habe das Unternehmen beispielsweise über Monate nicht beantwortet, kritisiert Lömpcke.

„Liebe Fahrgäste in Dallas, Dubai und München…“

Die init AG ist 1983 aus einem Forschungsprojekt der Universität Karlsruhe hervor gegangen. Auch damals schon ging es darum, den Verkehr effizienter, ökologischer und sicherer abwickeln zu können. 1988 hat die init für den ÖPNV erstmals in Osnabrück ein rechnergesteuertes Betriebsleitsystems gestartet. 2001 ging das Unternehmen als init innovation in traffic systems AG an die Börse, um weiteres Wachstum zu finanzieren. Heute zählt das Unternehmen rund 400 Verkehrsbetriebe zu den Kunden, in Europa, in Kanada und in den USA, im nahen und im fernen Osten.

Beispielsweise hat init für den ÖPNV der texanischen Millionenstadt unter anderem die Kommunikationssysteme geliefert, die Ankünfte oder Abfahrten ansagen sowie die Technik, mit der die Verkehrsbetriebe Verspätungen erkennen. init hat auch den Verkehrsverbund der australischen Hauptstadt Brisbane mit einem umfassenden System ausgestattet, das die Busse managen hilft und die Fahrgastinformationen regelt. Für einen Verkehrsverbund in Dubai lieferte init unter anderem Software Ansagesysteme für die Passagiere. Und in Deutschland haben die Karlsruher zum Beispiel die U-Bahnen Münchens mit einem Datenfunkübertragungssystem ausgerüstet.

Bildhinweis: Der Firmensitz der init AG in Karlsruhe. / Quelle: Unternehmen

Felix Parmantier beobachtet als Analyst für Close Brothers Seydler Research aus Frankfurt die Entwicklung der init AG. Nach seiner Einschätzung ist das Unternehmen dank seiner umfassenden Erfahrung in der Lage, Projekte „zeitnah und kostengünstig“ umzusetzen. Das sei im Wettbewerb ein großer Vorteil. Zudem biete init Produktpakete an, die ohne weiteres aufzustocken seien. Wenn etwa ein Kunde nach einem ersten kleineren Auftrag zufrieden sei, könne er das Paket mit Folgeaufträgen bequem ausbauen (per Mausklick gelangen Sie zu unserer Meldung über einen aktuellen Vertriebserfolg von init in Finnland, bei dem das Unternehmen mit diesem Ansatz erfolgreich war). So sei eine niedrige Einstiegsschwelle für den Erstauftrag profitabel. Zudem wachse mit der Liste erfolgreicher Projekte der Umsatz, den die Karlsruher aus deren Wartung erwirtschaften können.

Gewinneinbruch nur vorübergehend?

Im asiatisch-pazifischen Raum ist init seit November 2013 mit einer eigenen Niederlassung in Singapur präsent. Die Region soll laut Firmenchef Dr. Gottfried Greschner zum größten Markt des Unternehmens werden und damit Nordamerika ablösen. Der Gründer, Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzende von init will dieses Ziel bis 2018 erreichen. Die steigenden Kosten für die weitere Internationalisierung des Vertriebs, etwa die Gründung von Tochtergesellschaften vor Ort, haben schon in 2012 das Ergebnis der Gesellschaft belastet. Nachdem sie zuvor über fünf Jahre hinweg die Börsianer mit einer Verdoppelung von Umsatz und Gewinn beeindruckte, sank das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) im letzten Geschäftsjahr um über 20 Prozent auf 17,3 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte zwar noch um weitere neun Prozent auf 95,3 Millionen Euro. Im 1. Halbjahr 2013 sackte er dann aber auf 37,1 Millionen ab, gegenüber 42,1 Millionen im ersten Halbjahr 2012. Das EBIT brach von 7,6 Millionen Euro auf 4,2 Millionen Euro ein.

Das setzte auch die init-Aktie unter Druck. Bis zum September 2012 hatte sich deren Kurs innerhalb von fünf Jahren auf 21,5 Euro fast verdreifacht. Nach einem weiteren Anstieg auf rund 26 Euro hat sie nach Bekanntgabe der schwachen Halbjahresbilanz den Wertzuwachs zum großen Teil wieder eingebüßt und notiert heute unter 23 Euro. Das eröffnet aber Anlegern die Gelegenheit zu einem vergleichsweise günstigen Einstieg.

Firmenchef Greschner rechnet mit einer Trendumkehr noch in 2013. Für das laufende Gesamtjahr sagt er ein Wachstum auf 105 Millionen Euro Umsatz und 18 Millionen Euro EBIT voraus. Dazu würden insbesondere Einnahmen aus laufenden Projekten beitragen, für die im 2. Halbjahr Auslieferungen anstünden. Analyst Parmantier glaubt, dass init diese Prognose erfüllen wird. Er verweist auf das die vielen Aufträge des Unternehmens. Der Auftragsbestand des Unternehmens habe Ende Juni mit 180 Millionen Euro um 56 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Er decke schon jetzt einen großen Teil der Umsätze bis weit in das Jahr 2014 ab. Dann könne das EBIT auch wieder wie in 2011 über 20 Millionen Euro steigen.

Bildhinweis: Strassenbahn in Bangkok mit Technologie der deutschen Vossloh AG. Die init AG hofft auf Aufträge aus dem wachstumsträchtigen Markt in Fernost. / Quelle: Unternehmen

Für längerfristig ausgerichtete Anleger dürfte sich das Investment in die init-Aktie auszahlen, selbst wenn das Unternehmen nicht schon 2013 auf die Wachstumsspur zurück findet. Vor allem in Asien planen viele Kommunen massive Investitionen in ÖPNV-Systeme. Für diese Ausschreibungen sind die Deutschen dank ihrer guten Referenzen aussichtsreich aufgestellt.

init innovation in traffic systems AG
ISIN DE0005759807
EBIT 2012: 17,3 Millionen Euro
Umsatz 2012: 95,3 Millionen Euro
Kurs: 22,87 Euro
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