16.12.06 ECOanlagecheck

Solarstromprojekt der OekoGeno bei Augsburg geht noch im Dezember ans Netz - 7 Prozent Ausschüttung ab dem ersten Jahr

In der Nähe von Augsburg entsteht aktuell ein Solarstromprojekt mit einer Leistung von 150 Kilowatt peak. Bauherrin ist die OekoGeno Erste Solarstrom Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG. Das Unternehmen wurde von der Freiburger OekoGeno Genossenschaft gegründet. Beteiligungen sind ab 5000 Euro möglich. ECOreporter.de hat das Projekt geprüft und darüber mit Georg Hille gesprochen, Geschäftsführer der OekoGeno Projekt GmbH, die die Anlage realisiert. Initiatorin des Projekts ist die OekoGeno Genossenschaft, sie trat 2001 in die Fußstapfen der Ökobank-Genossenschaft (ECOreporter.de berichtete). Die Sonnenstromanlage wird auf einer Dachfläche montiert, die für 20 Jahre gepachtet ist. Die Pacht beträgt 1,5 Prozent der Nettostromerlöse.

Bei der Technik setzt Georg Hille auf bewährte Anbieter: Die Solarmodule liefert die Schott Solar GmbH aus Alzenau, die Wechselrichter kommen von der SMA Technologie AG, Niestetal. 25 Jahre Garantie gewährt Schott auf seine Module, auf die SMA-Wechselrichter gibt es laut Hille 5 Jahre. In den beiden ersten Jahren nach Fertigstellung der Anlage gibt es zudem noch eine Garantie der Kirchheimer PVStrom GmbH & Co. KG, die als Generalunternehmen beauftragt wurde. Erst seit dem 17. November ist klar, wo die Anlage gebaut werden soll - bis dahin lief das Angebot als so genannter "Blind Pool" ohne klare Aussage zum Standort. Nun soll schon am 19. Dezember der erste Strom produziert und ins Netz eingespeist werden.


Darlehen von der UmweltBank - Platzierung gesichert
Insgesamt 800.000 Euro werden investiert, 600.000 davon sollen bei Anlegern gesammelt werden. Die fehlenden 200.000 kommen aus zwei Bankdarlehen der Nürnberger UmweltBank AG mit einer Laufzeit von 15 Jahren bzw. 18 Jahren und einem Zinssatz von rund 4,50 Prozent bzw. 4,90 Prozent. Die Anleger beteiligen sich als Kommanditisten an der OekoGeno Erste Solarstrom Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG. Ein Agio wird nicht erhoben. Der aktuelle (13. Dezember) Zeichnungsstand für das Projekt liegt laut OekoGeno bei 100.000 Euro.

Die prognostizierte Rendite beträgt vier Prozent jährlich. Besonderheit des Projekts ist die mögliche Kombination mit einem Investmentsparvertrag. Die jährlichen Ausschüttungen können je nach Risikoneigung des Anlegers in Anteile der nachhaltigen Fonds Ökovision oder Sarasin Sustainable Bond Euro investiert werden. Laut OekoGeno dient dieses Modell der Renditeverbesserung, zudem werde der "Vorsorgecharakter" des Fonds heraus gestellt.
Schon ab 2007 schüttet der Fonds laut dem Emissionsprospekt jährlich 7 Prozent der Investitionssumme aus; die Gesamtausschüttung während der Laufzeit des Fonds von 20 Jahren beläuft sich auf 150 Prozent. Mit anderen Worten: Wer 10.000 Euro investiert, soll nach 20 Jahren mindestens 15.000 Euro zurück erhalten.

Die Besteuerung des Teils der Ausschüttungen, der aus den Erträgen der Solaranlage erwirtschaftet wurde, sei kein Problem, so Hille: "Die Beträge, die bei den einzelnen Anlegern der Besteuerung unterliegen, werden jedes Jahr durch unseren Steuerberater ermittelt und dem Finanzamt mitgeteilt. Die der Besteuerung unterliegenden Beträge sind deutlich niedriger als die Ausschüttungen."

Die vollständige Platzierung der Fondsanteile ist laut Hille gesichert. "Wenn der Fonds nicht genügend Mittel einwirbt, übernimmt die OekoGeno Genossenschaft die restlichen Anteile", so der Geschäftsführer. Die enge Kooperation mit der Genossenschaft hat für die Anleger möglicherweise eine weiteren Vorteil. Die OekoGeno wird nach Angaben von Hille im Kreis der Mitglieder den Handel von Fondsanteilen anbieten. Durch die hohe Anzahl der Mitglieder bei OekoGeno eröffne sich darüber ein interessantes Angebot für einen "Zweithandel".


Vier mögliche Schwachpunkte
In einigen anderen Punkten erfüllt das Solarstrom-Angebot der OekoGeno wichtige Anforderungen von ECOreporter.de an Solarfonds nicht.

Punkt eins: die Ertragsgarantie fehlt. Hille sagt dazu auf Nachfrage von ECOreporter.de: "Ich halte nichts von Ertragsversicherungen. Die Versicherer steigen immer ganz schnell aus den Verträgen aus, wenn sie das zweite Mal zahlen müssen. Als Vorwand zum Ausstieg geben sie dann immer Herstellungs- oder Installationsfehler an." Dafür finde sich immer ein Vorwand.

Punkt zwei: Es gibt kein Ertragsgutachten für das Projekt. Hille erklärt das so: "Als der Prospekt geschrieben wurde, war das ein Blind Pool. In der kurzen Zeit zwischen dem Vertragsabschluss für den Standort und dem Bau war es unmöglich, ein Ertragsgutachten zu erstellen." Hille hat statt dessen selbst Werte von bestehenden Solarstromanlagen aus der Umgebung gesammelt und sie auf den Standort umgerechnet. Dabei habe er bewusst sehr konservative Erträge angenommen und einen Sicherheitsabschlag von rund zwei Prozent auf die Erträge der benachbarten Standorte berücksichtigt.
Hille hat nach Angaben der OekoGeno in den letzten Jahren drei Solarfonds selbst initiiert und realisiert, sechs weitere hat er begleitet. Von den drei eigenen liefen zwei über Plan eines im Plan.

Punkt drei: Der Fondsprospekt sieht keine unabhängige Verwendungskontrolle der Investitionsmittel vor. Hille sieht darin kein Problem: "Es wurden keine Treuhänder beauftragt, weil sich das Angebot ausschließlich an OekoGeno Mitglieder richtet."

Punkt vier: Es besteht kein Vollwartungsvertrag für das Projekt. Der Geschäftsführer fährt auch hier ein eigenes Konzept, er setzt auf ein "Monitoring" der Anlage durch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg. "Im Rahmen des "Monitoring" installiert das ISE aufwendige Messtechnik mit kalibrierten Fühlern", erklärt Hille: "Die ermöglichen eine hochsensible und präzise Diagnostik der Anlage. Fehler sollen schnell und präzise auffindbar sein." Das Monitoring durch Fraunhofer läuft laut dem Geschäftsführer zunächst fünf Jahre.


Fazit
Das Angebot der OekoGeno ist mit Augenmaß konzipiert. Auch um die Kosten angesichts des geringen Volumens gering zu halten, haben die Initiatoren auf Einrichtungen wie den Treuhänder verzichtet. Das erscheint logisch, bringt aber in der Bewertung Abzüge. Nur: Für relativ kleine Projekte wie dieses ist fraglich, ob die üblichen Bewertungsmassstäbe angebracht sind. Nachfragen von ECOreporter.de beantworteten die Initiatoren sehr zügig, offen und schlüssig. Ob die Rendite von vier Prozent zufrieden stellt, muss jeder selbst entscheiden. Die ökologische Rendite des Vorhabens ist dagegen unstrittig. Die Erfahrung und Sachkenntnis des Geschäftsführers Hille sprechen dafür, dass sie in jedem Fall erreicht wird.


Basisdaten des Fonds
Anbieter: OekoGeno eG
Währung des Fonds: Euro
Veröffentlichungsdatum: 27.10.2006
Prospektdatum: 23.10.2006
Rechtsform: GmbH & Co. KG
Laufzeit 20,00 Jahre
Eigenkapitalquote 74,91 Prozent
Fremdkapitalquote 25,09 Prozent
Anteil der Weichkosten am Gesamtinvestitionsvolumen: 10,74 Prozent
Anteil der Weichkosten am Eigenkapital: 14,33 Prozent
Genehmigung der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht): Ja
Prüfung der künftigen Jahresabschlüsse durch Wirtschaftsprüfer vor: Nein
Ertragsspezifische Investitionskosten (Euro pro KW/h): 840 Euro
Leistungsspezifische Investitionskosten (Euro pro KW): 5280 Euro
Sicherheitsabschlag: 10 Prozent
Versicherung gegen Diebstahl der Solarmodule: Ja
Netzeinspeisezusage: Ja


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Bilder: Georg Hille; Arbeiten am Solarstromprojekt der OekoGeno / Quelle: Unternehmen
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