Kreditsachbearbeiter eines Mikrofinanzinstituts aus Bolivien auf dem Weg zum Kundengespräch. Mikrofinanzfonds stellen Mikrofinanzinstituten aus armen Weltgegenden Kapital zur Verfügung, damit diese Mikrokredite ausgeben können. Mikrokreditkunden können damit ein Kleinstunternehmen aufbauen, absichern oder erweitern. / Foto: Bank im Bistum Essen (BiB)

17.07.17 Fonds / ETF

Starkes Wachstum von Mikrofinanzfonds im 1. Halbjahr

Die Mikrofinanzfonds auf dem deutschen Markt haben sich im ersten Halbjahr solide entwickelt und ihr Volumen weiter ausgebaut.

In vier Mikrofinanzfonds können deutsche Privatanleger investieren. Mikrofinanzfonds sind ein soziales Investment. Sie sammeln bei Anlegern Kapital, um in armen Weltgegenden Mikrokredite zu finanzieren. Das sind Darlehen an Kleinstunternehmer, die sich damit eine wirtschaftliche Existenz aufbauen und aus der Armut herausarbeiten können (mehr darüber erfahren Sie in unserer Übersichtsseite GUT ERKLÄRT zur Mikrofinanz (Link entfernt)).

Volumen des Dual Return Fund - Vision Microfinance in einem Jahr verdoppelt

Von Jahresbeginn bis Ende Juni hat der Dual Return Fund - Vision Microfinance von C-Quadrat 0,53 Prozent an Wert gewonnen. Hochgerechnet auf ein Jahr ist er damit auf dem Weg, etwas mehr als ein Prozent im Jahr 2017 zuzulegen. Das wäre deutlich weniger als dieser Mikrofinanzfonds bisher pro Jahr an Wert gewonnen hat.

Der in 2006 aufgelegte Dual Return Fund - Vision Microfinance ist der älteste Mikrofinanzfonds auf dem deutschen Markt, auf dem er aber erst seit Ende Mai 2016 zum Vertrieb zugelassen ist. Pro Jahr hat er seither im Schnitt über 2 Prozent an Wert gewonnen. Doch seit der Zulassung in Deutschland ist der Fonds sehr stark gewachsen. Sein Fondsvolumen hat sich seither mehr als verdoppelt und betrug Ende Juni 478 Millionen Euro. Das Fondsmanagement schafft es nicht, so viel mehr Geld in kurzer Zeit sinnvoll zu investieren.

Mikrofinanzfonds verleihen Kapital an Mikrofinanzinstitute vor Ort, die damit Mikrokredite refinanzieren können, die sie ausgeben. Vor einem Investment muss geprüft werden, wie professionell ein Mikrofinanzinstitut arbeitet und ob es seine Kunden auch fair behandelt, unter anderem ob es sie umfassend berät und angemessene Zinsen verlangt.

Solche Prüfungen aber kosten Zeit. Daher hält der Dual Return Fund - Vision Microfinance mit über 13 Prozent einen großen Teil des Fondsvermögens als Barmittel, die nicht zur Rendite beitragen können. Nach welchen Grundsätzen dieser Fonds arbeitet, wie nachhaltig er ist und wie er in Bezug auf finanzielle Aspekte dasteht, das erfahren Sie im  ECOfondstest vom Juni 2017, in dem wir die vier Mikrofinanzfonds unter die Lupe genommen haben. Die  Einzelanalyse des Dual Return Fund - Vision Microfinance lesen Sie hier.

Rasantes Wachstum auch beim IIV Mikrofinanzfonds  

Der IIV Mikrofinanzfonds wurde im Herbst 2011 aufgelegt. Dieser Mikrofinanzfonds der Invest in Visions aus Frankfurt (dafür steht das IIV im Fondsnamen) ist ebenfalls auf Wachstumskurs. Sie musste in 2016 den Fonds sogar für einige Monate schließen und das Fondsmanagement ausbauen, um den starken Zufluss von Kapital in geordnete Bahnen und sinnvoll anlegen zu können.

Laut dem jüngsten Monatsbericht für den Juni verfügt der IIV Mikrofinanzfonds  über ein Volumen von 449 Millionen Euro – vor einem Jahr waren es noch unter 250 Millionen Euro gewesen. Obwohl er deutlich jünger ist als der Dual Return Fund - Vision Microfinance ist er also fast so groß wie dieser. Allerdings sind derzeit nur zwei Drittel des Fondsvermögens investiert. Der IIV Mikrofinanzfonds  hat im ersten Halbjahr 0,78 Prozent an Wert gewonnen. Seit seinem Start verzeichnete er pro Jahr im Schnitt einen Wertzuwachs von 2,3 Prozent. Die  Einzelanalyse des IIV Mikrofinanzfonds lesen Sie hier.

Der KCD Mikrofinanzfonds – III liegt bei den Jahresgesamtkosten vorn

Den KCD Mikrofinanzfonds – III hat die Bank im Bistum Essen (BIB) Anfang 2015 gestartet. Seither hat er bis Ende Juni 5,1 Prozent zugelegt. Im ersten Halbjahr erreichte der Fonds ein Plus von 0,86 Prozent. Die katholische Kirchenbank ist selbst seit vielen Jahren im Bereich Mikrofinanz engagiert und investiert. Ihre Experten managen den Fonds und haben dabei ebenfalls mit einem enormen Zufluss des Anlegerkapitals zu kämpfen. Das Volumen des  KCD Mikrofinanzfonds – III summierte sich Ende Juni auf 57,6 Millionen Euro. Es war zu 82 Prozent investiert.

Der Fonds der BiB hat die geringsten Jahresgesamtkosten der vier  Mikrofinanzfonds auf dem deutschen Markt. Seine Total Expense Ratio (TER) beträgt nur 1,72 Prozent. Für den Dual Return Fund - Vision Microfinance fallen pro Jahr 1,85 Prozent an, für den IIV Mikrofinanzfonds  1,04 Prozent. Die GLS Bank verlang für ihren Mikrofinanzfonds eine TER von 2,12 Prozent pro Jahr. Die  Einzelanalyse des KCD Mikrofinanzfonds – III lesen Sie hier.

GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds mit größten Halbjahres-Plus

Der GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds ist der jüngste deutsche Mikrofinanzfonds. Die GS Bank hat ihn erst im Dezember 2015 aufgelegt, Privatanleger können erst seit einem Jahr in den Fonds investieren. Dennoch hat er bereits ein Volumen von 69,3 Millionen Euro aufgebaut. Er ist also noch schneller gewachsen als der fast ein Jahr ältere KCD Mikrofinanzfonds – III, den die nachhaltige Bank aus Bochum ebenfalls im Angebot hat. Der GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds  zeigte im ersten Halbjahr mit 1,12 Prozent Plus die stärkste Wertsteigerung aller vier Mikrofinanzfonds.

In den 1,5 Jahren seit dem Fondsstart hat er allerdings nur 3,1 Prozent zugelegt. Auch hier bremst der starke Anstieg des Volumens die Möglichkeit, das Kapital zügig vollständig zu investieren. Der Fonds hatte Ende Juni rund 28 Prozent des Fondsvermögens noch nicht an Mikrofinanzinstitute ausleihen können. Der Mikrofinanzfonds der GLS Bank ist im Vergleich zu den anderen Mikrofinanzfonds sehr stark in Südosteuropa aktiv, also etwa in Albanien und im Kosovo. In Mikrofinanzinstitute aus dieser Region ist er zu 29 Prozent investiert.  Die  Einzelanalyse des GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds  lesen Sie hier.

Bildhinweis: Diese Imkerei in Bosnien wurde mit einem Mikrokredit eines Mikrofinanzinstitutes unterstützt, dem der GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds Kapital zur Verfügung gestellt hat. / Foto: GLS Bank
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