Windkraftprojekt im Hunsrück. / Quelle: juwi

30.01.15 Erneuerbare Energie

Spektakuläres Wachstum der deutschen Windkraft in 2014

Für die deutsche Windkraft war 2014 ein Rekordjahr. In keinem Jahr zuvor wurde so viel Windkraftleistung neu errichtet. Das geht aus den Daten hervor, die die Deutsche WindGuard im Auftrag des Bundesverbandes Windenergie e.V. (BWE) und des Maschinenbauerverbandes VDMA Power Systems ermittelt hat. Demnach wurde 2014 eine neue Windkraftleistung von 4.750 Megawatt (MW) neu installiert, nach 2.998 MW im Vorjahr. Das ist ein Rekordzubau und entspricht einem Wachstum von 58 Prozent gegenüber 2013. Nur in einem Jahr, in 2002, waren zuvor in Deutschland Windräder mit zusammen mehr als 3.000 MW neu aufgestellt worden. Insgesamt drehten sich zum Jahresende 2014 in Deutschland 24.867 an Land errichtete Windräder mit einer Kapazität von 38.115 MW. Ergänzt um die Windkraftanlagen, die vor der deutschen Küste auf See (offshore) installiert wurden, beläuft sich die deutsche Windkraftkapazität damit auf 39.120 MW bzw. rund 39 Gigawatt (GW).  Hier  gelangen Sie zu einem Bericht über die Entwicklung der deutschen Offshore-Windkraft in 2014.


Von dem für 2014 gemeldeten Zubau abziehen muss man allerdings 544 Windturbinen mit etwa 364 Megawatt, die im vergangenen Jahr abgebaut und zum Teil durch neue, leistungsstärkere Anlagen ersetzt wurden. Rechnet man den Abbau und das so genannte Repowering mit ein, belief sich das Wachstum der Windkraft an Land in 2014 auf 4.386 Megawatt. Doch auch diese Summe liegt weit über dem Vorjahreswert. Lars Bondo Krogsgaard, Vorsitzender des Lenkungsgremiums Windenergieanlagen im VDMA, betonte bei der Präsentation der Marktzahlen die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung des Repowering: „Nicht nur beim Zubau und beim Abbau wurden im Jahr 2014 Rekordwerte erzielt, sondern auch im Ersatzanlagengeschäft mit weit über 1.000 Megawatt Leistung. Damit ist das Repowering ein Milliarden Euro Markt geworden“, so Krogsgaard.

Deutscher Zuwachs übertrifft den des Weltmarktes

Der VDMA-Vertreter wies darauf hin, dass der starke Zubau in Deutschland einher ging mit einem deutlichen Wachstum in internationalen Märkten. Dort könnten deutsche Unternehmen ihre bisherige Technologierführerschaft aber nur sichern, „wenn wir die Technik im deutschen Heimatmarkt dynamisch weiterentwickeln“, sagte Krogsgaard. Nach Einschätzungen von VDMA Power Systems wurden 2014 weltweit etwa 44.000 MW bzw. 44 GW Windkraftleistung an Land installiert, ein Anstieg von 31 Prozent gegenüber 2013 (33.658 MW) und damit weniger als das Plus des deutschen Marktes. Nach Berechnungen von Bloomberg Energy Finance für die vor Deutschland beiden weltweit größten Windmärkte legten die USA in 2014 4.700 MW zu und den chinesischen Markt auf 20.700 MW. „Der deutsche Markt liegt demnach bei der neu installierten Leistung auf Augenhöhe mit dem US-Markt und bei einem knappen Viertel des chinesischen Marktes. Leider bleiben diese Märkte aufgrund wechselnder Rahmenbedingungen in den USA und Abschottungstendenzen in China für die deutsche Windindustrie schwierig“, erläuterte Krogsgaard. Eine stabilere Entwicklung und gute Geschäftbasis für deutsche Firmen sehe er in den etablierten europäischen Kernmärkten. „Auch in boomenden Märkten wie der Türkei mit 800 Megawatt in 2014, Südafrika, Kanada mit 1.800 Megawatt, Mexiko oder den südamerikanischen Ländern können Hersteller aus Deutschland punkten“, ergänze er. Für 2015 sagte der VDMA-Vertreter in Deutschland einen starken Zubau auf einem Niveau von 3.500 bis 4.000 MW voraus. „Für 2016 sehen wir einen Marktrückgang, bleiben aber auf hohem Niveau“, so Krogsgaard.

Bundesländer beflügelten die Windkraftbranche

Laut Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie, hat vor allem das verstärkte Engagement vieler Bundesländer den Wachstumssprung der deutschen Windkraft ermöglicht. Etliche Landesregierungen hätten „die Chancen der Energiewende für die regionale Wertschöpfung schnell erkannt und beherzt genutzt“, so Albers. Auch der Eindruck der Reaktorkatastrophe in Fukushima in 2011 habe dazu geführt, dass diese Länder seither neue Flächen für die Nutzung der Windenergie an Land auswiesen. Allerdings gab es bei den Bundesländern große Unterschiede: So gingen in Schleswig-Holstein in 201 neue Windräder mit über 1.300 MW ans Netz, erreichte das zweitplatzierte Niedersachsen ein Plus von 627 MW, während die großen Flächenländer Sachsen und Baden-Württemberg nur rund 33 bzw. rund 19 MW zulegten.

Der Verbandschef übte bei der Präsentation der Zahlen aber auch Kritik an der Politik: „Die Tatsache, dass der Zubau so dynamisch erfolgt und damit auch über unseren Prognosen liegt, hängt allerdings auch an der Verunsicherung durch neue Abstandsregelungen in Bayern und die Debatten um das EEG. Ein kontinuierlicher und weniger sprunghafter Ausbau der Windenergie ist für die Industrie und die Energiewende, bei der Strom, Mobilität und Wärme zusammengedacht werden müssen, unerlässlich“, meinte Albers.

Bildhinweis: Montage eines Windrades für die ABO Wind AG. / Quelle: Unternehmen

Unsicherheit über die weiteren Förderbedingungen für deutsche Windkraft

Jan Hinrich Glahr, Vizepräsident des BWE, warnte vor einer möglichen Übertragung des Ausschreibungsmodells, das die Bundesregierung in dieser Woche für Solarprojekte beschlossen hat, auf die Windkraft zu übertragen (wir  berichteten  über den Beschluss). „Die Beschäftigten der Branche und die in den vielen Bürgerwindparkprojekten engagierten Menschen sehen mit großer Skepsis einen völligen Systemwechsel am Horizont. Es droht ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Wie sich Ausschreibungen angesichts immer längerer  und komplexer Planungsverfahren bewerkstelligen lassen, ist noch nicht erkennbar. Genau dies wäre allerdings unerlässlich um Planungs- und Investitionssicherheit zu behalten“, so Glahr dazu. Bei Wind an Land gebe es Erfahrungen in mehreren Ländern, die zeigten, dass die Ziele der Bundesregierung - Kosteneffizienz, Zielerreichung, Akteursvielfalt – mit einem Ausschreibungsmodell kaum zu erreichen seien. „Dies belegt sehr deutlich die von uns beauftragte Studie 'Ausschreibungsmodelle für Wind Onshore: Erfahrungen im Ausland'. Die Studie ist als kostenloser Download auf der Verbandsinternetseite für jedermann abrufbar", so Jan Hinrich Glahr, Vizepräsident des BWE.  Hier  gelangen Sie zu der genannten Studie.

Wann es im Bereich der deutschen Windkraft zu Ausschreibungen kommt und wie diese gestaltet werden, wird laut Lars Bondo Krogsgaard vom VDMA die Perspektive der Branche ab 2017 bestimmen. Er stellte dazu fest: „Wir wünschen uns eine sorgfältige Entwicklung des Systemwechsels hin zu einem Ausschreibungsverfahren mit klar definierten Übergangsfristen. Die Ausschreibungen und das neue Strommarktdesign müssen ein Erfolg werden. Etwas anderes können wir uns in Deutschland auch als globaler Technologieführer nicht leisten.“

Die Bundesregierung will mit den Photovoltaik-Pilotausschreibungen nach eigenen Angaben Erfahrungen mit diesem Modell sammeln. Wie Ausschreibungen in anderen Sparten der erneuerbaren Energien aussehen werden, ist noch offen. Im 2014 reformierten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde aber festgeschrieben, dass die Förderhöhe für Ökostrom spätestens ab 2017 grundsätzlich über Ausschreibungen ermittelt wird.

VDMA Power Systems und der BWE betonten bei der Präsentation, dass sich der deutliche Zubau der Windkraftleistung nicht auf die Strompreise auswirke. Die kostengünstige Windenergie an Land trage im Gegenteil dazu bei, dass Strom für Haushalte, Handwerk, Gewerbe und Industrie bezahlbar bleibe. Nach den Plänen der Bundesregierung soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung 2025 40 bis 45 Prozent und 2050 mindestens 80 Prozent betragen. Dies hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt am 14. Januar auf dem Neujahrsempfang des Bundesverbandes Erneuerbarer Energien unterstrichen. „Wir sichern der Bundesregierung das Erreichen dieser Ausbauziele zu“, so Hermann Albers und Lars Bondo Krogsgaard, „wenn der Ausbau der Windenergie kontinuierlich vorangeht“.
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