Der Bau von Ftreiflächensolarannlagen in Deutschland wird testweise neu geregelt. Kleinere Marktakteure sehen sich im Nachteil. / Foto: Phoenix Solar

04.02.15 Anleihen / AIF

Solar-Auktionen als Kostenfalle für Bürgerbeteiligungen?

Um die feste Einspeisevergütung für Ökostrom abzuschaffen, riskiert die Bundesregierung offenbar das Wegbrechen einer bislang tragenden Säule der Energiewende: Die Kleinanleger und ihr oftmals regionales, bürgerschaftliches Engagement. So sehen es zumindest die Unternehmen und Verbände aus diesem Sektor. Das seit neuestem in der Solarbranche erprobte Ausschreibungsmodell für Solarparks auf Freiflächen bringt Hürden mit sich, die Initiatoren von Bürgersolarparks wohl nur schwerlich überwinden können.

Das Grundprinzip ist denkbar einfach: Wer künftig in Deutschland einen Solarpark realisieren will, nimmt an einer Auktion der Bundesnetzagentur teil. Den Zuschlag bekommt derjenige, der in seinem Gebot am wenigsten Fördermittel beansprucht. Teurere Gebote fallen vom Tisch. Kleine Marktakteure sehen sich klar benachteiligt. „Ich sehe das als Rückschritt schlimmsten Ausmaßes, es werden trotz gegenteiliger Absichtserklärung nur die großen Marktteilnehmer bestehen. Sogar China hat Ausschreibungen nach einem Pilotversuch gestrichen und bevorzugt Modelle mit fixen Tarifen“, sagt Georg Hille, Geschäftsführer der ecovision GmbH. Das Unternehmen aus Stuttgart ist auf Bürgerbeteiligungen zu Photovoltaikanlagen spezialisiert und zählt nach eigenen Angaben rund 1.000 Anleger.  
Vorkasse macht kleinen Solarprojektierern das Leben schwer

Das Problem für die kleineren Marktakteure: Noch lange bevor klar ist, ob ein Bieter tatsächlich den Zuschlag bekommt, fallen bereits Kosten an: Zunächst werden vier Euro pro Kilowatt (kW) geplanter Leistung als  „Erstsicherheit“ verlangt. Gewinnt ein Bieter die Auktion werden nochmals 50 Euro je kW fällig. Für ein Bauvorhaben mit 100 kW – so hoch ist das Mindestgebot – muss der Bieter also bereits 5.400 Euro als „Zweitsicherheit“ hinterlegen. „Für Projektierer steigt das Risiko“, sagt Georg Hille. „Denn sie müssen neben der Sicherheit ja auch die Baugenehmigungskosten vorfinanzieren, ohne abschätzen zu können, ob sie später den Zuschlag erhalten“, erklärt er. Die Ausgangsposition, um Anleger für Bürgerbeteiligungen zu gewinnen, sei damit denkbar schlecht: Schließlich könne ein Initiator kaum Geld für ein Projekt einwerben, das er am Ende gar nicht realisiert, weil ein günstigeres Gebot die Auktion für sich entschieden hat. „Wir machen ausschließlich Bürgerbeteiligungen. Das bedeutet, circa sechs Prozent der Investitionskosten gehen in die Gestaltung der Beteiligung und der Betrieb kostet circa drei Prozent der Stromerlöse für die kaufmännische Verwaltung. Somit erscheinen wir immer  teurer als Andere oder müssen dementsprechend Abstriche auf die Rendite machen“, rechnet Hille vor. „Wir müssen – im Sinne unserer circa 1.000 Klein-Investoren - so viel Sicherheit als möglich bieten und da waren die EEG Tarife der richtige Ansatz. Dafür sind unsere Anleger auch mit geringeren Renditen als große Investoren zufrieden“, so Hille weiter.

Foto: Monteure von ecovision bei der Arbeit. / Quelle: Unternehmen


„Reform soll kleine Akteure aus dem Markt drängen“

Ähnlich problematisch bewertet das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) die jüngsten energiepolitischen Reformen. „Mit dem Kabinettsbeschluss über die Einführung von Ausschreibungen bei Photovoltaik-Freilandanlagen findet das staatliche Bremsmanöver für die Bürgerenergie einen weiteren traurigen Höhepunkt“, sagt Dr. Thomas Banning, Chef des Grünstromanbieters Naturstrom AG und Vorstandsvorsitzender des Bündnisses Bürgerenergie. „Der verantwortliche Minister Sigmar Gabriel bedient ganz offensichtlich die Geschäftsinteressen großer Konzerne. Die erfolgreichen kleineren Akteure der Energiewende sollen wohl aus dem Markt gedrängt werden“, ergänzt der Ausschreibungsexperte des  BBEn Marcel Keiffenheim. Der Bundesverband Solarwirtschaft bezeichnete das Ausschreibungsmodell jüngst als „Bürokratie-Monster“.

Sind die fetten Jahre des Photovoltaikausbaus vorbei?

Ohnedies ist der Ausbau der Solarenergie in Deutschland 2014 weit hinter den Erwartungen der Bundesregierung geblieben. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht jährlich neue Sonnenstromkraftwerke mit 2.400 bis 2.600 Megawatt (MW) Kapazität vor. Tatsächlich 2014 in Betrieb gingen lediglich rund 1.900 MW. Die 2013 deutschlandweit neu installierte Photovoltaikleistung war mit 3.300 MW beinahe doppelt so hoch. Und im Rekordjahr 2012 kam mit 7.600 MW viermal mehr neue Solarstromleistung ans deutsche Netz (mehr zur Entwicklung der Photovoltaikleistung 2013 und den aktuell geltenden Einspeisetarifen für Sonnenstromanlagen lesen Sie  hier).
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