Marktfrau in Ghana: unter anderem für kleine Handels- und Dienstleistungsunternehmen mangelt es an Kapital, um der Wirtschaft in armen Weltgegenden Aufschwung zu verleihen und so Armut zu bekämpfen. / Quelle: Fotolia

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So bekämpfen Investoren die Armut in Entwicklungsländern

Projekte zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern werden bisher vor allem über die öffentliche Entwicklungshilfe finanziert, über Kredite von Entwicklungsbanken wie der Weltbank oder über Direktinvestitionen von Konzernen. Inwiefern können auch Investoren hier einen wesentlichen Beitrag leisten? Wie geschieht dies bereits, wo bestehen dafür Möglichkeiten, was sind Hindernisse? Diesen Fragen geht eine Studie über Geldanlagen und Entwicklungsförderung nach. Darin stellt die Nicht-Regierungsorganisation Südwind aus Siegburg fest, dass es für nachhaltige Investoren schwierig ist und bleibt, direkt in die Bekämpfung von Armut in Entwicklungsländern zu finanzieren.  

Als Formen solcher Finanzierungsmöglichkeiten stellt die Studie Mikrofinanzen, Impact Investments und Green und Social Bonds vor, also ökologische und soziale Anleihen. Wie Antje Schneeweiß erläutert, die Autorin der Südwind-Studie, tragen diese Anlagemodelle bisher allerdings nur in verschwindend geringem Maße zur Entwicklungsfinanzierung bei. Sie beziffert diesen Beitrag mit rund 28 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Dem stehe gegenüber, dass nach Erhebungen der OECD jährlich rund 325 Milliarden Dollar an privatwirtschaftlichen Investitionen in ärmere Länder fließen, die keinen Hilfscharakter haben. Hierbei handelt es sich laut Schneeweiß zu einem geringen Teil um Export-Kredite und um Portfolio-Investitionen, also um Beteiligungen von Investmentfonds, die zum Beispiel in Anleihen aus Entwicklungsländern investieren. Bei 218 dieser 325 Milliarden Dollar handle es sich aber um Direktinvestments, etwa um Kapital, dass Konzerne in Produktionsanlagen stecken. Nicht selten handle es sich dabei um Projekte, die wie etwa Ölförderungsanlagen Menschen und die Natur gefährden. Dagegen summiere sich die offizielle Entwicklungshilfe nur auf 133 Milliarden US-Dollar.

Laut Schneeweiß liegt bei den drei Anlagemodellen zur Entwicklungsfinanzierung der Schwerpunkt eindeutig auf der Mikrofinanz, also der Vergabe von geringen Krediten an Kleinstunternehmen, die sich damit eine wirtschaftliche Existenz aufbauen oder diese festigen bzw. ausbauen können. Auf dieses Segment entfallen der Studienautorin zufolge 25 der genannten 28 Milliarden Dollar pro Jahr. Ergänzt werde dieser Beitrag um Entwicklungsanleihen mit einer Summe von 1,4 Milliarden Dollar und so genannten Social Impact-Investments, die jährlich 1,6 Milliarden Dollar erreichen. Letztere sind Investitionen, die nachprüfbare soziale, entwicklungspolitische oder ökologische Ziele verfolgen. Das kann etwa über Unternehmensbeteiligungsfonds geschehen, die in Firmen aus armen Weltgegenden investieren.

Als Beispiel dafür führt Schneeweiß den Wagniskapitalfonds Aavishkaar (das bedeutet auf Hindi: „Erfindung“) aus Indien an, der sich auf Unternehmen konzentriere, die Produkte und Dienstleistungen für die Landbevölkerung anbieten, etwa Anlagen zur Kühlung von Milch, die so besser vermarktet werden könne. Schneeweiß weist aber darauf hin, dass das Investment in solche Fonds mit einem hohen Anlagerisiko einher gehen und es sich um Beteiligungsmodelle an der Grenze zur Philanthropie handle.

Einschränkungen bei Investitionen in Mikrofinanz

Insgesamt zeigen die Steigerungsraten dieser Anlagemodelle zur Entwicklungsfinanzierung in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum. In ihrer Studie führt Schneeweiß dies wesentlich darauf zurück, dass institutionelle Investoren nach neuen Möglichkeiten suchen, ihr Kapital nachhaltig zu investieren.  Auch wenn dies angesichts der Währungsrisiken und weiterer Schwierigkeiten, etwa der mitunter problematischen Berechnung des konkreten Wertes einer Beteiligung, für institutionelle Investoren nicht ohne Weiteres möglich sei, wenn sie treuhänderische Pflichten erfüllen müssen. Das bedeutet, dass der Werterhalt des verwalteten Vermögens im Vordergrund steht also nur sehr eingeschränkt Anlagerisiken eingegangen werden können.

Auch Privatanleger haben in den letzten Jahren verstärkt in Mikrofinanz investiert. Und dies, obwohl gesetzliche Einschränkungen den Vertrieb von Mikrofinanzfonds stark behindert haben. Seit Juli 2014 ist es für deutsche Privatanleger noch schwieriger geworden, in Mikrofinanzfonds zu investieren (wir haben darüber  berichtet). Morgen wird ECOreporter.de einen Überblick veröffentlichen über Anlagemöglichkeiten für Privatanleger, in Mikrofinanz zu investieren.

Schneeweiß weist darauf hin, dass weltweit am Kapitalmarkt über 200 Billionen US-Dollar in Aktien, Anleihen oder Krediten investiert sind und dass gleichzeitig Milliardensummen für die Armutsbekämpfung fehlen. Angesichts dieses starken Ungleichgewichtes komme neuen Formen der Entwicklungsfinanzierung eine zukunftsweisende Rolle zu, betont sie. Die Südwind-Expertin warnt in ihrer Studie aber, dass es nicht ausreicht, Investitionsgelder aus dem Norden in den Süden fließen zu lassen. Auch bei guter Absicht könnten Missstände wie Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und Hungerlöhne die Folge sein. Man müsse schon genau hinschauen, ob ein Investment sich wirklich positiv auf die Armutsbekämpfung auswirke. So sei dies etwa bei Mikrokrediten keineswegs garantiert.

Bild: Antje Schneeweiß. / Quelle: Südwind

Schneeweiß führt so genannte Metastudien an, also Studien, die wiederum Untersuchungen zur Wirkung von Mikrofinanzen analysierten. Demnach könne nicht eindeutig belegt werden, dass Mikrokredite, wie sie von den Tausenden weltweit existierender Mikrofinanzinstitutionen (MFI) vergeben werden, Menschen aus der Armut befreien. Die Ergebnisse von rund 3.000 Untersuchungen dazu seien widersprüchlich. Entscheidend sei für einen Erfolg von Kleinstkrediten wohl, dass die Kreditvergabe kompetent und verantwortungsvoll erfolge, so dass weder bloßer Konsum noch Geschäftsmodelle finanziert werden, die nicht tragfähig sind. Was dann Kreditnehmer nur tiefer ins Elend stürzen können. Investoren sollten sich bei der Auswahl der MFI an den Prinzipien zum Schutz der Kunden von Mikrofinanzbanken orientieren (mehr darüber erfahren Sie in einem  Beitrag (Link entfernt)  aus unserer Rubrik GUT ERKLÄRT zum Thema „Mikrofinanzen).  

Unternehmensbeteiligungsfonds tragen höhere Risiken

Kritisch führt Schneeweis zudem an, dass bei Investitionen in Mikrokredite, etwa über Mikrofinanzfonds, Risiken wie das stark schwankender Währungen den MFI und ihren Kunden überlassen werden. Dagegen beteilige sich ein Unternehmensbeteiligungsfonds viel stärker an den Risiken der Unternehmen, in die er investiere, und auch weil er auf eine höhere Rendite abziele biete er häufig auch eine Beratung der Unternehmen an, trage so stärker zu deren Erfolg bei als wenn einfach nur ein Darlehen ermöglicht werde.

Neben der Mikrofinanzierung und der Bereitstellung von Beteiligungskapital gibt es laut der Südwind-Studie noch weitere Varianten, Kapital für die Armutsbekämpfung zu generieren. Als ein Beispiel führt Schneeweiss darin den Fonds an, den die Evangelische Kreditgenossenschaft eG (EKK) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG) entwickelt hat: den „EKK Renewable Energy Fund Emerging Markets“. Dessen Anleger erwerben letztlich Genussscheine und investieren darüber in Projekte aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien in Asien, Lateinamerika, Afrika und Osteuropa. Der Wert dieser Genussscheine bildet die Wertentwicklung des Fonds in Luxemburg ab, so Schneeweiß. Aber aufgrund gesetzlicher Vorgaben zum Anlegerschutz sei es nur institutionellen und professionellen Investoren möglich, Anteile an diesem Fonds zu erwerben, da Privatanleger die damit verbundenen Risiken eventuell nicht einschätzen können (Hinweis: Die EKK und die Evangelische Darlehnsgenossenschaft eG (EDG) haben sich kürzlich unter dem Namen „Evangelische Bank eG“ zusammengeschlossen – wir  berichteten).

Bildhinweis: Der EKK Renewable Energy Fund Emerging Markets investiert in Erneuerbare Energie. Photovoltaikprojekt in Afrika. / Quelle: Nuon

Ökologische und soziale Anleihen als weitere Option

In so genannte Green und Social Bonds können Privatanleger ebenfalls nur sehr eingeschränkt investieren. Da sie überwiegend institutionellen Investoren zur Zeichnung angeboten werden. Aber immerhin ist es ihnen möglich, in Nachhaltigkeitsfonds anzulegen, die ihrerseits solche nachhaltigen Anleihen erwerben. Derartige Schuldverschreibungen werden etwa von überstaatlichen Entwicklungsbanken und der Weltbank ausgegeben und nur in geringen Umfang von Privatbanken und Großunternehmen. Als Beispiel führt die Südwind-Studie etwa eine Klimaanleihe der Europäische Investitionsbank (EIB) an, die der Finanzierung von Klimaschutzprojekten dient. Unternehmensanleihen von Iberdrola aus Spanien und von EDF aus Frankreich sammelten Kapital für Investitionen in Grünstromprojekte ein. Allerdings betreiben diese Konzerne auch Kohle- und Atomkraftwerke, so dass nachhaltige Investoren sich vielleicht mit einem Investment in deren Wertpapiere schwer tun. Unilever hat ebenfalls einen Green Bonds, also eine grüne Anleihe auf den Markt gebracht. Der Nahrungs- und Waschmittelkonzern sammelte rund 315 Millionen Euro darüber ein, um damit Fabriken zu bauen, die umweltfreundlicher produzieren, etwa weniger Wasser und Energie verbrauchen. Schneeweiß führt dies als ein Beispiel dafür an, dass zwar die Emittenten im Ausgabeprospekt nachhaltige Ziele für das Investment angeben, aber damit nicht gesagt sei, dass Investoren hier Projekte ermöglichen, die nicht ohnehin umgesetzt würden. Bei der Investition in die Bekämpfung von Armut, wozu zwar auch die Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen gehörten, gehe es aber eben darum, zusätzliche Mittel zu generieren.

In ihrer Studie zitiert Schneeweiß eine Untersuchung mit dem Titel „HSBC Guide to Green Bonds“. Die Autoren dieser von der britischen Großbank HSBC veröffentlichten Studie gehen davon aus, dass sich das Volumen von Green Bonds von elf Milliarden US-Dollar im Jahr 2013 in diesem Jahr auf 25 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln wird. Dagegen spielen Schneeweiß zufolge Social Bonds, also Anleihen mit eindeutig sozialem Nutzen, eine weitaus geringere Rolle. Ein positives Beispiel für Social Bonds sei die Anleihe der Internationalen Finanzfazilität für Impfprogramme (IFFIm) zur Finanzierung von Impfstoffen. 530 Euro seien so von Investoren eingesammelt worden, so dass Millionen Kinder in armen Weltgegenden geimpft werden konnten, unter anderem gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten.  

Spielen Nachhaltigkeitsfonds bei der Armutsbekämpfung keine Rolle?

Kritisch äußert sich Schneeweiß zu nachhaltigen Fonds, also Investmentfonds, die bei der Auswahl von Aktien, Anleihen und weiteren Anlageinstrumenten nachhaltige Aspekte berücksichtigen. Laut der Autorin der Südwind-Studie „tragen Nachhaltigkeitsfonds nicht dazu bei, dass Unternehmen, die eine positive entwicklungspolitische Wirkung entfalten, mehr Geld zu Verfügung steht“. Es fließe über Nachhaltigkeitsfonds kein Geld in Entwicklungsländer. Dabei hätten börsennotierte Aktiengesellschaften „einen großen Einfluss auf die Situation in Entwicklungs- und Schwellenländern“, da sie meist einen bedeutenden Teil ihrer Rohstoffe von dort beziehen und in vielen Fällen dort Produktionsstätten unterhalten.

Als Ausnahme führt die Autorin der Studie den Fair World Fonds, an dessen Konzeption Südwind sich beteiligt hat. Dieser nachhaltige Mischfonds FairWorldFonds der Union Investment Luxembourg S.A. wurde von der Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) aus Dortmund und der Bochumer GLS Bank initiiert, die ihn auch ihren Kunden anbieten. Südwind und „Brot für die Welt“ für den Fonds entwicklungspolitische Kriterien formuliert.
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