19.01.17 Aktientipps

Solaraktie mit JoJo-Effekt – werden die Geschäfte von SunPower künftig stabiler?

Die Solaraktie SunPower aus den USA gehörte zu den schwächsten Umweltaktien des vergangenen Jahres. Sie verlor in 2016 rund 70 Prozent an Wert. Seit Jahresbeginn hat sich ihr Kurs an der Nasdaq aber bei rund sieben US-Dollar stabilisiert. Steht nun gar eine Kurserholung an?

Es ist erst 30 Monate her, dass die Aktie des kalifornischen Solarkonzerns noch mit 40 Dollar gehandelt wurde. Der Konzern hatte damals die heftige Marktbereinigung aus den Jahren 2011 bis 2013 überstanden und war wieder hochprofitabel. Zuvor hatten hohe Überkapazitäten einen massiven Preisverfall bei Solarmodulen ausgelöst und Solarherstellern hohe Verluste eingebracht, worauf viele Konkurrenten aufgeben müssen.

SunPower begegnete dem Preisverfall mit einem harten Sparprogramm

SunPower aber hatte die starke Marktstellung gehalten und verdiente wieder gut. Doch früher als erwartet setzte 2016 abermals ein massiver Preisverfall ein, wieder weil im Weltmarkt viel mehr Solarmodule angeboten als nachgefragt werden. Dazu kam es vor allem, weil in China zur Jahresmitte die Solarförderung stark gekürzt wurde. Zuvor war dort die Nachfrage explodiert, worauf die Solarhersteller ihre Produktion enorm erhöhten. Im dritten Quartal wurde das spekatuläre Wachstum des chinesischen Solarmarktes abgebremst und die chinesischen Solarhersteller warfen ihre Produkte auf den Weltmarkt. Der Preiswetbewerb verschärfte sich so stark, dass Solarmodule zum Jahresende rund 30 Prozent billiger angeboten wurden als zum Jahresanfang.

Tom Werner, Chief Executive Officer (CEO) von SunPower, entschloss sich daher für ein hartes Sparprogramm. Im Dezember 2016 kündigte er an, die Fertigung auf den Philippinen zu stoppen. Damit verringert der Solarkonzern seine Produktionskapazität des Konzerns auf einen Schlag um 700 Megawatt (MW). Die Börsianer strafte SunPower für diese Entscheidung ab, weil sie zunächst hohe Kosten verursacht und erst ab 2017 zu Einsparungen führt. Weil die Kosten die Jahresbilanz für 2016 verhageln und die verringerte Produktion weniger Einnahmen in 2017 erwarten lässt. Doch diese Auswirkungen sind nun nach dem Absturz der letzten Wochen von 2016 in den Kurs der Solaraktie eingepreist.

Neue Produktionsstrategie macht SunPower flexibler

Was angesichts dieser spektakulären Maßnahme im Hintergrund blieb, ist der Umstand, dass der CEO offenbar einen Paradigmenwechsel bei der Solarproduktion des Solarkonzerns vollziehen will. Bisher hat SunPower für viel Geld neue Fabriken zur Fertigung von Solarmodulen aufgebaut und gehofft, die dort hergestellten Produkte mit Gewinn verkaufen zu können. Doch im Weltmarkt werden Solarmodule immer schneller immer billiger. Was dazu führt, dass eine neue Solarfabrik für immer kürzere Zeit rentabel betrieben werden kann. Die hohen Investitionen in eine neue Produktion lohnen sich dadurch immer weniger. SunPower startete die Fertigung auf den Philippinen in 2007. Nicht einmal zehn Jahre später rechnete es sich für den Konzern nicht mehr, die Produktion dort weiter zu betreiben, trotz zwischenzeitlicher Modernisierung.

Wie SunPower künftig bei der Produktion vorgehen will, zeigt das Beispiel Mexiko. Dort hat der US-Konzern mit Erfolg an einer großen Solarauktion teilgenommen. Dort kann er nun große Solarparks mit einer installierten Photovoltaik-Leistung von 500 MW bauen und mit Modulen ausrüsten. Der einheimische Energieversorger CFE garantiert die Abnahme des Solarstroms.

SunPower hat damit auch gute Chancen, bei weiteren Solarauktionen in Mexiko zum Zug zu kommen. Vor allem aber ist klar, mit welchen Preisen die Kalifornier dort kalkulieren können. Und erst jetzt beginnt die Planung für eine Solarproduktion in Mexiko, abgestimmt auf die zu erwartende Absatzmenge. Durch die Übernahme von Cogenra in 2016 ist SunPower in der Lage, eine kostengünstige Solarfertigung in kurzer Zeit aufzubauen. Denn Cogenra hat eine Technologie entwickelt, um leistungsstarke Solarmodule einfach und kostengünstig herzustellen. SunPower kann daher eine neue Solarfabrik in Mexiko innerhalb weniger Monate bauen.

Erfolge in Schwellenländern sind für SunPower mitentscheidend

Es ist offenkundig, dass SunPower die Produktionskapazitäten künftig vor allem danach ausrichten will, wo der Konzern langfristig die Preise für seine Module sicher kalkulieren kann. Das ermöglicht die erfolgreiche Teilnahme an Solarauktionen. In wachstumsträchtigen Solarmärkten von Schwellenländern wie etwa in Lateinamerika stehen solche Ausschreibungen an. Wenn SunPower hier weitere Erfolge erzielt, könnte diese Produktionsstrategie aufgehen. SunPower wäre dann in der Lage, sich dem immer härter werdenden Wettbewerb auf dem freien Markt zunehmend zu entziehen und die Produktionskosten sicherer zu kalkulieren. Die Solaraktie wäre dann auch nicht mehr so schwankungsanfällig wie bislang.

Weil aber noch offen ist, ob diese Strategie aufgeht, raten wir weiter von dem Investment in die Solaraktie ab. Weitere Erfolge von SunPower bei großen Solarauktionen wären positive Signale für die Zukunft des Konzerns. Solche Erfolge sollten Anleger aber zunächst abwarten. Für einen Einstieg in die Solaraktie ist es jetzt noch zu früh.

SunPower: ISIN US8676524064
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