Ein US-Windpark mit Turbinen von Nordex. Der Windradhersteller schaffte trotz schwächerer Geschäfte in den Vereinigten Staaten die deutliche Rückkehr aus der Verlustzone. / Quelle: Unternehmen

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Starke vorläufige Zahlen beflügeln die Nordex-Aktie - lohnt sich der Einstieg noch?

Der Windradhersteller Nordex SE ist zurück in der Gewinnzone. Das zeigen die vorläufigen Zahlen, die das Unternehmen aus Hamburg heute für das Geschäftsjahr 2013 veröffentlicht hat. Zugleich gelang im Vergleich zum Vorjahr ein großer Umsatzsprung. Der Jahresumsatz lag mit 1,43 Milliarden Euro um 33 Prozent über dem Vorjahreswert. Und nach 61, 1 Millionen Euro Verlust vor Steuern und Zinsen (EBIT) in 2012 verbucht Nordex in der bislang nicht testierten Bilanz nun ein positives EBIT von 44,3 Millionen Euro. Damit wurde das obere Ende der Nordex-Prognose erreicht.

Der Windturbinenbauer erklärte diese Entwicklung unter anderem mit gute Geschäften im Wirtschaftsraum EMEA (Europa, Osteuropa, Afrika). Hier habe Nordex um den Umsatz um über 50 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro steigern können nach 869 Millionen Euro in 2012. Demgegenüber sei das US-Geschäft merklich zurückgegangen. Der Sprung zurück in die schwarzen Zahlen falle so groß aus, weil das Vorjahresergebnis durch einmalige Kosten im Zusammenhang mit der Restrukturierung von Nordex belastet gewesen sei, ergänzte der Vorstand. Positiv entwickelte sich auch das Neugeschäft. Den vorläufigen Zahlen zufolge erhielt Nordex neue Bestellungen im Wert von 1,5 Milliarden Euro: ein Rekord und ein Zugleich 19 Prozent mehr als 2012.

„Der geplante Turnaround ist uns im Geschäftsjahr 2013 gut gelungen. Jetzt kommt es darauf an, den Erfolg zu verstetigen und vor allem unser mittelfristiges Ziel - einer weiter steigenden Profitabilität - zu erreichen“, sagte Dr. Jürgen Zeschky, Vorstandschef von Nordex. Der endgültige Jahresabschluss sowie die Prognose für das laufende Jahr würden nach der Jahresabschlussprüfung am 24. März 2013 im Rahmen einer Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Main offengelegt.

Die starken vorläufigen Zahlen verschafften der Nordex-Aktie zum Start in den heutigen Handelstag Rückenwind. Um 9:00 notierte sie in Frankfurt bei 11,1 Euro. Das bedeutet einen Kursanstieg um knapp drei Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Jahressicht hat die Aktie des Windkraftanlagenherstellers 173 Prozent zugelegt. Der Anteilsschein bewegt sich damit wieder auf dem Niveau, das er Anfang 2010 erreicht hatte - vor dem zwischen zeitlichen Markteinbruch.

Hinter Nordex liegen drei Jahre mit einem vergleichsweise schwachen Wachstum des internationalen Windmarktes. Dazu trugen etliche Faktoren bei, etwa die Euro-Krise in Europa, Probleme beim Netzanschluss in China, dem vor den USA größten Windmarkt der Welt. In den Vereinigten Staaten wiederum war Ende 2012 ein wichtiges staatliches Förderinstrument für Windkraftinvestitionen ausgelaufen und erst zum Jahresbeginn 2013 verlängert worden. Das hatte dazu geführt, dass in den ersten Monaten des vergangenen Jahres kaum in neue Windenergieprojekte investiert worden war. Zudem hat sich die Produktion von Erdgas in den USA durch das so genannte Fracking so stark verbilligt, dass sich das Marktumfeld für Windenergie deutlich verschlechterte. So kam es, dass Nordex trotz einer Produktion in den Vereinigten Staaten dort immer weniger Geschäfte machen konnte.

Heute spielt der US-Markt für Nordex nur noch eine Nebenrolle - so wie auch der Heimatmarkt Deutschland. In der Bundesrepublik erzielen die Hamburger nur noch ein Zehntel der Erlöse. Daher würde es Nordex auch nicht allzu sehr belasten, wenn wie von der Großen Koalition angestrebt Einschnitte bei der WIndkraftförderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vornimmt. Das Unternehmen profititiert davon, dass die internationale Nachfrage für Windräder wieder zunimmt, etwa in neuen Märkten wie etwa im Wirtschaftsraum EMEA. In immer mehr Ländern unterstützen die Regierungen den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Allgemeinen und der Windkraft im Besonderen. Denn die Technik ist erprobt, die Anlagen sind sehr viel billiger geworden – im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen, für die nicht nur die Internationale Energieagentur (IEA) weitere Preisexplosionen erwartet – und viele Weltregionen bietet dafür gute natürliche Voraussetzungen. Der Weltwindkraftverband World Wind Energy Association (WWEA) geht davon aus, dass schon in 2016 die weltweit installierte Windkraftkapazität die Marke von 500 GW übersteigen wird. Ende 2013 waren weltweit Windkraftanlagen mit rund 320 GW installiert. Die WWEA erwartet also bis 2016 ein weltweites Wachstum von 44 Prozent. Und sie hält bis 2020 einen Zubau auf 1.000 GW für möglich.

Dennoch ist Nordex auf Dauer wohl zu klein, um im Markt der Windturbinenbauer zu bestehen. Bislang ist es den Hamburgern gelungen, sich mit Erfolg auf wenige aussichtreiche Märte zu konzentrieren und mit technologischer Kompetenz zu punkten. In Zukunft reicht das wohl nicht mehr.Die großen Konkurrenten können allein durch ihre höheren Produktionsmengen ihre Kosten leichter verringern und so Preisvorteile ausspielen. Umgekehrt könnten chinesische Akteure über Nordex Fuß in westlichen Märkten fassen und Knowhow einkaufen. Es spricht also manches für eine Übernahme von Nordex – durch einen Marktakteuer aus China. Trotz des Rückbaus der Produktion in der Volksrepublik verfügte Nordex über enge Geschäftsbeziehungen in die Volksrepublik. Chinesische Unternehmen würden mit der Übernahme an deutsches Windkraft-Knowhow gelangen und ihre Chancen in westlichen Absatzmärkten verbessern. Ähnliche Übernahmen haben Unternehmen aus China ja auch schon in anderen Technologiebranchen getätigt. Wenn sich die Aussicht auf eine solche Übernahme konkretisiert, dürfte das einen neuen Kurssprung auslösen. Für risikobereite Anleger könnte es sich also lohnen, trotz des starken Kursanstiegs der Nordex-Aktie in den Anteilsschein zu investieren.

Ähnlich sieht es Holger Fechner, Analyst der Nord LB. Er zeigt sich beeindruckt davon, dass es Nordex "trotz schwieriger Marktbedingungen" gelungen ist, die Kosten deutlich zu verringern. Er nimmt die "gute Geschäfts- und Auftragsentwicklung" des Unternehmens zum Anlass, die Nordex-Aktie zum Kauf zu empfehlen. Er traut ihm zu, in 2014 das EBIT auf 68 Millionen Euro zu steigern und den Umsatz auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Für 2015 sagt er sogar ein EBIT von 88 Millionen Euro voraus, bei einer weiter verbesserten Marge und einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Als Kursziel nennt Fechner 14 Euro.

Nordex SE: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D655
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