Die EthikBank hat iheren Hauptsitz in Eisenberg. / Quelle: Unternehmen

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Sozial, ethisch und ökologisch: Nachhaltigkeitsbanken – Deutschlands gute Geldinstitute: Die EthikBank

ECOreporter.de stellt Nachhaltigkeitsbanken in einer neuen Reihe vor. Bisher erschienen: Ein Portait der UmweltBank sowie ein Beitrag über ein Projekt, das die Bank finanziert. Hier und hier geht es zu den Beiträgen.

Teil 3: Die EthikBank in Eisenberg

Sie wollen eine Bank, die weder in Rüstung noch in Atomkraft investiert, die keine Kredite an Unternehmen vergibt, die Kinderarbeit zulassen oder Tierversuche für Kosmetika durchführen?

Doch, solche Banken gibt es. Um am liebsten würden Sie bei einer ganz normalen Volksbank bleiben. Nein, das geht natürlich nicht. Oder doch? Die Stadt Eisenberg liegt so dazwischen. Zwischen Jena und Gera in Thüringen, zwischen schön (Altstadt) und unauffällig (der Rest). Die örtliche Wirtschaft? Es gibt eine „Klavierbaumanufaktur“. Vor dem zweiten Weltkrieg und teilweise auch während der DDR-Jahre soll die Porzellanindustrie eine gewisse Bedeutung gehabt haben. Es geht also nicht schlecht und nicht supergut, sondern so dazwischen. Wenig überraschend, dass es in Eisenberg auch eine – wirklich nur eine – selbständige Bank gibt. Die Volksbank Eisenberg eG. Sie bietet alles, was man bei einer Volksbank erwartet. Und sie hat eine bemerkenswerte Tochter, die 2002 gegründete „EthikBank“. Das ist eine Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg, die ihre Kunden als Direktbank betreut, bundesweit. Und die EthikBank liegt, gemessen an der durchschnittlichen deutschen Bankenwelt, wirklich nicht nur dazwischen, wenn es um Nachhaltigkeit und Ethik geht, sondern in der Spitzengruppe.

So veröffentlicht die EthikBank auf ihrer Internetseite, in welche Wertpapiere sie die Einlagen ihrer Kunden investiert und für welche konkreten Zwecke sie Kredite vergibt. Prinzip der „gläsernen Bank“, nennt die EthikBank das. Sie zeigt, an welchen Unternehmen sie beteiligt ist, führt den Wert der Beteiligung und das Geschäftsmodell des Unternehmens auf. So erfährt der Kunde etwa, dass die EthikBank mit 210.000 Euro bei der BürgerEnergie Jena eG eingestiegen ist und diese Genossenschaft eine nachhaltige Energieversorgung der Stadt Jena anstrebt. Ferner kann man nachlesen, in welche Schuldverschreibungen und Pfandbriefe die EthikBank investiert. Obendrein erklärt sie in Kurzanalysen, warum die genannten Wertpapiere als nachhaltige Geldanlage in Frage kommen.


Auf ihrer Homepage erläutert die Bank zudem ausführlich ihre Ausschlusskriterien. Dazu zählen etwa Verstöße gegen Menschenrechte oder der Betrieb von Kohle- und Atomkraftkraftwerken. Auch die Spekulation mit Rohstoffen und Nahrungsmitteln ist für sie tabu. Ebenso stellt die Bank ihre Positivkriterien vor und die Arbeit der Nachhaltigkeitsrating-Agenturen, auf deren Analysen sie ihre Auswahl stützt. „Durch unsere Anlagepolitik wollen wir Einfluss auf einen grundlegenden Umbau des Gesellschafts- und Wirtschaftssystems nehmen und im Bewusstsein möglichst vieler Menschen etwas auslösen“, sagt Sylke Schröder, Vorstand der EthikBank und gleichzeitig Vorstand der Volksbank Eisenberg.


Jeannine Wiegand, nun Gruppenleiterin Kontoführung bei der EthikBank, schildert den wichtigsten Unterschied zu ihrem früheren Arbeitgeber so: „Alle arbeiten aktiv und intensiv. Unproduktivität wird nicht unterstützt, da dies aufgrund unserer Unternehmensgröße sofort bemerkt und nicht toleriert wird.“ Nicht zu vergessen sei der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit zwischen den Kollegen – gegenseitige Unterstützung und Achtung ließen ein gemeinsames Ziel bei der EthikBank einfacher erreichen, so Wiegand.

Jeder Kredit wird online transparent gemacht


Nach ihrer Gründung beschränkte sich die EthikBank zunächst auf ethisch-ökologische Geldanlagen und Girokonten. Seit 2007 vergibt sie auch nachhaltige Kredite. Das waren anfangs Kleinkredite für ökologische und soziale Projekte, seit 2009 unterstützt das Finanzinstitut aber auch beispielsweise mit ÖkoBaukrediten den Bau von Ökohäusern und energieeffizente Altbausanierungen. Online legt das Unternehmen jeden Kredit offen, nennt dabei die Darlehenssumme und wofür das Geld vorgesehen ist. Zudem veröffentlicht sie Kurzportraits von ausgewählten Kreditprojekten, um auch über die Idee dahinter zu informieren: Etwa darüber, dass eine kreditfinanzierte Solaranlage auch dazu dient, ein Elektroauto zu betanken.

Kunden können Zinsen für Förderprojekte spenden

Die EthikBank bietet ihren Kunden an, sich an sozialen oder ökologischen Förderprojekten zu beteiligen. Sie fördert je ein Ethik-, Frauen- und Umweltprojekt. Diese Projekte können Kunden der EthikBank fördern, indem sie freiwillig auf einen Teil ihrer Zinsen verzichten. Das Geld leitet die EthikBank dann an die Projekte weiter. „Trotz des niedrigen Zinsniveaus haben wir im Jahr 2013 rund 6.400 Euro mehr Zinsspenden an unsere Förderprojekte ausgegeben als im Jahr zuvor“, sagt Klaus Euler, Vorstand der EthikBank. „Das zeigt uns, dass unsere Kunden genauso hinter den Projekten stehen wie wir. Darüber sind wir froh und dankbar.“ Insgesamt floss den Förderprojekten 43.116 Euro zu, davon waren knapp 21.000 Euro Zinsspenden. Im Vorjahr kamen die Spenden auf rund 14.600 Euro. Die Summe wurde 2013 unter fünf Projekten aufgeteilt. Im zweiten Teil dieses Features stellen wir Ihnen ein Projekt der EthikBank im Detail vor: ein energieautarkes Haus.

Weitere Informationen rund um die EthikBank lesen Sie auch in diesem  Portrait (Link entfernt).

Im Fokus: die gute und die dunkle Seite der Finanzwelt

Was macht eigentlich mein Geld, wenn ich es einer Bank anvertraue? Dieser Frage ist die Nicht-Regierungsorganisation (NGO) 'urgewald' nachgegangen und hat ECOreporter.de damit beauftragt, in einer Broschüre darüber zu berichten, wofür nachhaltige Banken die Gelder ihrer Kunden einsetzen. Der Beitrag  stammt aus dieser Publikation. Darin werden außerdemn die GLS Bank, die UmweltBank und die Triodos Bank ausführlich vorgestellt. Die Broschüre enthält auch von ECOreporter.de verfasste Features von Kreditkunden dieser nachhaltigen Finanzinstitute. Darin erfährt man, welche nachhaltigen Projekte sie dank der Darlehen dieser „grünen“ Banken umsetzen konnten. Ferner widmet sich die Broschüre den Kirchenbanken, auch sie vergeben Kredite an nachhaltige Projekte und investieren nach sozial-ökologischen Grundsätzen. Näheres zu der gedruckten Publikation erfahren Sie   hier.

Bild: Die Broschüre ist bei Urgewald erhältlich.
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