01.08.12 Erneuerbare Energie

Starker Ausbau der deutschen Windkraftkapazitäten - Zukunftsaussichten der Branche eingetrübt

Im ersten Halbjahr hat der Ausbau der deutschen Windkraftkapazitäten deutlich an Fahrt gewonnen. Von Januar bis Juni sind in Deutschland 414 Windenergieanlagen mit zusammen 1.004 Megawatt Leistung neu aufgestellt worden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Zuwachs um 207 Megawatt oder etwa 26 Prozent. Insgesamt waren Ende Juni 2012 in der Bundesrepublik 22.664 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 30.016 Megawatt installiert. Diese Zahlen ergab die aktuelle Herstellerbefragung der Deutschen WindGuard, die im Auftrag des Bundesverbandes WindEnergie e.V. (BWE) und VDMA Power Systems ermittelt wurden.

Für das erste Halbjahr 2012 wurden zehn Repoweringanlagen mit einer Leistung von rund 26 Megawatt und 15 abgebaute Anlagen mit einer Leistung von rund 8,7 Megawatt gemeldet. Bis Mitte 2012 wurden damit insgesamt erst etwa 460 Megawatt abgebaut und durch etwas über 1.000 Megawatt ersetzt. Die Befragung der Hersteller hat aber laut den Verbänden nicht alle abgebauten Anlagen und Repoweringanlagen erfasst. „Erhebungen über die Altersstruktur der Anlagen zeigen aber, dass ein großes Repoweringpotenzial vorhanden ist", erklärt dazu BWE-Präsident Hermann Albers. Es seien rund 13.750 Anlagen mit einer Leistung von etwa 12.000 Megawatt in Betrieb, die vor dem 01.01.2002 installiert wurden. „Diese Anlagen sind nach dem EEG 2012 repoweringfähig“, so Albers.

Weiter unter den hochgesteckten Erwartungen bleibt der Ausbau der Windkraft auf See – offshore. Im ersten Halbjahr 2012 gingen den Verbänden zufolge in deutschen Gewässern nur neun Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von zusammen 45 Megawatt in Betrieb. Immerhin befänden sich derzeit drei Offshore-Windparks in Bau. Bis zum Jahresende würden Projekte mit einer installierten Leistung von über 2.000 Megawatt und einem Investitionsvolumen von etwa 7,5 Milliarden Euro in der Bauphase sein. „Die Fragen zur Netzanbindung für diese und weitere Projekte werden hoffentlich mit dem dringend erwarteten Kabinettsentwurf geklärt. Für die zweite Welle der Offshore-Projekte mit zusammen 6.000 Megawatt muss aber auch die Eigenkapitalfrage bei dem zuständigen Netzbetreiber klar gestellt und der Masterplan für das Offshore-Netz ohne Brüche umgesetzt werden“, stellt dazu Thorsten Herdan fest, Geschäftsführer VDMA Power Systems.

Das Produktionsvolumen der deutschen Hersteller von Windenergieanlagen lag im Jahr 2011 bei etwa 5,96 Milliarden Euro, wie die beiden Verbände ermittelten. Der deutsche Markt habe mit 5,1 Prozent der Installationen und sechs Prozent der Investitionen nur noch einen kleinen Anteil am Weltmarkt. Beim Produktionsvolumen hingegen gehöre Deutschland mit 16 Prozent in einer Führungsposition.

Auf die Exportmärkte entfielen etwa 3,93 Milliarden Euro. Die Exportquote betrug damit im Jahr 2011 wieder rund 66 Prozent. Herdan: „International ist Deutschland trotz verschärftem Wettbewerb sehr gut aufgestellt und wird auch 2012 stark am wachsenden Weltmarkt partizipieren.“ Skeptisch blickt er jedoch nach vorne: „Die Aussichten für 2013 sind düster. Wir gehen davon aus, dass der europäische Markt zwar konstant bleibt, der US-amerikanische aber deutlich einbricht.“ Herdan geht ferner davon aus, dass chinesische Markt „weitgehend stabil bleibt, aber bei enormen Überkapazitäten der Hersteller vor Ort sehr schwierig.“
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