Solarpark mit Modulen von Yingli. / Quelle: Unternehmen

26.03.15 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Solaraktie Yingli: Chinaböller oder Rohrkrepierer?

Yingli Green Energy aus Baoding in China ist zwar nach Trina Solar der größte Solarhersteller der Welt. Doch die Aktionäre des Konzerns mussten zuletzt schmerzhaft erfahren, dass Größe keinen Erfolg garantiert.

Die Aktie hat auf Jahressicht 45 Prozent an Wert verloren. Die Kurserholung um die Jahreswende 2013/2014 hat sich nur als vorübergehenden Zwischenhoch erwiesen nach Jahre lange Kurstalfahrt. Zeichnet sich nun endlich eine Trendwende zum Guten ab?

Die Rahmenbedingungen sprechen für einen Aufschwung von Yingli Green Energy. Denn der Konzern beliefert vor allem Kunden in den boomenden Solarmärkten China, Japan und USA. Vor allem im Heimatmarkt ist die Nachfrage für Solartechnik riesig.

2013 und 2014 hat die Volksrepublik bei den Neuinstallationen pro Jahr und Land mit je über zehn Gigawatt (GW) neue Weltrekorde aufgestellt. Für 2015 rechnen die zuständigen Behörden sogar mit einem Zubau von rund 18 GW neuer Photovoltaik-Kapazität (wir  berichteten).

Doch dass solche optimistischen Prognosen nicht auf festem Grund stehen und Solarhersteller in Bedrängnis geraten können, wenn sie falsch liegen, zeigt die Situation von Yingli Green Energy beispielhaft. Denn das Unternehmen hat massiv in den Ausbau seiner Produktionkapazitäten investiert: um so die erwartete hohe Nachfrage bedienen und um die Kosten je Stück weiter senken zu können.

Derartige so genannte Skaleneffekte zielen unter anderem darauf, dass man bei Lieferanten umso günstigere Einkaufspreise herausschlagen kann, je größer die Produktion und damit die Bestellung ist. Doch das Konzept, stark auf die Größe der Produktion zu setzen, geht nur auf, wenn auch die Nachfrage ausreicht, die zusätzliche Kapazität auszulasten. Das gelang Yingli in 2014 nicht, wie der nun veröffentlichte Geschäftsbericht zeigt.

Für 2014 hatte die zuständige Energiebehörde in China eine neue Photovoltaik-Kapazität von 14 GW erwartet. Zur Jahresmitte waren aber nur ganze drei GW ans Netz gekommen. Diese weitaus geringere Nachfrage warf auch bei Yingli die Planungen durcheinander.

Zwar griff die chinesische Regierung dem einheimischen Solarmarkt unter die Arme, wurden die Bremsen beim Ausbau großer Solarparks gelöst, weil sich die Hoffnungen auf ein starkes Wachstum im Bereich von Aufdachanlagen als illusorisch erwiesen, und gingen so in der zweiten Jahreshälfte noch rund sieben GW ans Netz.

Yingli aber war gezwungen, verstärkt andere Absatzmärkte in Angriff zu nehmen, als die Nachfrage im ersten Halbjahr stagnierte. Dass sich die chinesische Nachfrage im zweiten Halbjahr so stark belebte half Yingli lediglich, den Schaden zu begrenzen. Die Zwischenbilanz für das erste Halbjahr war bereits verhagelt, das Ende 2013 wiederbelebte Vertrauen der Börsianer wieder verloren.

Hinzu kamen Probleme beim Netzausbau in Japan, wohin Yingli aufgrund der regionalen Nähe noch am leichtesten ausweichen konnte, und die Festlegung neuer Strafzölle auf Solarimporte aus China  durch die USA.

Hohe Verluste auch im Geschäftsjahr 2014

All dies führte dazu, dass der Jahresumsatz von Yingli gegenüber 2013 deutlich schrumpfte, von 13,418 Milliarden auf 12,927 Milliarden Renminbi. Das sind umgerechnet 2,084 Milliarden US-Dollar.

Zwar waren die Auslieferungen von 3,234 GW in 2013 trotz der Hindernisse auf 3,361 GW gestiegen, wobei 261 Megawatt (MW) auf Lieferungen an Solarparks geliefert wurden, die Yingli selbst errichtet. Die Auslieferungen an Kunden fielen also geringer aus als im Vorjahr. Auch hat der Solarkonzern nur seine zwischenzeitlich deutlich verringerte Absatzprognose von 3.350 Megawatt (MW) erfüllt.

Ursprünglich hatte die Yingli-Führung zwischen 3.600 und 3.800 MW Gesamtabsatz in Aussicht gestellt, wobei 400 bis 600 MW davon für das eigene Projektgeschäft veranschlagt war.

Weil die Preise für Solartechnik gesunken sind, hätte der Solarkonzern ohnehin den Absatz steigern müssen, um auch nur den Vorjahresumsatz zu erreichen. Zudem verzeichnete Yingli einen Anstieg der Kosten. Auch belasteten Währungseffekte das Jahresergebnis um 89,7 Millionen Renminbi bzw. 14,5 Millionen US-Dollar.

Für das Gesamtjahr verzeichnete der Solarkonzern einen Nettoverlust von knapp 1,3 Milliarden Renminbi. Das sind umgerechnet 210 Millionen US-Dollar. Für 2013 hatte Yingli zwar mit einem Minus von 1,944 Milliarden Renminbi einen höheren Fehlbetrag ausgewiesen. Doch es stimmt bedenklich, dass das Unternehmen auch bei einem globalen Solarboom noch weit von der Profitabilität entfernt ist.

Die Absatzprobleme in China im ersten Halbjahr haben nicht nur die generellen Geschäftsrisiken des Solarkonzerns gezeigt, sondern auch verdeutlicht, wie immens die Nachfrage steigen muss, damit sich die von ihm aufgebaute Produktionskapazität rechnet.

Ausbau des Projektgeschäftes hilft nur bedingt weiter

Vor diesem Hintergrund ist es allenfalls ein Trostpflaster, dass die Führung von Yingli verstärkt auf das Projektgeschäft setzen will, um sich so weniger abhängig vom Geschäft mit Solartechnik mit seinen stark schwankenden Preisen zu machen und um die eigene Produktion durch eigene Nachfrage besser auszulasten.

Die in 2014 selbst verbauten 260 MW machen nur einen Bruchteil der Produktion aus. Zwar verfügt der Solarkonzern nach eigenen Angaben inzwischen über eine Projektpipeline von 1,6 GW. Doch es ist offen, bis wann diese Projekte Baureife erlangen und wie viele davon doch noch aufgegeben werden.

Für das laufende Jahr stellte die Führung von Yingli jetzt die Umsetzung von höchsten 600 MW in Aussicht. Das ist zwar gegenüber 2014 mehr als eine Verdoppelung. Doch repräsentiert diese Menge nur einen geringen Teil der Auslieferungen, die Yingli für 2015 insgesamt anvisiert. Sie sollen sich auf 3,6 bis 3,9 GW belaufen.

Parallelen zum Pleitefall Suntech

Es gibt bei Yingli auffällige Parallelen zum Fall der ebenfalls chinesischen Suntech aus Wuxi auf, die ebenfalls vor allem auf Größe gesetzt hatte und in Sachen Produktionskapazität zum weltweit führenden Solarkonzern aufgesteigen war. Umso tiefer war dann der Fall.

Suntech hatte sich viel zu hohe Schulden aufgebürdet, konnte 2013 Ansprüche von Gläubigern nicht mehr bedienen, verlor den in China unerlässlichen Rückhalt politischer Entscheidungsträger und würde binnen weniger Monate zu erschlagen. Die Aktionäre schauten in die Röhre.

Ein ähnliches Schicksal könnte auch Yingli und deren Anteilseigner ereilen. Denn es ist nicht absehbar, wann der Solarkonzern endlich Geld verdient, anstatt es zu verbrennen. Das schürt die Ungeduld der Gläubiger.

Yingli ist weiter hoch verschuldet, bezifferte bei der Präsentation der aktuellen Geschäftszahlen allein die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit 3.423 Milliarden Renminbi. Das sind umgerechnet 551 Millionen US-Dollar.

Hinzu kommen Schulden von knapp 3,390 Milliarden Renminbi bzw. 546 Millionen US-Dollar, die Yingli langfristig begleichen muss. Das ergibt zusammen eine Schuldenlast von rund 1,1 Milliarden US-Dollar, also mehr als der Hälfte des Jahresumsatzes von 2,084 Milliarden US-Dollar.

Wir sehen keine Aussichten auf eine Trendwende für die Aktie von Yingli. Es drohen sogar weitere Verlustrisiken. Daher raten wir Anlegern zum Verkauf der Beteiligung.

Yingli Green Energy: ISIN US98584B1035 / WKN A0MR90

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