Kurz nach dem Erhalt eines Rekordauftrags aus China in dreistelliger Millionenhöhe hat der Solarausrüster Singulus Technologies die Prognosen für 2016 und 2017 zurückgezogen. Im Bild eine Fertigungslinie für Solartechnik von Singulus. / Foto: Unternehmen

02.06.16 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Singulus kassiert Prognose – Solaraktie im freien Fall

Die Singulus Technologies AG wird 2016 wohl weniger Umsatz erzielen als bisher erhofft. Der finanziell angeschlagene Solarausrüster hat seine Prognose zurückgezogen. Der Grund: Es zeichnen sich Verzögerungen im Neugeschäft ab. Die Singulus-Aktie reagiert erneut mit einem Kurssturz. ECOreporter.de hatte gewarnt. 

Droht der größte Auftrag der bisherigen Firmengeschichte für Singulus Technologies zum Bumerang zu werden? Das Unternehmen aus Kahl am Main hat vor wenigen Tagen einen Auftrag aus China erhalten. Dabei geht es um Maschinen zur Herstellung von Dünnschicht-Solarmodulen im Gegenwert von 110 Millionen Euro. Einen größeren Einzelauftrag hat es bislang bei Singulus nicht gegeben (mehr lesen Sie  hier). Jetzt musste die Singulus-Führung einräumen, dass sich „größere Teile der Umsatz- und Gewinnrealisierung über den Jahreswechsel 2016 hinaus in das Geschäftsjahr 2017 verschieben könnten.“ Konsequenz: „Damit ist die ausstehende Prognose in ihrer derzeitigen Form für die Geschäftsjahre 2016 und 2017 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht mehr haltbar“, so das Singulus Management.

Singulus: Rekordauftrag kam später als gedacht

Was ist das Problem? Die Umsätze der Solarsparte von Singulus sind nach Darstellung der Unternehmensführung an den Projektfortschritt gekoppelt. Das heißt: Wird ein Auftrag nicht so schnell umgesetzt wie geplant, bekommt Singulus das Geld vom Kunden entsprechend später. Der Rekordauftrag sei später vergeben worden als es die Singulus-Verantwortlichen bei der Erstellung der Prognose erwartet hatten, heißt es weiter.

Singulus-Führung: Prognosen für 2016 und 2017 noch ungewiss

Bislang hatte das Singulus-Management zwischen 115 und 130 Millionen Euro Umsatz für das Gesamtjahr prognostiziert. Dabei ging der Vorstand davon aus einen EBIT-Verlust zwischen 2 und 6 Millionen Euro zu verbuchen. Für 2017 hatte Singulus die Rückkehr in die Gewinnzone anvisiert (ECOreporter.de  berichtete ) Wie sich die Geschäftsjahre stattdessen entwickeln sei noch ungewiss: Eine neue Prognose für das laufende und das kommende Geschäftsjahr könne bis aus Weiteres nicht abgegeben werden, so die Singulus-Führung weiter. Das heißt auch: wann Singulus wieder schwarze Zahlen schreiben wird, ist offen.

Singulus Technologies will Kapitalschnitt wie geplant umsetzen

Problematisch ist das für Singulus vor allem, weil das Unternehmen unmittelbar vor der Umsetzung eines Kapitalschnitts steht, der das Unternehmen vor der Insolvenz bewahren soll. Singulus hatte 2012 eine Anleihe im Gegenwert von 60 Millionen Euro auf den Markt gebracht. Bei den Anlegern steht Singulus gegenwärtig noch mit 55  Millionen Euro in der Kreide. In knapp zwei Wochen soll der im Februar 2016 nach langer Zitterpartie abgesegnete Kapitalschnitt durgeführt sein. Dann übernehmen die Anleihegläubiger 95 Prozent aller Anteile von Singulus, während den Altaktionären noch 5 Prozent bleiben. Immerhin: dieser Plan werde weiter planmäßig umgesetzt, so der Singulus-Vorstand heute. Im Rahmen dieses Restrukturierungsplans hatten die Anleihe-Gläubiger auch auf Ende März 2016 fällige Zinszahlungen in Höhe von 7,75 Prozent auf das angelegte Kapital verzichtet (ECOreporter.de  berichtete).

ECOrepoter.de hatte frühzeitig zum Verkauf von Singulus-Aktien geraten

In den vergangenen Jahren ging die Nachfrage nach Maschinen zur Herstellung von Solarmodulen massiv zurück, weil es lange Zeit massive Überkapazitäten bei den Solarmodulherstellern gab. Erst seit kurzem springt der Markt wieder an, weil asiatische Hersteller dem erstarkten Nachfrageboom aus Asien und Lateinamerika begegnen wollen. Diese Entwicklung stürzte auch Singulus in die Krise, die sich 2015 zusehends zuspitzte. Das geschah bei Singulus auch, weil das zweite große Geschäftsfeld Maschinen für Blu-Ray- und DVD-Produktion ebenfalls schwächelte. ECOreporter.de hat seit dem Frühjahr 2015 mehrfach Verkaufsempfehlungen für die Singulus-Aktie gegeben. Damals notierte die Aktie noch bei 0,80 Euro (mehr lesen Sie  hier) Vor knapp einem Jahr bekräftigte ECOreporter.de die  Verkaufsempfehlung beim Kursstand von 0,65 Euro.

Singulus-Aktie stürzt weiter ab
Inzwischen ist die Singulus-Aktie vie tiefer in den Kurskeller gerutscht. Am heutigen 2. Juni notierte sie um 10:32 Uhr an der Deutschen Börse noch bei 0,18 Euro. Damit ist sie zwar noch immer 3,2 Prozent teurer als vor einem Monat. Verglichen mit dem Kurs vor drei Monaten liegt sie jedoch 23 Prozent im Minus.

Singulus Technologies AG: ISIN DE0007238909 /WKN 723890

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