03.12.09 Erneuerbare Energie

“Staatliche Konjunkturprogramme haben wesentlich zur Stabilisierung der Märkte beigetragen ” – ECOreporter.de-Interview mit Matthias Fawer, Bank Sarasin

Die weltweiten Aktienmärkte sind in den vergangenen Monaten langsam aus der Schockstarre der Finanzkrise erwacht. Mit Matthias Fawer, Vizepräsident der Bank Sarasin Sustainable Investment in Basel, sprach ECOreporter.de vor diesem Hintergrund über die Risiken und Chancen aus den milliardenschweren staatlichen Konjunkturprogrammen, und die Erwartungen an die Weltklimakonferenz in Kopenhagen.


ECOreporter.de: Herr Fawer, Die Kurse von Aktien der Wind- und Solarbranche schwanken in den letzten Monaten gewaltig. Die durch die weltweite Finanzkrise ausgelöste Dynamik an den Märkten hat die Anleger tief verunsichert. Die Regierungen haben versucht, die Wirtschaft durch gewaltige Konjunkturprogramme zu stützen. Wie nachhaltig wirken sich diese Programme aus? Handelt es sich dabei nur um Strohfeuer, oder wird es gelingen, durch die Programme eine selbsttragende Entwicklung anzustoßen?
Matthias Fawer: Im Rahmen der Stimuluspakete haben weltweit dreizehn Nationen angekündigt, beträchtliche Summen aufzuwenden. Allein für den Bereich Clean Tech sind das 500 Milliarden US-Dollar. Nach unseren Recherchen sind davon mittlerweile 90 Milliarden Dollar eingesetzt. Es ist also noch beträchtlich Geld vorhanden. Die Wirkung der Programme sehen wir positiv, sie haben im laufenden Jahr wesentlich zur Stabilisierung der Märkte beigetragen. In der Solarbranche erwarten wir für 2009 beispielsweise ein Nullwachstum, ohne die Programme wäre es sicher zu größeren Ausfällen gekommen.

Die Märkte entspannen sich gegenwärtig. Jetzt wird die Finanzierung von Projekten wieder einfacher. Die Stimuluspakete könnten für Rückenwind bei einem möglichen Aufschwung sorgen. Das betrifft natürlich nicht nur den Bereich der Erneuerbaren Energien sondern auch Infrastrukturprojekte wie intelligente Netze und Ausbau der Stromnetze. Die staatlichen Programme sind sicher ein wichtiger Treiber für den gesamten Bereich.


ECOreporter.de: Wie wichtig ist die Klimakonferenz in Kopenhagen für die Erneuerbare-Energie-Branche? Was passiert, wenn die Konferenz scheitert?
Fawer: Da spielt viel Unsicherheit mit. Was heißt scheitern? Um das zu beurteilen, müsste man zunächst anschauen, was erwartet wird. Wir haben ein negatives und ein positives Szenario entwickelt. Das Negative (ich würde es nicht ‚Scheitern“ nennen): In Kopenhagen wird „nur“ eine Vereinbarung mit weniger verbindlichen Langfristzielen für 2050 verabschiedet. Es wird aber einen Fahrplan für zukünftige Verhandlungen geben. Dafür spricht unter anderem, dass Obama die Hände gebunden sind, da das Parlament in den USA die Klimagesetze noch nicht verabschiedet hat. Die Entwicklung würde dennoch weiter gehen, sie würde allerdings mehr Zeit brauchen.

Das positive Szenario sieht so aus: China, Europa und die USA einigen sich auf konkrete  bindende Reduktionsziele für 2020; möglicherweise über eine bilaterale Annäherung zwischen China und den USA. Je positiver das Ergebnis, desto stärker der Rückenwind für die Erneuerbaren Energien.

Da es aus den USA und China eher moderate Ankündigungen für die Klimakonferenz gab, sind die Erwartungen bereits etwas gedämpft. Andererseits ist klar, dass die Regierungschefs alle nach Kopenhagen wollen! Keiner mag der Spielverderber sein.

Unabhängig vom Ausgang der Konferenz bleibt festzuhalten: Es gibt immer mehr auch ökonomische Gründe für die Erneuerbaren Energien. Der Preis für Strom aus Solar- und Windkraft ist stark gefallen. Losgelöst von politischen Zielen und Einspeisevergütungen etablieren sich die Erneuerbaren Energien als ökologische UND wirtschaftliche Alternative. Diese Entwicklung wird zudem durch den Ölpreis unterstützt, wir erwarten, dass er wieder Richtung 100 Dollar laufen wird. Die International Energieagentur IEA prognostiziert einen Preis von 130 Dollar je Barrel in 2020.

ECOreporter.de: Herr Fawer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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