Photovoltaik-Kleinanlagen im Einsatz. / Quelle: bonergie

04.08.10 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Solarstrombetrieb für Dörfer in Westafrika – Projekt sucht stille Teilhaber




Um dies zu erreichen bietet die als Ableger der Werbeagentur  The Marketing Concept GmbH neu gegründete GdR aus München der Landbevölkerung im Senegal zwei Typen von kleinen, mobilen Solarsystemen an. Diese sollen die Lebensumstände der Menschen „nachhaltig verbessern“, wie bonergie-Sprecher Michael Appel gegenüber ECOreporter.de erklärt. „Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von 910 US-Dollar pro Jahr gehört Senegal zu den ärmsten Ländern der Welt. Dies spiegelt sich auch im Anteil von circa 70 Prozent der in Armut lebenden Menschen wider“, weiß Appel. Das Stromnetz sei marode und die Energieversorgung entsprechend schlecht.

Strom, Licht, und Elektrogerätebetrieb aus einer Hand

Die Solarsysteme bonergie ST1 und ST2 sind mit einem 2-Watt- beziehungsweise 5-Watt-peak-Solarmodul, einer Gelbatterie und einer LED-Leuchte mit drei unterschiedlichen Helligkeitsstufen und einer Lebensdauer von über 30.000 Stunden ausgestattet. Außerdem verfügen die Geräte über Anschlussmöglichkeiten für verschiedene elektrische Geräte sowie einer USB-Anschluss-Schnittstelle, an der über diverse mitgelieferte Adapter alle gängigen Handytypen geladen werden können.

„Social Business“ durch Mikrofinanzierungsangebot

„Wir beziehen die ST1 und ST2 von der Stiftung Solarenergie, die die ihrerseits sehr aktiv in Ostafrika ist“, erläutert Appel. Über zwei Mitarbeiter im Senegal verkauft und vertreibt  bonergie die Solarsysteme direkt in senegalesischen Dörfern. Auch die Vorauswahl nach geeigneten Verkaufsgebieten treffen die beiden Senegalesen über persönliche Kontakte. Erwerben können die Dorfbewohner die Geräte entweder als Sofortkauf oder über Mikrofinanierungsangebote mit zwölf beziehungsweise 24 Monaten Laufzeit. Wenn die Kunden im Senegal die Solarsysteme direkt bezahlen kostet die ST1 79,83 Euro. Für die größere ST2 verlangt bonergie dann 151,68 Euro.

Wählen die Kunden die Finanzierungsmodelle, kommen über die monatlichen Raten jeweils noch 7,99 Euro hinzu. „Wir können als Social Business nur existieren, solange wir wirtschaftlich am Markt vorgehen“, erklärt der Appel zum Geschäftsmodell. „Es besteht jedoch ein sehr deutlicher Unterschied zu anderen Unternehmen. Als Social Business verfolgen wir nicht die absolute Gewinnmaximierung, sondern die Lösung eines sozialen Problems. Das bedeutet für uns im Wesentlichen die Armut in Westafrika“, sagt der bonergie-Sprecher. Auch für die Konzeption der Mikrofinanzierungsmodelle habe sich das Münchner Unternehmen Rat bei der in Merzhausen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ansässigen Stiftung Solarenergie in geholt, sagt Appelt.

Vertrieb, Verkauf und Reparaturen

Im Februar 2010 schickte bonergie die ersten 20 Systeme per Luftfracht nach Dakar, wo sie binnen vier Wochen verkauft wurden. „Wir beziehen die ST1 und ST2 von der Stiftung Solarenergie, die die ihrerseits sehr aktiv in Ostafrika ist“, erläutert Appel. Paul Bombolong, selbst Senegalese, fahre monatlich in die Dörfer der bonergie-Kunden, um die Geräte auszuliefern, die Ratenzahlungen einzusammeln, die Verwendung und den Zustand der Anlagen zu kontrollieren und bei Bedarf Reparaturen aller Art vorzunehmen, so Appel weiter.

Mittlerweile verfüge das Unternehmen über eine kleine Niederlassung im Senegal mit zwei Mitarbeitern und habe mehr als 150 Solarsysteme ausgeliefert. In den ersten sechs Monaten der Tätigkeit im Senegal seien die Münchner weder auf Korruption gestoßen, noch habe das marode Stromnetz des Landes den bonergie-Systemen Probleme bereitet. „Unsere Systeme sind speziell auf den Einsatz in Gebieten wie dem Senegal konzipiert worden. Sie sind sie zu einhundert Prozent nutzbar. In der Regel treten solche Probleme nur bei Systemen auf, die zum Beispiel für den deutschen Markt konzipiert wurden, weil hier Faktoren wie Sonneneinstrahldauer und Wetter vollkommen andere sind“, erläutert Appel.

Zukunftspläne: Größere Systeme und Wasserpumpen

 „Wir planen zusätzlich größere Anlagen, die momentan auf ihre Tauglichkeit getestet werden. Dazu zählt die bonergie ST3, die aus einem 50 WP Modul, einer adäquaten Gelbatterie, einem Wechselrichter, drei bis vier Leuchteinheiten und einem Laderegler bestehen wird“, sagt Appel. Mit einem Gerät dieser Größenordnung werde es den Kunden im Senegal auch möglich sein, größere Geräte, wie Fernseher oder Kühlschränke zu betreiben. Überdies arbeite bonergie auch daran, solarbetriebene Wasserpumpen ins Produktportfolio aufzunehmen. Die erste Wasserpumpe dieser Art sei dank eines größeren Investments ebenfalls bei der Stiftung Solarenergie bestellt worden und werde im August im Senegal erwartet.

Stille Teilhaber gesucht: 3 Prozent Zinsen auf 15.000 Euro

Über ein größeres Netzwerk von Partnern in Deutschland oder im Senegal verfügen die Münchner nicht. Dazu sei das Unternehmen schlicht noch zu klein, erklärt Appel. Auch von der Regierung im Senegal werde bonergie bislang nicht unterstützt. „Um entsprechend in Vorfinanzierung der Anlagen gehen zu können, benötigen wir natürlich Kapital“, sagt Appel Um dieses zu erhalten, vergibt bonergie 19 Gesellschafteranteile in Form von stillen Beteiligungen.  An dieser Form von ‚social business’ interessierte Anleger können für die festgeschriebene Beteiligungssumme in Höhe von 15.000 Euro als typische stille Teilhaber einsteigen. Verzinst wird die Teilhaberschaft laut bonergie mit 3 Prozent jährlich. „Neben allen finanziellen Aspekten freuen wir uns natürlich zum Beispiel über pensionierte Unternehmensberater oder Menschen aus der Wirtschaft, die uns in unserem Sinne mit Ihrem Know-how oder Ihrem Netzwerk unterstützen möchten“, erklärt Appel.

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