Test von Solarwafern bei SolarWorld. Der Konzern braucht mehr Zeit für die Rückkehr in die Gewinnzone als von ihm angenommen. / Quelle: Unternehmen

02.11.15 Aktientipps

SolarWorld-Aktie stürzt ab - Hoffnung auf Kurserholung?

Die Aktie der Bonner SolarWorld AG setzt heute ihren Sinkflug fort. Sie verbilligte sich bis 12 Uhr im Xetra um elf Prozent auf 12,1 Euro. Seit ECOreporter.de vor sechs Wochen in einem  Aktientipp  zuletzt den Verkauf der Aktie empfohlen hatte, verlor sie etwa ein Drittel an Wert. Ist sie nun wieder angemessen bewertet?

Die SolarWorld AG hatte am Donnerstag vorläufige Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht und damit einen Kursrutsch der Aktie ausgelöst. Auch Sven Diermeier, Analyst der WGZ Bank, reagiert enttäuscht. Er hatte im Juli den Kauf der SolarWorld-Aktie empfohlen, mit Kursziel 19 Euro. Dieses hat er nun deutlich gesenkt, auf 10,3 Euro. Diermeier rät nun nur noch dazu, die Beteiligung an dem Solarkonzern zu halten.

Wie der Experte der WGZ Bank erläutert, bleiben die vorläufigen Zahlen hinter seinen Erwartungen zurück. Sowohl beim Absatz als auch beim Umsatz habe er mehr erwartet, beim Ergebnis sogar „deutlich“ mehr. SolarWorld erreichte nach eigenen Angaben beim Quartalsabsatz ein Plus von 17 Prozent auf 315 Megawatt (MW). Der Umsatz kletterte den vorläufigen Berechnungen zufolge ebenfalls um 17 Prozent auf 212 Millionen Euro. Beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) schlug ein Minus von sechs Millionen Euro zu Buche, nach einem EBIT-Verlust von zehn Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Hier hatte Diermeier der SolarWorld AG jedoch die Rückkehr in die Gewinnzone zugetraut und sogar auf 12 Millionen Euro EBIT-Gewinn gehofft.

SolarWorld schreibt wohl auch in 2015 rote Zahlen

Eine weitere Enttäuschung erfuhr der Analyst beim Ausblick auf das Gesamtjahr. Hier stellt der Solarkonzern jetzt ein Gigawatt Absatz in Aussicht, 700 Millionen Euro Umsatz und erneut einen EBIT-Verlust. Bislang hatte die Führung von SolarWorld mit einem positiven EBIT in 2015 gerechnet. In 2014 war hier ein Minus von 44 Millionen Euro angefallen. Für die ersten neun Monate des laufenden Jahres verzeichnete das Unternehmen einen EBIT-Verlust von 18 Millionen Euro. Diesen Rückstand zu einer schwarzen Null kann es im letzten Vierteljahr wohl nicht mehr aufholen, auch wenn Diermeier ihm hier Verbesserungen „auf der Ergebnisebene“ zutraut. SolarWorld selbst strebt für das vierte Quartal einen Gewinn an.

Diermeier konstantiert , dass bei SolarWorld offenbar „die Fortschritte langsamer voranzugehen als von uns bisher unterstellt“. Der Analyst hat seine Gewinnerwartung deutlich gesenkt. Beim Ergebnis je Aktie von SolarWorld kalkuliert er jetzt mit einem Fehlbetrag in 2015 von 3,43 Euro. Demnach erwartet er hier einen doppelt so hohen Verlust als bisher von ihm angenommen. Zuvor hatte er einen Verlust je Aktie in 2015 von 1,60 Euro prognostiziert. Und Diermeier glaubt auch nicht mehr daran, dass SolarWorld bei dieser Bilanzposition in 2016 wieder schwarze Zahlen erreichen wird. Nachdem er bisher für das kommende Jahr einen Gewinn je Aktie von 1,57 vorhergesagt hatte, erwartet er nun für 2016 einen Verlust je Aktie von 0,14 Euro.

Keine nachhaltige Kurserhohlung für die SolarWorld-Aktie in Sicht
 
ECOreporter.de rät weiterhin dazu, die Aktie von SolarWorld zu verkaufen. Dass der Solarkonzern auch in 2015 wieder kein positives EBIT erreichen wird, dürfte das Vertrauen der Börsianer in das Unternehmen nachhaltig schwächen. Hinzu kommt, dass selbst das aktuell für Solarhersteller sehr günstige Marktumfeld mit einer enormen Nachfrage für SolarWorld nicht dazu ausreichte, wieder profitabel zu wirtschaften. Der Konzern hat eingeräumt, dass sich die angekündigten operativen Verbesserungen verzögert haben, mit denen er seine Kostenstruktur wesentlich verbessert wollte. Die werden zwar wohl demnächst greifen. Doch solche Verzögerungen vergrößen den ohnehin bereits riesigen Abstand zu den großen Wettbewerbern aus China und Nordamerika. Die verfügen über weitaus größere, kostengünstigere Produktionen und können sich dank guter Geschäfte frühzeitig dafür wappnen, dass in den USA ab 2017 Solarinvestments deutlich weniger gefördert werden als bislang. Dann wird sich der Wettbewerbsdruck in diesem für SolarWorld wichtigsten Absatzmarkt gewiss stark intensivieren.

Dies sind keine guten Aussichten für einen deutschen Solarkonzern, der sich eben erst von den Folgen seiner letzten Absatzkrise erholt hat. SolarWorld bewegt sich auf eine neue große Herausforderung zu. Deshalb spricht wenig für eine Stabilisierung des Aktienkurses und vieles dafür, dass der Anteilsschein auf mittlere Sicht sogar weiter an Wert verliert.

Hinzu kommt die Klage, die der Solarsiliziumhersteller Hemlock gegen SolarWorld angestrengt hat. Unterliegt der deutsche Solarkonzern in diesem Gerichtsverfahren, droht ihm eine hohe Geldstrafe. Darüber hatte heute „Der Aktionär“ berichtet und die mögliche Strafe mit bis zu 800 Millionen Dollar (inklusive Zinsen) beziffert. Wie von ECOreporter.de unter anderem im Juni bereits  berichtet  hat Hemlock SolarWorld in den Vereinigten Staaten mit dem Vorwurf verklagt, dass die Tochtergesellschaft Deutsche Solar GmbH gegen die Vereinbarungen eines langfristigen Liefervertrags mit Hemlock verstoßen habe. Der Streitwert liegt schon ohne seither angelaufene Zinsen bei 676 Millionen US-Dollar und damit höher als der Konzernumsatz, den der Bonner Solarkonzern in 2014 erwirtschaftet hat.

Die Deutsche Solar GmbH hatte 2014 die Abnahme von Hemlock-Silizium eingestellt, nachdem es ihr nicht gelungen war, Hemlock zu Nachverhandlungen über den Preis und Abnahmemenge zu bewegen. Wie nun bekannt wurde, hat ein Bundesgericht im US-Bundesstaat Michigan das Argument von SolarWorld zurückgewiesen, dass die Siliziumlieferverträge mit Hemlock gegen europäisches Kartellrecht verstoßen würden. „Der Aktionär“ hat in seinem Artikel von heute daraus den Schluss gezogen, dass SolarWorld in dem Rechtsstreit unterliegen und eine hohe Strafe sogar zur Pleite führen könnte. Daran glaubt WGZ-Experte Diermeier nicht. Er stellt dazu fest, dass es nicht im Interesse von Hemlock sein könne, den Solarkonzern in die Pleite zu treiben. Denn wenn es dazu käme, müsse er wohl seine Forderungen an SolarWorld abschreiben.

Der Interpretation, dass der Rechtsstreit mit Hemlock zur Pleite von SolarWorld führen könnte, ist auch der Vorstand von Solarworld entgegen getreten: „Die Teilentscheidung des Gerichts über Kartelleinwendungen ist kein Urteil, sondern betrifft lediglich eine von mehreren gleichwertigen Einwendungen gegen die Klage und ist prozesstechnischer Natur“, stellte er dazu klar. Der Solarkonzern sehe „keine höhere Risikoeinschätzung seit dem Prozessbeginn im März 2013“. Der Vorstand gehe davon aus, dass sich der Prozess noch über Jahre hinziehen werde und rechne weiter damit, sich noch mit Hemlock einigen zu können.

Aber selbst wenn Diermeier und der SolarWorld-Vorstand mit ihrer Einschätzung richtig liegen, gilt: Der Rechtsstreit und der unsichere Ausgang des Konfliktes wird den Aktienkurs von SolarWorld vorerst weiter belasten. Er steht damit einer nachhaltigen Kurserholung der Aktie entgegen.

SolarWorld AG: ISIN DE000A1YCMM2 / WKN A1YCMM
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