22.02.11 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Startet Q-Cells weiter durch? - Vorstandschef und Analysten zuversichtlich

Der Solarkonzern Q-Cells SE hat 2010 seine Prognosen erfüllt und damit endgültig die Trendwende geschafft. Das hat Vorstandschef Nedim Cen heute in einer Konferenz mit Journalisten erklärt. Ihm zufolge hat das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen im vergangenen Jahr einen Umsatzrekord erzielt. Die Erlöse stiegen gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Nach einem operativen Verlust von über 362 Millionen Euro in 2009 verbuchte Q-Cells nun einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 82,3 Millionen Euro. Cen hatte vor Monaten ein EBIT von 75 bis 80 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Umsatz im vierten Quartal 2010 lag mit insgesamt 387 Millionen Euro um 54 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals. Einem EBIT-Verlust von über 212 Millionen Euro stand im Abschlussquartal 2010 ein Plus von 27,7 Millionen Euro gegenüber.

Der Vorstandsvorsitzende führte die Zuwächse vor allem auf die Umstrukturierung im vergangenen Jahr zurück. Man sei beim Umbau des Unternehmens von einem Solarzellenhersteller hin zu einem internationalen Anbieter von Photovoltaik-Lösungen auf einem guten Weg. So habe etwa der Ausbau des Modulgeschäfts und des Systemgeschäfts für Anlagen mittlerer Größe schon in 2010 einen wichtigen Beitrag geleistet. Die neu aufgenommenen Geschäftsfelder trugen ihm zufolge 27 Prozent zum Jahresumsatz bei.

Zudem hat Q-Cells im Jahr 2010 einen Produktionsrekord aufgestellt. Sie produzierte erstmals mehr als 1 Gigawatt peak (GWp) Solarzellen und Module. Im Vergleich zum  Vorjahr stieg die Produktion um 84 Prozent auf 1.014 GWp. Dabei entfielen 940 Megawattt peak (MWp) auf Solarzellen und 74 MWp auf Dünnschichtmodule. Darüber hinaus fertigte Q-Cells zusammen mit internationalen Partnern kristalline Solarmodule mit einer Kapazität  von insgesamt 400 MWp. Laut Cen hat das Unternehmen seine Produktionskapazitäten im Jahresverlauf auf insgesamt  1,3 GWp ausgebaut. Die Produktionskapazitäten im Modulgeschäft wolle Q-Cells 2011 noch erweitern.

„Das Jahr 2011 wird deutlich anspruchsvoller werde“, stellte Cen klar. Er verwies auf die Kürzungen der Solarstromvergütungen in wichtigen Absatzmärkten wie Deutschland. Wie auch die Wettbewerber sei Q-Cells gezwungen, über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg die Kosten weiter zu verringern. Zudem müsse sein Unternehmen weiter das Auslandsgeschäft stärken. Der Konzern sei bereits in 15 Ländern weltweit präsent, die insgesamt über 80 Prozent des  Weltmarktvolumens für Photovoltaik ausmachen. In den Kernmärkten Frankreich und Italien sei 2010 das Engagement verstärkt worden und zudem der Einstieg in den nordamerikanischen Markt gelungen. Zudem habe Q-Cells Länderbüros in Australien, Indien und Großbritannien gegründet.

Im Gesamtjahr 2010 hatte der Solarkonzern eine Auslandsquote von rund 50 Prozent erreicht. „Übers Jahr hinweg haben wir sie bereits deutlich erhöht“, so der Vorstandschef. Ihm zufolge betrug sie im 4. Quartal bereits 67 Prozent, nachdem sie im 1. Quartal noch bei 33 Prozent gelegen hatte. Allerdings warnte Cen vor zu großen Erwartungen in den neu erschlossenen Märkten wie Kanada und die USA. In jungen Märkten sei das Geschäft weitaus mühsamer als in einem etablierten Markt wie etwa Deutschland oder Italien.

Insgesamt geht Cen davon aus, das der weltweite Photovoltaikmarkt in 2011 weiter wächst, aber nur wenig. Der deutsche Solarmarkt werde beim Ausbau der Kapazitäten nicht wieder die Rekordmarke von 2010 erreichen, aber auch nicht sehr deutlich darunter bleiben. Er rechne mit einer „soliden Marktentwicklung“, so der Vorstandschef. Die vom Bundeskabinett angestrebte Regelung, eine weitere Kürzung der Solarstromtarife zur Jahresmitte vom Ausbau im Frühjahr abhängig zu machen, sei „in Ordnung“. Weitere Stellungnahme zur Diskussion über die Photovoltaikförderung lehnte er ebenso ab wie Aussagen zur weiteren Geschäftsentwicklung seines Unternehmens. Eine Prognose für das Geschäftsjahr 2011 werde er bei der Vorlage der offiziellen Bilanz für 2010 im März bekannt geben.

Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden hat Q-Cells mit den Finanzierungsmaßnahmen im September 2010 das Unternehmen seine mittelfristige Liquidität gesichert. Das eröffne ihm Spielraum für die internationale Expansion. Die Eigenkapitalquote des Unternehmens sei auf insgesamt 41 Prozent gestiegen. Die liquiden Mittel erhöhten sich laut Cen im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 474 Millionen Euro. Die Finanzverbindlichkeiten seien um mehr als ein Viertel auf rund 804 Millionen Euro gesunken. Im vierten Quartal 2010 habe sich die Nettoverschuldung von Q-Cells auf 330 Millionen Euro mehr als halbiert.

Die Börsianer reagierten heute auf den ersten Blick enttäuscht auf die vorgelegten Zahlen. Die Aktie von Q-Cells verlor bis 11:15 Uhr im XETRA um 6,5 Prozent auf 3,1 Euro an Wert. Allerdings spricht vieles dafür, dass vor allem Gewinnmitnahmen die Aktie unter Druck gesetzt haben. Denn der Kurs war in den letzten drei Monaten um rund 50 Prozent gestiegen. Viele Anteilseigner haben heute offenbar den Wertzuwachs versilbert. Die Analysten der WGZ Bank sehen noch weiteres Kurspotential für die Aktie. Sie nennen als Kursziel 3,50 Euro. Sie loben die Verbesserung der Bilanzkennzahlen und raten, den Anteilsschein zu halten. Bisher hatten sie zum Verkauf geraten.

Auch die Analysten der WestLB nennen 3,50 Euro als Kursziel für die Aktie und heben die positive Entwicklung der Q-Cells-Bilanz hervor. Nach ihrer Einschätzung hat das Unternehmen bei der weiteren Geschäftsentwicklung das Potential, „positiv zu überraschen“. Daher rät die WestLB zum Kauf des Wertpapiers. Die Experten beider Banken rechen damit, dass Q-Cells in 2011 beim Umsatz und Gewinn weiter deutlich zulegen wird.

Q-Cells SE: ISIN DE0005558662 /WKN 555866

Bildhinweis: Photovoltaik-Projekt von Q-Cells. / Quelle: Unternhemen
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