Anleger werden sich in Deutschland weiter direkt an Photovoltaikanlagen beteiligen können. Das Wie ist allerdings im Umbruch. / Quelle: Fotolia (Kraus).

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Sind die Tage klassischer geschlossener Solarfonds gezählt?

Der Markt für geschlossene Fonds ist im Umbruch. Dafür sorgt vor allem die neue gesetzliche Regulierung. Das neue Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB)  ist seit kurzem in Kraft (mehr darüber erfahren Sie in unserem Experten-Interview). Das betrifft auch die Anlageklasse der geschlossene Fonds zu Erneuerbaren Energien. Solarenergie, Windkraft und Co. werden immer seltener über klassische geschlossene Fonds finanziert. Marktanalysten prognostizieren, dass die Initiatoren für Erneuerbare-Energie-Projekte künftig auf andere Anlageformen setzen – beispielsweise Anliehen und Genussrechte.

Im ersten Halbjahr 2013 haben geschlossene Grünstrom-Fonds 90 Millionen Euro bei Anlegern eingeworben. Das ist 75 Prozent weniger als im ersten Halbjahr des Vorjahres. Damals sammelten geschlossene Fonds dieser Anlageklasse noch 379 Millionen Euro ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Scope Rating GmbH aus Berlin. Insgesamt sind demnach 2013 nur sechs klassische neue Grünstrom-Fonds aufgelegt worden, fünf Windfonds und nur ein Solarfonds (der CFB Fonds 180 – Solar Deutschland Portfolio V - hier gelangen Sie zu einem ECOanlagecheck zu dem Fonds).

Diese Entwicklung ist für die Scope-Analysten kein Zufall. Sie hat ihnen zufolge zwei Hauptgründe: Zum einen die Ankündigung des neuen KAGB. Zum anderen die teils drastisch veränderten Marktbedingungen für Grünstromkraftwerke - speziell für neue Solaranlagen -  in Deutschland und anderen  wichtigen Märkten Europas. Weil die Einspeisetarife für Solarstrom  aus Neuanlagen immer weiter gesunken und andere Förderinstrumente zurückgefahren worden seien, habe speziell die Photovoltaik als Investmentziel klassischer geschlossener Fonds „deutlich an Attraktivität verloren“, urteilen die Scope-Analysten. Mit verantwortlich dafür ist der Studie zufolge auch die hohe Konkurrenz, die in der Vergangenheit am Markt für Solarfonds aufgekommen sei. Dies habe die Renditen der einzelnen Angebote gedrückt, so die Studienautoren weiter. Somit habe sich das Kräfteverhältnis bei geschlossenen Energiefonds deutlich in Richtung der Windkraftbeteiligungen verschoben: In der ersten Jahreshälfte 2012 entfiel noch ein Drittel des eingesammelten Eigenkapitals auf Windfonds. Im Vergleichszeitraum 2013 waren es Scope zufolge schon 50 Prozent.

Ein Trend der sich fortsetzen soll. Die Scope-Experten gehen davon aus, dass bis Ende 2013 keine neuen geschlossen Solarfonds in Deutschland auf den Markt kommen werden. Anders sehen sie die Marktlage für Windkraftfonds. „Sowohl die Technologie als auch die Kalkulationssicherheit im Bereich Windenergie sind ausgereift“, erklären die Experten.  Damit sei die Windkraft eine der wenigen verbliebenen  Möglichkeiten für Fondsanleger, überhaupt noch direkt in Erneuerbare Energien zu  investieren: Trotz der ebenfalls hohen Konkurrenz unter den Anbietern biete sich hier ein „stabiles und attraktives Investitionsumfeld“.

Nach Angaben der Studienautoren ist deutlich erkennbar, dass die Initiatoren von Direktbeteiligungen aufgrund des neuen KAGB dem klassischen geschlossen Fonds als Anlageform zusehends den Rücken kehren und statt dessen auf Bürgerbeteiligungen, Energiegenossenschaften Anleihen oder Genussrechte ausweichen. Zudem seien wichtige Aspekte des neuen Gesetzes durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) immer noch nicht hinreichend geklärt, moniert Scope. Zum Beispiel: Ist das  Portfolio eines geschlossenen Windfonds breit genug aufgestellt, wenn es in ein Windkraftprojekt mit drei Turbinen investiert, oder wäre das nur der Fall wenn, die Investmentobjekte an geographisch völlig unabhängigen Standorten stehen? Auch die Regel, dass maximal noch 60 Prozent eines geschlossenen Fonds aus Fremdkapital (also Bankfinanzierungen) bestehen darf, sehen die Experten als Hemmnis für klassische geschlossene Fonds. Gerade bei Windfonds seien Fremdkapitalanteile von 75 Prozent bisher keine Seltenheit gewesen. Um solchen Unsicherheiten und Beschränkungen zu entgehen, dürften die Emittenten von Grünstrom-Direktbeteiligungen laut der Studie verstärkt auf Genussscheine, Anleihen oder andere Beteiligungsformen ausweichen, die dem KAGB nicht unterliegen.  

Ein solche nicht KAGB-regulierte Anlageform, die derzeit deutschlandweit einen deutlichen Aufschwung erlebt, sind Energiegenossenschaften. Aktuellen Studien zufolge zählen solche Grünstrom-Genossenschaften bundesweit mittlerweile rund 130.000 Mitglieder, die zusammen rund 1,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit in die Energiewende investiert haben (mehr dazu lesen Sie hier).
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