26.04.07 Aktientipps

Spreu und Weizen - Studie zu den Marktaussichten deutscher Solarwerte veröffentlicht

Wie lange wird in der Solarbranche noch ein Engpass bei der Rohstoffversorgung bestehen? Wie wird sich die Situation in diesem Jahr entwickeln? Wo liegen dabei die Chancen deutscher Solarunternehmen, wo die Risiken? Welche deutschen Solaraktien sind kurzfristig Erfolg versprechend? Welcher deutsche Solarwert wird in diesem Jahr voraussichtlich enttäuschen und warum? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt eine aktuelle Studie, die ECOreporter.de im Folgenden vorstellt:

Die in englischer Sprache verfasste Untersuchung mit dem Titel "Solar Silicon" wurde vom Equity Research der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG erarbeitet. Zu fünf deutschen Solarwerten sprechen die Experten des Düsseldorfer Bankhauses Empfehlungen aus: Centrosolar, Conergy, Phönix Sonnenstrom, SolarWorld und Wacker Chemie. Sie stützten diese neben Analysen der Unternehmen insbesondere auf ihre Einschätzung, dass der weltweite Solarmarkt auch in diesem Jahr noch von einem Engpass bei der Versorgung mit Silizium geprägt sein wird, dem wichtigsten Rohstoff der Branche. Ab 2008 werde sich die Versorgungslage bei für photovoltaische Anwendungen aufbereitetem Silizium dann allmählich entspannen. Ab 2009 könne aus dem "grauen Gold", als das es angesichts der gegenwärtigen Knappheit gelte, zu einem normal gehandelten Gut werden.

Die Autoren der Studie verweisen zum einen auf die Ankündigungen der führenden Silizium-Produzenten, ihre Kapazitäten zügig auszubauen. So habe die US-amerikanische Hemlock, weltweit größte Anbieterin von Polysilizium, eine Verdoppelung der Produktion in Aussicht gestellt. 19.000 Tonnen würden voraussichtlich schon 2009 erreicht, 36.000 Tonnen dann in 2012. Das Unternehmen aus dem Bundesstaat Michigan sichere diesen Ausbau der Kapazitäten dadurch ab, dass es ihre Kunden zu Vorauszahlungen verpflichte. Bei HSBC geht man davon aus, dass Hemlok angesichts der zu erwartenden weiter steigenden Nachfrage die Produktion sogar noch stärker ausbauen wird als bislang angekündigt.

Zum anderen, so heißt es in der HSBC-Studie, könnten schon bald größere Siliuziumkontingente über so genannte metallurgische Verfahren produziert werden. Daran arbeitet zum Beispiel die Berliner Solarvalue AG, deren Aktie in den letzten Wochen spektakuläre Zuwächse verzeichnete. Seit Anfang März hat sich deren Kurs mehr als vervierfacht. In ihrer neuen Produktionsstätte in Slowenien wollen die Berliner nach eigenen Angaben in diesem Jahr die ersten 850 Tonnen des halbmetallischen Rohstoffs für die Solarbranche produzieren, 2008 sollen es 4.400 Tonnen werden (wir berichteten über das Unternehmen und seine Pläne ausführlich im ECOreporter.de-Beitrag vom 11. April). Die Silizium-Produktion mit Hilfe des metallurgischen Verfahrens ist zwar noch kaum erprobt, laut Solarvalue aber deutlich kostengünstiger als die Produktion nach dem herkömmlichen, so genannten Siemens-Verfahren, wie es etwa von Hemlock und Wacker Chemie angewandt wird. HSBC traut es der Studie zufolge den Solarvalue-Konkurrenten Dow Corning und der norwegischen Elkem Solar am ehesten zu, in naher Zukunft in nennenswertem Umfang über metallurgische Verfahrens hergestelltes Silizium zu liefern.

Ein Großkunde von Elkem ist die Thalheimer Q-Cells AG. Sie hat mit den Norwegern laut eigenen Angaben vor wenigen Monaten einen Liefervertrag für metallurgisches Silizium abgeschlossen, wonach Elkem Solar neben einer Grundmenge von 800 Tonnen im Jahr 2008, 2.800 Tonnnen 2009 und jeweils 2.400 Tonnen in den Jahren 2010 bis 2018 liefern wird. Sofern Elkem Solar die Produktionskapazitäten weiter ausbaue, bestehe für Q-Cells darüber hinaus die Option auf eine zusätzliche Menge von bis zu 1.600 Tonnen im Jahr 2010 und zwischen 2.500 und 5.000 Tonnen in den folgenden Jahren der Vertragslaufzeit bis 2018. Die Gesamtmenge an Silizium, die im Rahmen des Vertrags geliefert werde, entspreche voraussichtlich einer Gesamtleistung der daraus produzierten Solarzellen von mehr als 10 Gigawatt Spitzenleistung, so Q-Cells.

Mit der Münchener Wacker Chemie AG hat HSBC ein Unternehmen für die Studie näher unter die Lupe genommen, das von dem enormen Nachfrageanstieg für Silizium durch die Solarbranche profitiert. Die hat 2006 sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag das bislang beste Ergebnis in der mehr als 90jährigen Geschichte des Unternehmens verzeichnet. Trotz erheblich gestiegener Rohstoff- und Energiekosten konnte der Münchner Chemiekonzern nach eigenen Angaben im letzten Jahr das Konzernergebnis nach Steuern mehr als verdoppeln und den Umsatz um 21 Prozent steigern. Der mit einer Jahresproduktion von 6.500 Tonnen in 2006 weltweit zweitgrößte Siliziumhersteller will bis 2009 die Kapazitäten auf 14.500 Tonnen ausbauen und hat laut HSBC schon jetzt 80 Prozent seiner Produktion bis 2015 über Langzeitverträge verkauft. Das Unternehmen besitze gegenüber seinen siliziumhungrigen Kunden weite eine sehr gute Verhandlungsposition, es könne weiter stabile Gewinne einfahren. Die Aktei von Wacker Chemie notiert gegenwärtig um 134 Euro, gegenüber einem Vorjahreswert von rund 110 Euro. HSBC sieht weiteres Potential und legte in der Studie ein Kursziel von 140 Euro für das Papier fest.

Doch auch wenn sich die Versorgungslage in den nächsten Jahren entspannen sollte: kurzfristig müssen sich die Solarunternehmen weiter auf einknappes Siliziumangebot einstellen. Wie in der Untersuchung von HSBC ausgeführt wird, wird es in diesem Jahr für Unternehmen nicht nur schwierig, sich zusätzlich mit dem Material einzudecken, sondern auch ausgesprochen teuer. Darunter wird laut den Experten zum Beispiel die Centrosolar AG leiden. Das Münchener Solarunternehmen hat laut der Studie statt in Vorauszahlungen an Siliziumproduzenten in Wachstum durch Übernahmen investiert. Das Management setze auf einen Niedergang der Preise für Solarzellen, doch der werde frühestens 2008 einsetzen. In diesem Jahr seien sogar steigende Preise zu erwarten. Schon die Geschäftszahlen für 2006 seien enttäuschend gewesen, mittelfristig sei von der Centrosolar-Aktie wenig zu erwarten. HSBC senkte das Kursziel für den Anteilsschein deutlich herab von 14,50 Euro auf 10,20 Euro. Er notiert aktuell um 10,60 Euro und kostet damit nur noch halb so viel wie im Mai letzten Jahres.

Eher skeptisch sind die HSBC-Experten auch bei der Hamburger Conergy AG. Deren ehrgeizige Wachstumspläne seien noch nicht ausreichend mit Lieferverträgen abgesichert. Für den Ausbau der Produktion, die demnächst von Solarwafern bis zu Solarmodulen reichen soll, seien für 2007 zwar schon 80 Prozent des benötigten Siliziums erworben. Doch für 2008/2009 seien noch keine Vertragsabschlüsse mit den Rohstoffproduzenten gemeldet worden. Immerhin könne Conergy darauf setzen, dass in diesem Zeitraum die Versorgungslage sich entspannen werde und man genug Silizium einkaufen könne. Doch obwohl auch HSBC davon ausgeht, dass die Hamburger ihre Wachstumspläne einhalten können, bewerten sie die Aktie aufgrund der unsicheren Rohstoffausstattung und einem möglicherweise verzögerten Anlauf der neuen Produktion In Frankfurt an der Oder lediglich neutral. Als Kursziel nennen die Autoren der Studie 55 Euro. Aktuell notiert das Papier leicht über 52 Euro.

Eine Kaufempfehlung spricht HSBC dagegen für den Primus der deutschen Solarunternehmen aus, die Bonner SolarWorld AG. Laut der Studie der Bank ist das Unternehmen nicht nur breit und damit sicher aufgestellt, weil es die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt. Es verfüge auch über ausreichend Silizium, um die für 2010 anvisierte Kapazitätserweiterung auf 1 Gigawatt zu erreichen. Das sei gewährleistet durch umfassende Lieferverträge mit Hemlock und Wacker, durch die Wiederaufbereitung von Silizium und durch die eigene Rohstoffproduktion im bestehenden Joint venture (Joint Solar Silicon GmbH) mit Degussa und dem neuen Gemeinschaftsprojekt mit der niederländischen Scheuten, das in einer Fertigungsstätte mit 1.000 Tonnen Jahreskapazität über metallurgische Verfahren Silizium produzieren soll. Die Autoren der Untersuchung bezeichnen die Aktie von SolarWorld als hervorragenden Wert, sie haben das Kursziel gleich deutlich erhöht, von 65 auf 80 Euro. Aktuell notiert der Anteilsschein nach einem kleinen Zwischentief unter 63 Euro. Denn Kurs belasten könnten laut HSBC eventuell auftretende Schwierigkeiten beim Ausbau des US-Geschäfts der SolarWorld. Auch verzichteten die Bonner auf einen Einsatz der Dünnschichttechnologie, weshalb ein Durchbruch bei diesem Verfahren zu Abschlägen für deren Papier führen könne (per Mausklick gelangen Sie zu einem Video-Interview von ECOreporter.de, in dem SolarWorld-Chef Frank Asbeck erläutert, wie er die Dünnschichttechnologie einschätzt).

Im Gegensatz dazu setzt die Phönix Sonnenstrom AG, die demnächst in Phoenix Solar Aktiengesellschaft umfirmieren will, stark auf dieses neue Verfahren. Laut der HSBC-Studie kann daher der Mangel an Silizium die Geschäfte des Unternehmens mit Sitz im bayrischen Sulzemoos kaum beeinträchtigen. Die von Phönix für ihre Projekte bevorzugten Dünnschichtmodule seien zwar weniger leistungsstark, dafür aber preisgünstiger und damit aus Sicht der Investoren von Solarprojekten ein Plus. Die Bayern würden die Module vor allem von First Solar und Mitsubishi Heavy Industries beziehen. Der Betreiber von Photovoltaik-Großkraftwerken und Fachgroßhändler für Sonnenstrom-Komplettanlagen, Solarmodule und Zubehör hat laut der Untersuchung mit den im März vorgelegten Zahlen für das Geschäftsjahr 2006 die Erwartungen von HSBC erfüllt. Das Kursziel von 20 Euro sei erreicht worden, weshalb man die Aktie nur noch mit neutral bewerte.

Centrosolar AG: ISIN DE0005148506 / WKN 514850
Conergy AG: ISIN DE0006040025 / WKN 604002
Phönix SonnenStrom AG: ISIN DE000A0BVU93 / WKN A0BVU9
SolarWorld AG: ISIN DE0005108401 / WKN 510840
Wacker Chemie AG: ISIN DE000WCH8881 / WKN WCH888

Bildhinweise:
Begehrter Rohstoff für die Solarproduktion: Silizium / Quelle: Wacker Chemie;
Solarzelle von Q-Cells / Quelle: Unternehmen;
Conergy-Produktion in Rangsdorf / Quelle: Unternehmen;
Referenzanlage der SolarWorld AG / Quelle: Unternehmen.
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