Sitz der DZ Bank AG in Frankfurt am Main, die vor allem für institutionelle Investoren im Bereich des nachhaltigen Investments aktiv ist. Laut der KPMG-Studie prägt deren Nachfrage diesen Markt. / Quelle: Unternehmen

01.04.15 Fonds / ETF

Starkes Wachstum der nachhaltigen Investmentfonds in Europa

Der europäische Markt der nachhaltigen Investmentfonds boomt. Vor allem institutionelle Investoren treiben seine Entwicklung voran. Doch das Wachstum verteilt sich auf die einzelnen Angebotssegmente sehr unterschiedlich. Das geht aus einer neuen Marktanalyse hervor.

Die in den europäischen nachhaltigen Investmentfonds verwalteten Anlagegelder stiegen zwischen 2012 und 2014 um jährlich durchschnittlich 25 Prozent auf 372 Milliarden Euro. Dies geht aus dem neusten European Responsible Investing Survey 2015 hervor, den die Beratungsgesellschaft KPMG im Auftrag des luxemburgischen Investmentfondsverbandes ALFI durchgeführt hat. Luxemburg ist der größte Fondsstandort in Europa und der Verband vertritt rund 1.300 Investmentfonds und Vermögensverwalter mit Sitz in dem Großherzogtum.

Der Studie zufolge entfiel von 372 Milliarden Euro mit rund 323 Milliarden Euro der Löwenanteil auf Nachhaltigkeitsfonds, die sektorübergreifend investieren, also nicht nur in nachhaltige Branchen. So kommen etwa für Nachhaltigkeitsfonds mit dem Best-in-class-Ansatz auch Ölkonzerne in Frage, so lange sie innerhalb ihrer Branche in Sachen Nachhaltigkeit weniger schlecht dastehen als die meisten anderen Akteure ihrer Branche. Wie KPMG ermittelt hat, sind 31,8 Milliarden in Umweltfonds angelegt, 10,7 Milliarden in sozial verantwortliche Fonds wie etwa Mikrofinanzfonds und 6,7 Milliarden in Ethik-Fonds, die sich zum Beispiel bei der Auswwahl der Investitionen an christlicher Ethik ausrichten.

Jane Wilkinson, Partner und Head of Sustainability bei KPMG Luxemburg, sagt zur Studie: „Es ist erfreulich zu sehen, wie die Ergebnisse unserer Erhebung Wachstum und Dynamik dieses Sektors widerspiegeln. Wir entdeckten eine Reihe innovativer Produkte und vielversprechender Chancen, wie beispielsweise ‚grüne‘ und soziale Anleihen. Es ist klar, dass Vermögensverwalter dieses Marktsegment heute nicht mehr ignorieren können. Sie müssen auf Fragen ihrer Stakeholder rund um dieses Thema vorbereitet sein. Wenn sie es versäumen, sich auf diese Fragen vorzubereiten und passende Antworten auszuarbeiten, riskieren sie, Chancen zu verpassen und Geschäft zu verlieren.“ Was die künftige Entwicklung anbetrifft, so sagt Wilkinson voraus, dass die Einfachheit der Anlageprodukte, ihre Transparenz und Flexibilität für die Investoren „genauso wichtig“ sein werden wie deren Finanzergebnisse. Ein Problem bestehe aber weiter darin, dass es keine einheitliche Definition verantwortungsbewussten Investierens gebe.

„Verantwortungsbewusstes Investieren wird immer populärer“, stellt auch Anouk Agnes fest, stellvertretende Generaldirektorin von ALFI. „Mit der wachsenden Nachfrage von Kunden, die in Unternehmen, Organisationen und Fonds investieren und dabei nicht nur finanzielle Erträge erwirtschaften, sondern auch einen messbaren sozialen und ökologischen Nutzen sicherstellen wollen, erweitert die Asset-Management-Industrie zunehmend ihre Produktpalette.“ Längst beschränke sich das Angebot nicht nur auf Fonds, die ökologische und soziale Aspekte sowie Corporate Governance berücksichtigen. Vermehrt gebe es auch spezifische Anlageprodukte wie beispielsweise Mikrofinanzfonds, die Darlehen an Mikrofinanzinstitute vergeben, damit diese es mit Kleinkrediten ermöglichen, dass sich Menschen in armen Weltegegenden eine selbständige wirtschaftliche Existenz aufbauen (wir haben erst vor kurzem über einen neuen Mikrofinanzfonds  berichtet, in den auch Privatanlager investieren können).

Institutionelle Investoren prägen den Markt

Laut Agnes trägt insbesondere das ständig wachsende Interesse von institutionellen Investoren dazu bei, dass sich verantwortungsbewusstes Investieren „von einem Nischenmarkt hin zu einer gängigen Praxis“ entwickelt. So handle es sich bei den meisten nachhaltigen Investoren um Versicherungsgesellschaften oder Pensionsfonds, die tausenden von Mitgliedern Rechenschaft über die langfristige Anlage ihrer Ersparnisse schuldig seien. Viele dieser Organisationen hätten sich zur Einhaltung der Principles for Responsible Investment (PRI, Prinzipien für nachhaltiges Investieren) der Vereinten Nationen verpflichtet und würden nun von ihren Vermögensverwaltern erwarten, dass sie dem nachkommen.

Anouk Agnes geht davon aus, dass die Nachfrage für nachhaltige Investmentfonds weiter steigen wird: „Verantwortungsbewusstes Investieren ist schon heute auf Einfachheit, Transparenz, Ehrlichkeit und Integrität ausgerichtet. Es dürfte daher künftigen Anlegergenerationen zusagen, die heute schon umwelt- und sozialbewusster agieren. Bis 2030 wird sich verantwortungsbewusstes Investieren auch bei den Kleinanlegern immer mehr durchsetzen. Fondsmanager sollten sich der damit verbundenen Chancen bewusst sein und ihr Geschäft auf eine solide ‚verantwortungsbewusste‘ Grundlage stellen.“

Die Studie mit dem Titel „European Responsible Investing Survey 2015“ können Sie  hier  herunterladen.
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