19.07.12 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Solarausrüster agieren in schwierigem Marktumfeld – Aktien im Kurskeller

Die Insolvenz der centrotherm photovoltaics AG aus Blaubeuren hat ein negatives Schlaglicht auf die Branche der Solarausrüster geworfen (wir Opens external link in new windowberichteten über den Insolvenzantrag). Während die Hersteller von Solarkomponenten schon seit längerem kriseln und hier die Marktbereinigung infolge massiver Überkapazitäten schon viele Opfer gefordert hat, wähnten viele Beobachter die Solarausrüster auf der sicheren Seite. Das galt insbesondere für die deutschen Marktteilnehmer, die mit der Qualität des deutschen Maschinenbaus punkten können. Schließlich haben diese laut dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im ersten Quartal 2012 ihren Weltmarktanteil von über 40 Prozent erfolgreich behaupten. „Das ist in erster Linie der stetigen Innovationskraft und dem starken Fokus auf eine kosteneffiziente Photovoltaik-Produktion geschuldet. Das Label Made in Germany steht nach wie vor für höchste Qualitätsstandards und kostengünstige Lösungen", unterstreicht Dr. Florian Wessendorf, Projektleiter im Team von VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel.

Doch wie das Beispiel centrotherm zeigt, hat die Krise der Solarhersteller jetzt auch ihre Ausrüster erfasst. Laut dem VDMA leidet die Photovoltaik-Zuliefererbranche unter der anhaltend schwachen Investitionsbereitschaft der Wafer-, Zell- und Modulhersteller. Insbesondere Ausrüstung für die Zellproduktion sei seit Jahresbeginn weniger nachgefragt worden. Der Umsatz der Hersteller von Komponenten, Maschinen und Anlagen für die Photovoltaik in Deutschland sank im ersten Quartal 2012 um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, so der VDMA. Weltweit war der Gesamtumsatz im Bereich Solarausrüstung im ersten Quartal auf 1,75 Milliarden US-Dollar gesunken und damit auf den niedrigsten Wert seit zehn Quartalen. Gegenüber dem Vorjahresquartal hatte er sich damit  halbiert.

Einer aktuellen Analyse des Verbandes zufolge bildeten asiatische Kunden zwar auch im ersten Quartal 2012 das Rückgrat für die von den deutschen Solarausrüstern erzielten Umsätze. Doch hier sei der Umsatzrückgang besonders gravierend ausgefallen. Bezogen auf den Vorjahreszeitraum hätten die Solarausrüster mit ihnen im ersten Quartal 60 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet als im Vorjahreszeitraum. Branchenkenner überrascht wenig. Schließlich haben vor allem die Solarhersteller aus China massive Überkapazitäten aufgebaut. IMS Research, ein britisches Marktforschungsunternehmen aus Wellingborough, beziffert die Produktionskapazität der chinesischen Hersteller von herkömmlichen Solarmodulen zum Ende des 1. Quartals mit 32,6 Gigawatt (GW). Dabei werde die weltweite Nachfrage im Gesamtjahr 2012 wohl nicht einmal 31 GW erreichen, schätzt IMS Research.

„Mit einer Abkühlung des Marktes in Asien zu Beginn des Jahres haben wir durchaus gerechnet“, berichtet Wessendorf und verweist auf stark rückläufige Auftragseingänge für die deutschen Solarausrüster in den vorherigen drei Quartalen. Im ersten Quartal dann sei die Exportquote mit 80 Prozent um einige Prozentpunkte niedriger ausgefallen als in den Quartalen zuvor. Weiterhin sei das Equipment für die Zellfertigung mit einem Anteil von 56 Prozent für Solarausrüster das Schlüssel-Segment, doch seien hier in der Vergangenheit Werte von knappen 70 Prozent üblich gewesen. Gut 18 Prozent der Gesamtumsätze seien auf Anlagen zur Poly-Silizium-, Ingot- und Waferfertigung entfallen. Das Dünnschichtsegment habe ähnlich der kristallinen Modulproduktion gut dreizehn Prozent erreicht.

Allerdings hat sich die Lage bei den Auftragseingängen im ersten Quartal 2012 entspannt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stellte der VDMA hier einen Zuwachs von 21 Prozent fest. Doch stellt der Verband dazu fest, dass diese sich aufhellende Auftragssituation der deutschen Solarzulieferer sich auf den zweiten Blick als sehr uneinheitlich darstellt. Denn dieser steigende Auftragseingang werde von einzelnen Großprojekten dominiert, verteile sich also sehr ungleichmäßig auf die Unternehmen.

Auch regional stellte der VDMA in seiner Marktanalyse starke Verschiebungen bei den Auftragseingängen fest. In den letzten Jahren sei das Asiengeschäft das Zugpferd der Marktentwicklung gewesen, aber im ersten Quartal 2012 sei ein Gros der Investitionen in der MENA-Region statt. Dazu zählen Länder aus der Region von Marokko bis zum Iran (MENA steht für ‚Middle East & North Africa‘). Laut dem VDMA werden Länder aus der MENA-Region zunehmend für die Photovoltaik-Produktion interessant, ebenso aufstrebende Schwellenländer wie Indien und Brasilien. Die strategische Erschließung neuer Märkte sei neben der kontinuierlichen Verbesserung der Produktionsprozesse und der gezielten Kostenminimierung für den deutschen Photovoltaik-Maschinenbau von großer Bedeutung. Das Kerngeschäft der Solarausrüster liege aber weiterhin in Asien und auch in Europa.

Das Marktforschungsunternehmen NPD Solarbuzz aus dem kalifornischen Santa Clara weist in einer aktuellen Untersuchung darauf hin, dass sich die Kundenstruktur der Solarausrüster in den kommenden Jahren stark verändern wird. Denn die Marktbereinigung bei den Solarherstellern werde das Feld der Kunden stark lichten. NPD Solarbuzz geht davon aus, dass bis 2016 drei Viertel der Hersteller aufgeben muss und dann nur noch etwa 100 Hersteller von Solarmodulen am Markt sein werden. Nur noch ein Dutzend davon werde auf Dünnschicht-Technologie setzen. Die Solarausrüster müssten sich darauf einstellen, dass wenige starke Solarhersteller eine dominante Stellung im Markt erobern und auch eine bessere Verhandlungsposition gegenüber ihren Ausrüstern erlangen werden.

Das kalifornische Marktforschungsunternehmen macht zudem wenig Hoffnung darauf, dass der Auftragseingang für die Solarausrüster bald wieder anziehen wird. Es prognostiziert, dass die Nachfrage seitens der Solarhersteller in diesem Jahr und auch noch im ersten Halbjahr 2013 schwach bleibt. Erst dann, wenn sich die Anzahl der Solarhersteller merklich verringert habe und damit die Überkapazitäten im Markt abgebaut seien, werde wieder stärker in die Produktion investiert werden.

Bildhinweis: Solarausrüster liefern auch solche Sägesysteme, mit denen die Hersteller Wafer zu Solarzellen zerschneiden, aus denen dann Solarmodule gefertigt werden können. / Quelle: Meyer Burger Technology AG


In diesem Spannungsfeld haben Aktionäre von Solarausrüstern wenig Freude. Deren Kurse liegen auf Jahressicht alle klar im Minus. Das gilt natürlich vor allem für den Anteilsschein von centrotherm, der 95 Prozent unter seinem Vorjahreswert notiert. Satte 20 Prozent hat die Aktie der Manz AG aus Reutlingen in den letzten zwölf Monaten an Wert verloren. Der Solarausrüster hat zwar schwache Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht (wir Opens external link in new windowberichteten), kann die Schwäche im Photovoltaikgeschäft aber mit seinen anderen Geschäftsbereichen wie Flachbildschirm-Displays einigermaßen ausgleichen.

Ein Sonderfall ist die Aktie der Roth & Rau AG, deren Aktionäre von der Übernahme durch die Meyer Burger Technology AG profitiert haben. Der Schweizer Solarzulieferer Meyer Burger Technology AG hat in 2011 Rückgänge beim Umsatz und Gewinn hinnehmen müssen, aber noch profitabel wirtschaften können. Zahlen zum ersten Halbjahr wird er erst im August veröffentlichen. Im März hatte die Unternehmensführung die Marktlage in der Solarbranche aufgrund sinkender Nachfrage und weiterhin überfüllter Warenlager als „weiter schwierig“ eingeschätzt. Die Aktie der Schweizer hat sich in Frankfurt auf Jahressicht um über 60 Prozent verbilligt.

centrotherm photovoltaics AG: ISIN DE000A0JMMN2 / WKN A0JMMN
Manz AG: ISIN DE000A0JQ5U3 / WKN A0JQ5U
Meyer Burger Technology AG: ISIN CH0108503795 / WKN A0YJZX
Roth & Rau AG: ISIN DE000A0JCZ51 / WKN A0JCZ5
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