29.06.07 ECOanlagecheck

„Solarpark 1000 Jahre Fürth“ will Anlagen auf den Dächern der Stadt betreiben – Lohnt der Einstieg?

Auch eine Art, ein Jubiläum zu feiern: Zum 1.000. Geburtstag der Stadt Fürth bieten die Projektpartner welivit new energy GmbH, Sunline AG und Sparkasse Fürth den Solarfonds "Solarpark 1000 Jahre Fürth" an. Die Stadt Fürth hat sich an dem Projekt beteiligt. Investoren können bis zum 30. September2007 Kommanditanteile ab 5.000 Euro zeichnen. Das Agio beträgt 5,0 Prozent. ECOreporter.de hat das Angebot geprüft und sagt, ob sich der Einstieg lohnt.

Die welivit new energy GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der KarstadtQuelle Versicherungen. Sie hat das Sonnenstromprojekt konzipiert und den Fonds aufgelegt. Auf Dächern der sonnenreichen Region Fürth hat die Initiatorin Module der Hersteller Sharp, Yingli und ENI und Wechselrichter von SMA mit einer Gesamtleistung von 1.000 Kilowattpeak (kWp) installiert. Errichtet hat die Anlagen das börsennotierte Fürther Solarunternehmen Sunline AG. Der erhoffte jährliche Stromertrag liegt laut welvit bei rund 940 Kilowattstunden (kWh). Dr. Clemens Bloß, Geschäftsführer der welivit, sagt auf Nachfrage von ECOreporter.de zum aktuellen Stand (22. Juni) der Arbeiten an den Anlagen: „700 kWp sind am Netz, 300 kWp sind fertig gestellt und müssen noch vom Energieversorger angeschlossen werden. Bis in zwei Wochen werden alle Anlagen am Netz sein.“ Auf die Solarmodule gewähren die Hersteller seinen Angaben zufolge mindestens 20 Jahren Leistungsgarantie und zwei Jahren Produktgarantie. Laut dem Emissionsprospekt umfasst die Garantie 90 Prozent der Nennleistung für die ersten zehn Jahren und 80 Prozent in den Jahren elf bis 20.


1,1 Millionen Euro als Eigenkapital – 20 Jahre Laufzeit

Die Gesamtinvestitionsvolumen für das Projekt beträgt 4,4 Millionen Euro, davon sollen 1,1 Millionen Euro als Eigenkapital eingeworben werden. Den Vertrieb hat exklusiv die Sparkasse Fürth übernommen, die mit einem Darlehen auch in die Finanzierung des Solarparks eingebunden ist. Das übrige Fremdkapital wurde nach Angaben von Bloß von der Landesbausparkasse bereit gestellt. Die Sparkasse Fürth hat auch die Aufgabe der Mittelverwendungkontrolle für die Verwendung des Eigenkapitals und des Fremdkapitals im Rahmen der Investitionsphase übernommen. Die Rückzahlung der Kredite erfolgt laut welivit nach zwei tilgungsfreien Jahren in gleich hohen, aufeinander folgenden Halbjahresraten.

Anleger können sich an diesem Fonds unmittelbar als Direktkommanditisten der „Solarpark 1000 Jahre Fürth GmbH & Co. KG“ beteiligen. Als Rendite nach den Internen Zinsfuß stellen die Initiatoren „etwa 6,1 Prozent“ in Aussicht (nach Gewerbesteuer). Die Laufzeit des Fonds beträgt 20 Jahre. Die prognostizierten Ausschüttungen über die gesamte Laufzeit betragen dem Emissionsprospekt zufolge 222,96 Prozent. Darin sei der Rückfluss des Kapitals enthalten. Der Fonds erwirtschaftet demnach laut der Prognose in 20 Jahren rund 123 Prozent der Anfangsinvestition. Verglichen mit anderen Solarstrombeteiligungen ist das ein Wert im soliden mittleren Bereich. Bloß weist gegenüber ECOreporter.de auf die relativ hohen geplanten Ausschüttungen während der ersten Jahre des Fonds hin: „Gemäß Businessplan haben die Investoren das Kapital rechnerisch nach zehn bis zwölf Jahren zurück.“


Geringe Weichkosten – Platzierungsgarantie liegt vor

Erstaunlich sind die geringen Weichkosten: Die Initiatoren des Solarparks kommen inklusive Agio mit 4,25 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens aus. Damit werden unter anderen die Projektentwicklung und der Vertrieb finanziert. Die laufenden jährlichen Verwaltungskosten werden mit 0,75 Prozent des Investitionsvolumens veranschlagt, darin enthalten sind Aufwendungen für Buchführung, Bilanzierung und Steuerberatung.

Die welivit AG hat eine Platzierungsgarantie für das Projekt übernommen. Wie werthaltig ist die Garantie? Verfügt das Unternehmen über ausreichend Liquidität, um im Ernstfall einen größeren Teil der Investitionen schultern zu können? Bloß sagt dazu auf Nachfrage von ECOreporter.de: „Die welivit AG verfügt über eine Liquidität von über fünf Millionen Euro und wurde von der Deutschen Bundesbank mit ‚notenbankfähig’ bewertet.“ Der Zeichnungsstand betrug zum Stichtag 22. Juni 200.000 Euro.


Erfahrungswerte statt Ertragsgutachten

Laut dem Emissionsprospekt für den Fonds liegen keine Ertragsgutachten für die Standorte der Solaranlagen vor. Die Initiatorin verweist darauf, dass die Plausibilität der Ertragsannahme durch Ist-Ergebnisse von Anlagen im Stadt und Landkreis Fürth gestützt werde. Die Anlagen Solarberg Fürth-Atzenhof, Kiderlinschule Fürth, Adalbert-Stifter-Schule Fürth, Friedrich-Ebert-Schule Fürth, Gymnasium Oberasbach und Hans-Böckler-Schule Fürth seien in den Jahren 2003 bis 2006 in Betrieb genommen worden. Ihre Ertragswerte lägen jeweils über 940 kWh je kWp. Aufgrund der Erfahrungswerte habe man auf die Einholung von Ertragsgutachten verzichtet. Laut Bloß gingen zudem die Erfahrungen aus dem Solarpark Franken in die Prognosen ein, den sein Unternehmen 2005 realisiert hat. Dessen Anlagen seien in und um Fürth errichtet. Der Jahresertrag der Anlagen liege bei über 950 kWh je kWp. „Für den Fonds 1000 Jahre Fürth wurde mit 940 kWh je kWp geplant“, so Bloß.
Wie es im Emissionsprospekt weiter heißt, gibt der Deutsche Wetterdienst DWD für die Region bei einem Neigungswinkel von 30 Grad und Südausrichtung eine globale Sonneneinstrahlung von 1187 KWh pro Quadratmeter an. Auf diesen Wert habe man einen Abschlag in Höhe von 20,8 Prozent vorgenommen, sagt Bloß.

Nach Angaben von Bloß hat die welivit seit 2005 Erfahrungen mit Solarstromprojekten. Neben dem Solarpark Franken (840 kWp) in 2005 wurde demnach 2006 der Solarfonds Süddeutschland (5 Megawatt peak) realisiert. Das Projekt m:solarPOWER (1 Megawatt peak) sei 2007 voll platziert worden, die Installation laufe.


Keine Kosten für Rückbau

Die Auflösung des Fonds ist für den 31. Dezember 2027 geplant. Die Eigentümer der Dächer, auf denen die Anlagen installiert wurden, haben dann die Möglichkeit, die Anlagen zu diesem Termin ohne Vergütung zu übernehmen. Die nicht von den Dacheigentümern übernommenen Anlagen kauft laut dem Emissionsprospekt die Sunline AG für 75 Euro je kWp zurück. Die Gesellschaft geht von einer Übernahme der Hälfte der Solaranlagen durch die Dacheigentümer aus. Die Dacheigentümer bzw. Sunline tragen die Kosten für den Rückbau der Anlagen und die eventuelle Entsorgung der Anlagen. Damit kommen auf die Kommanditisten für die Auflösung der Gesellschaft keine Kosten mehr zu.


Fazit:

Das Beteiligungsangebot der welivit new energy kann rundum überzeugen. Die Kostenstruktur ist auffallend günstig. Die Prognosen erscheinen aufgrund der detaillierten Erfahrungswerte von zahlreichen benachbarten Anlagen und dem Abschlag auf die Zahlen des DWD verlässlich. Garantien der Anlagenhersteller liegen vor. Auch sind die Anlagen bereits errichtet. Die versprochene Rendite von jährlich 6,1 Prozent ist im Vergleich mit anderen Beteiligungsangeboten an Solarprojekten kein Spitzenwert. Für Anleger, die ein umweltgerechtes Investment mit hohem Sicherheitsanspruch suchen, ist der Solarpark 1000 Jahre Fürth dennoch ein attraktives Angebot.


Basisdaten

Name des Fonds: welivit new energy GmbH - Solarpark 1000 Jahre Fürth
Initatorin: welivit new energy GmbH
Adresse: Nürnberger Straße 91-95, 90758 Fürth
Telefon: 0911 / 148 1048
Fax: 0911 / 148 1481048
Web: www.welivit.de

Standort: Fürth; Bayern
Gesamtnennleistung: 1.000,00 kWp
Energieertrag: 940,00 kWh/kWp
Wartung: Sunline AG
Einkunftsart: Gewerblich
Rechtsform: GmbH & Co. KG
Agio: 5,00%
Gesamtinvestitionsvolumen ohne Agio: 4,65 Mio. EUR
Eigenkapitalvolumen ohne Agio: 1,10 Mio. EUR
Mindestzeichnungssumme: 5.000,00 EUR

Verbindliche Netzanschluss- und Einspeiseverträge - Ja
Ertragsspezifische Investitionskosten (Euro pro KW/h): 0,23 €/kWh
Leistungsspezifische Investitionskosten (Euro pro KWp): 4.440 €/kWp
IDW S4-Prüfungsbericht - Nein.
Unabhängiger Treuhänder – Nein
Fonds vom Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) genehmigt? Ja
Sensitivitätsanalyse im Emissionsprospekt - Ja
Ertragsgarantie - Nein
Durchschnittliche EEG-Vergütung brutto EUR/kWh über die Laufzeit des Fonds: 47,29 Cent je Kilowattstunde für 20 Kalenderjahren
Degradation der Module in Planrechnung berücksichtigt? Ja. Degradation von 0,25 Prozent

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Bild: Cover des Emissionsprospekts zum Solarpark 1000 Jahre Fürth
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