Seit 2012 in Deutschland ein immer selteneres Bild: der Bau einer Biogasanlage. Foto: MT-Energie GmbH

  Erneuerbare Energie

Steht Deutschlands Biogasmarkt vor dem Kollaps?

Der Fachverband Biogas schlägt Alarm: Der Bau neuer Biogasanlagen in 2014 soll einer aktuellen Studie des Branchenverbandes zufolge dramatisch einbrechen – ja sogar praktisch zum Erliegen kommen. Den Einschnitten beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Bereich Biogas räumt der Verband eine Mitschuld an der Entwicklung ein.

In 2012 wurde laut dem Branchenverband Biogasanlagen mit einer Stromkapazität von 255 Megawatt (MW) neu installiert. 2013 waren nach seiner Hochrechnung nur noch 191 MW. Das entspricht einem Rückgang um 25 Prozent und die Tendenz ist dem Verband zufolge weiter rapide fallend: Für das gesamte Jahr 2014 prognostiziert seine Expertenbefragung ganze 37 MW neu installierte Biogas-Stromkapazität. Das wäre eine Einbruch um beinahe 81 Prozent.

„Noch nie seit Inkrafttreten des EEG im Jahr 2000 sind weniger neue Biogasanlagen ans Netz gegangen“, sagt Manuel Maciejczyk, Geschäftsführer im Fachverband Biogas. „Biogas geht ganz klar als Verlierer der unsäglichen Irrungen und Wirrungen rund um die vermeintlich hohen Kosten der Energiewende vom Platz.“ Von den mehr als 63.000 Arbeitsplätzen im Jahr 2011 seien Ende 2013 noch 41.000 übrig gewesen – Tendenz weiter fallend. „Betroffen sind vor allem die strukturschwachen ländlichen Regionen“, so der Verbandsvertreter. Leicht aufgefangen werde der „gegen Null tendierende Anlagebau“ von Modernisierungs- und Flexibilisierungsmaßnahmen, die nochmals 90 MW Kapazitätssteigerung bringen sollen.

Alle bis 2013 installierten Biogasanlagen in ganz Deutschland – das sind 7.850 – decken dem Fachverband zufolge vier Prozent des Bruttostromverbrauchs. Weil Biogas zunehmend je nach Bedarf flexibel produziert werde um Schwankungen bei Solar- und Windenergie auszugleichen, sei nur ein Teil der 2013 neu in Betrieb gegangenen Biogasanlagenleistung tatsächlich „arbeitsrelevant“, so der Fachverband. Konkret seien dies 158 MW, die tatsächlich durchgehend Strom produzierten. 33 MW, also knapp 17 Prozent der insgesamt 2013 installierten Leistung würden nur zugeschaltet, wenn Wind und Sonne geringe Stromeinspeisequoten erzielten.  
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