27.05.10 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Solarthermische Kraftwerke: Eine Technologie erobert den Markt

Solarthermische Kraftwerke sind so etwas wie die großen Geschwister von Photovoltaikanlagen: Sie sind größer und leistungsstärker als Dach- oder Freiflächenanlagen, mit Solarmodulen. Weil sie nach Meinung zahlreicher Experten eine entscheidende Rolle im künftigen, klimaneutraleren Energiemix spielen sollen – etwa bei dem Wüstenstrom-Großprojekt Desertec (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete) -, sind sie für Projektierer, Hersteller und Zulieferer schon heute ebenso interessant wie für Anleger und Großinvestoren. ECOreporter.de stellt die Marktakteure im folgenden Überblick vor.


Die bekannteste deutsche Akteurin am Markt für solarthermische Kraftwerke ist die Erlanger Spezialistin Solar Millennium. Das 1998 aus der Solar Century Management GmbH hervorgegangene Unternehmen, seit 2005 an die Börse, baute ihr erstes solarthermisches Kraftwerk Andasol 1 2006 im spanischen Guadix in Andalusien. Das Kraftwerk ist seit Dezember 2008 in Betrieb. Andasol 2 hat Mitte 2009 den Betrieb aufgenommen; und Andasol 3 ist im Bau. .Jedes dieser Kraftwerke ist ein so genanntes Parabolrinnenkraftwerk und verfügt nach Angaben der Solar Millennium über eine elektrische Leistung von 50 Megawatt und thermische Speicher. Ein voller Speicher kann die Turbine etwa. 7,5 Stunden in weiter betreiben.


Finanziert worden sind die beiden ersten Kraftwerke über Unternehmensanleihen. Für Andasol 3 legte Solar Millennium Ende vergangenen Jahres einen geschlossenen Fonds auf, der Genussrechte an dem Kraftwerk kauft. Seit März dieses Jahres betreibt der Erlanger Konzern mit der Solar Millennium Invest AG einen eigenen Finanzvertrieb, der im Kerngeschäft Unternehmensanleihen und Genussrechte des Mutterkonzerns anbietet.

 Solar Millennium ist auch auf dem US-Solarmarkt aktiv. Derzeit warten vier Bauvorhaben für solarthermische Kraftwerke  auf Genehmigungen. Drei dieser Anlagen sollen in Kaliforniern entstehen, das vierte in der Wüste von Nevada. Bis Herbst wollen die Erlanger mit der Realisierung eines dieser Projekte beginnen. An allen vier Standorten sollen Kraftwerke mit Kapazitäten bis zu 250 Megawatt entstehen.


Zum größten deutschen Konkurrenten der Solar Millennium AG am Markt für solarthermische Kraftwerke könnte auf absehbare Zeit der Münchner Technologiekonzern Siemens werden. Jüngst kaufte die Energiesparte des Konzerns in verschiedene Unternehmen ein,  unter anderem in Italien, um die gesamte technische Bandbreite zum Bau schlüsselfertiger Kraftwerke unter einem Dach zu vereinen. Erst im April kündigte Siemens an, in Spanien sein erstes solarthermisches Kraftwerk zu errichten. Das Projekt, das in 80 Kilometer Entfernung von Sevilla  entstehen soll, kostet den Konzern rund 300 Millionen Euro. Es soll eine Referenzanlage werden. Als Projektierer für solarthermische Kraftwerke aktiv ist die Epuron GmbH, eine 100-prozentige Tochter des börsennotierten Hamburger Solarkonzerns Conergy. Ein von der Epuron GmbH projektiertes Projekt soll in der spanischen Region Extremadura errichtet werden.


Das Anleger und Entwickler aufgrund des Potenzials der  so genannten Concentrated-Solar-Power-Technologie (CSP) derzeit bereit sind, viel Geld in die Hand zu nehmen, zeigt auch die rasante Entwicklung des kalifornischen Unternehmens BrightSource Energy. Zur Finanzierung von 14 bis ins Jahr 2016 geplanten solarthermischen Kraftwerken im Südwesten der USA  und einer möglichen Expansion über die Vereinigten Staaten hinaus, hat die nicht an der Börse notierte BrightSource Energy in vier Schritten bislang 300 Millionen US-Dollar von Großinvestoren vornehmlich aus den USA gesammelt. Investiert sind bislang Konzerne wie der Mineralöl-Riese BP, Google, der Energiekonzern  Alstom und Finanzdienstleister wie VantagePoint Venture Partners, Morgan Stanley und Draper Fisher Jurvetson.


Erst im Februar 2010 erhielt BrightSource nach eigenen Angaben eine bedingte Zusage des US-Energieministeriums über Darlehensgarantien in Höhe von 1,37 Milliarden US-Dollar für die Finanzierung des BrightSource-Projekts Ivanpah Solar Electric Generating System – des ersten Energieprojekts des Unternehmens in den USA. Nach seiner Fertigstellung soll Ivanpah 400 MW Nennleistung haben. Ein Mitbewerber um ambitionierte CSP-Großprojekte ist die ebenfalls in Kalifornien ansässige Ausra Inc.  aus Mountain View. Die CSP-Spezialistin gehört seit März zu 100 Prozent zur Erneuerbare-Energie-Sparte des französischen Nuklear-Konzerns Areva.


Weitere Akteure am CSP-Markt, sind Technologiezulieferer wie die Schott Solar AG oder die junge Novatec Biosol aus Karlsruhe. Beide zählen zu den Unternehmen, die vor allem Energiespeichersysteme, so genannte Solarreceiver liefern.  Sie wandeln das  Sonnenlicht in Energie um und speichern es. Die Mainzer Schott Solar AG lieferte schon 2005 Receiver für die ersten US-Kraftwerkprojekte der neuen Generation in Nevada. Schott Solar  hat den 2008 angestrebten Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben. Biosol Novatec lacierte im März dieses Jahres eine erste Unternehmensanleihe, die Kapital für Projekte in Spanien bringen soll (mehr dazu lesen sie Opens external link in new windowhier).


Dass die CSP-Branche am Anfang einer rasanten Entwicklung steht, sagt auch Philip Murphy von Murphy&Spitz Green Capital aus Bonn. Gegenüber ECOreporter.de prognostizierte der Experte den außereuropäischen Märkten ein schnelleres Wachstum als denen in Europa.

Conergy AG: ISIN DE0006040025 / WKN 604002
Solar Millennium AG: ISIN DE0007218406 / WKN 721840
Bildnachweis: Parabolspiegel  der Schott Solar AG. /Quelle: Unternehmen

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