Hanf wird schon seit vielen Jahrhunderten als Werkstoff eingesetzt. Die HempAge bietet Textilien an, die aus Hanffasern gefertigt werden. / Quelle: Fotolia

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Stehaufmännchen – Hanfspezialistin HempAge AG will neu durchstarten

Das englische Wort Hemp steht für Hanf, bekannt auch als Cannabis nach ihrem botanischen Namen cannabis sativa. Diese alte Kulturpflanze wurde von Menschen über viele Jahrhunderte nicht nur als Grundlage von Lebensmitteln und als Medizin eingesetzt sowie zur Produktion von Papier. Die robuste und widerstandsfähige Hanffaser eignete sich auch hervorragend, um Seile, Schnüre, Taue und Segel zu fertigen. Die HempAge AG aus dem fränkischen Adelsdorf setzt auf Hanf als Rohstoff für die Produktion von Textilien. "Es gibt keinen anderen nachwachsenden Rohstoff mit ähnlichem Potential", sagt dazu Robert Hertel, Vorstand (CEO) des Unternehmens. "Wir behalten natürlich auch andere Nachwachsende Rohstoffe im Auge - insbesondere im Faserbereich. Aber auch hier kommen wir mit wachsendem Wissen und Erfahrung stets zu dem Ergebnis, dass Hanf unter Abwägung aller Umstände die bessere Alternative ist."

Ende der 1990er Jahre war das Unternehmen mit dem Ziel gegründet worden, ökologische Textilien "fair herzustellen und zu vertreiben", wie Hertel erläutert. Seither hat die HempAge AG etliche teils existenzbedrohende Krisen überstehen müssen, stand 2004 nach dem Ausfall von Lieferungen kurz vor der Überschuldung und hatte 2011 als eine Folge der Arcandor-Pleite mit dessen Tochter Hess Natur den wichtigsten Abnehmer verloren, als diese den Besitzer wechselte. Über das Naturtextilienversandhaus hatte die HempAge AG damals etwa ein Drittel ihres Umsatzes erlöst. Doch schnell gelang es dem Unternehmen, seine Kundenbasis zu verbreitern. Heute besteht diese aus kleinen und mittleren Ladengeschäften, Versandhäusern und Internetshops. Wichtigstes Vertriebsinstrument ist der Katalog, der die aktuelle Kollektion präsentiert. "Ansonsten sind wir nur auf kleinen Spezialmessen wie der InNaTex in Wallau oder der Ethical Fashion show in Berlin zu finden", erläutert Hertel.

Für die nahe Zukunft strebt der Vorstand für die Gesellschaft ein "Wachstum im unteren bis mittleren zweistelligen Bereich" an. "Hier besteht aber auch ungenutztes Potential in Form weiterer Messen, Werbemaßnahmen und Kooperationen, welche wir bis dato nicht ausschöpfen", so Hertel. Der Einstieg eines neuen Investors soll hierbei helfen. Hierbei handelt es sich um den chinesischen Hauptlieferanten von HempAge. Dieser hält laut Hertel zehn Prozent der Anteile und würde diesen Anteil auf Wunsch des Unternehmens auch anheben. Er wolle sich auch an einem Gemeinschaftsunternehmen von HempAge in der Volksrepublik zur Hanffaserproduktion beteiligen. Die Aktionäre des Unternehmens setzen sich aus einer Vielzahl von Einzelaktionären aus dem Umfeld der HempAge zusammen. Am 19. August findet die nächste Hauptversammlung des Unternehmens statt. Sie soll den Weg für Kapitalerhöhungen und dadurch finanziertes Wachstum frei machen.

Hertel blickt zuversichtlich nach vorne: "Während wir in Europa mittelfristig weiterwachsen können, liegt noch gewaltiges Potential in den USA und China, das wir ausschöpfen können, sobald wir dafür die Voraussetzungen geschaffen haben". Die räumliche Beschränkung am Firmensitz in Franken sei derzeit der größte Hemmschuh für ein nachhaltiges Wachstum der HempAge AG. Mit den angestrebten Kapitalerhöhungen sei ein Neubau von Lager und Büro möglich, der mit einem 20prozentigen Eigenkapitalanteil zinsgünstig auf 20 Jahre finanziert werden könne. Die angestrebte Erweiterung des Warenlagers sei dann die Voraussetzung, der steigenden Nachfrage auch in Zukunft nachkommen zu können.

Die Kapitalerhöhung soll in zwei Stufen durchgeführt werden. Zunächst werde allen Altaktionären die Möglichkeit gegeben, sich unter Wahrung des Bezugsrechts zu zeichnen, so Hertel, und erklärt weiter: "Da vermutlich nicht jeder Aktionär so kurzfristig Kapital verfügbar hat, planen wir im Anschluss daran eine weitere Kapitalerhöhung an ausgewählte Interessenten. Bis die Voraussetzungen geschaffen sind, werden wir unser Sortiment zwar weiterhin aktualisieren, aber hinsichtlich des Umfangs nicht weiter vergrößern. Zudem werden wir weiterhin gezielt Absatzmöglichkeiten erschließen, die unsere Lagerhaltung nicht weiter belasten. Dazu zählt vor allem die klassische Vororder im Modebereich, aber auch Märkte in Übersee, welche direkt ab China beliefert werden. Dies geschah in diesem Jahr erstmals in Russland. Im Fokus liegen dabei als nächstes Kanada und die USA."

Der Umsatz des Unternehmens belief sich im letzten Jahr erstmals auf über 1,4 Millionen Euro. Für das laufende Jahr beziffert der Vorstand das Umsatzwachstum mit 45 Prozent. "Für das laufende Jahr rechnen wir gleichzeitig wieder mit erhöhtem Gewinn durch die sich inzwischen niederschlagenden Einsparungen. Insgesamt erwarten wir für 2013 eine Ergebnissteigerung auf ca. 150.000 Euro vor Zinsen und Steuern (EBIT)", sagt Hertel.

Einen positiven Einfluss auf diese Entwicklung der Gesellschaft misst der Vorstand deren Beitritt zur „FairWearFoundation“ (FWF) bei. Für HempAge wird der Rohstoff Hanf in der chinesischen Provinz Shanxi produziert und verarbeitet, dann bei Betrieben in der Provinz Shangdong weiterverarbeitet. „Vor allem weil viele Verbraucher „Made in China“ Produkte als zweitklassig ansehen, wollten wir durch unabhängige Dritte bestätigt wissen, dass wir durch unseren chinesischen Lieferanten sehr wohl sozial verantwortungsbewusst produzieren können“, so Hertel. „Dass wir als eine von sehr wenigen Modemarken heute das FWFLogo auf unseren Hangtags an jedem Kleidungsstück anbringen dürfen, hat uns sehr geholfen, gegen die allgemeinen Vorurteile erfolgreich zu agieren“.

HempAge AG: WKN 600890
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