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Stichtag heute: Alfred Herrhausen, Visionär, Revolutionär – und Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Heute vor 79 Jahren wurde Alfred Herrhausen geboren: am 30. Januar 1930. Der spätere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank fiel 1989 einem Attentat zum Opfer – kurz, nachdem er dafür plädiert hatte, den Entwicklungsländern Schulden zu erlassen.

Er glänzt in der Schule. 1942 wird er in die Reichsschule der NSDAP in Feldafing am Starnberger See aufgenommen. Es ist eine eine so genannte „Napola-Schule“ („Nationalpolitische Lehranstalt zur Heranbildung des nationalsozialistischen Führernachwuchses“), eine Eliteschule. Nach Kriegsende 1945 findet Herrhausen zuerst Zuflucht bei den Eltern eines Mitschülers in Tirol, bis er sich wenige Wochen später zurück in seine Heimat nach Essen durchschlägt. 1948 macht er Abitur, 1952 schließt er das Studium zur Betriebswirtschaft in Köln ab und wird Direktionsassistent bei der Ruhrgas AG in Essen.

Im Jahre 1953 heiratet Herrhausen. Zwei Jahre später wechselt zu den Vereinigten Elektrizitätswerken (VEW) in Dortmund (heute eine RWE-Tochter). Bei VEW steigt er zum Vorstandsmitglied auf. 1970, mit 40 Jahren, wechselt er erneut und wird stellvertretender Vorstand bei der Deutschen Bank. Nur ein Jahr später wird er zum regulären Vorstandsmitglied der Deutschen Bank AG ernannt.



Kritisch beäugt wird Herrhausen erstmals, als er sich von seiner Frau scheiden lässt und im Jahre 1977 die Österreicherin Traudl Baumgartner heiratet. Er bleibt beruflich erfolgreich und wird zum Berater des Bundeskanzlers Helmut Kohl. 1985 erreicht Herrhausen den Höhepunkt seiner Karriere: Die Deutsche Bank bestimmt ihn zum Vorstandssprecher. Er setzt sich für die Internationalisierung des Unternehmens ein. 1987 sorgt Herrhausen weltweit für großes Aufsehen: Bei einer Tagung der Weltbank setzt er sich dafür ein, den Ländern der dritten Welt Schulden zu erlassen. Herrhausen gilt fortan in der konservativen Finanzwelt als Revolutionär. Sein Plan ruft sowohl bei den Vertretern Großbritanniens, Frankreichs und vor allem der USA als auch bei der deutschen Konkurrenz Entsetzen hervor. Die amerikanischen Banken beispielsweise wären durch dieses Projekt in den Ruin getrieben worden, die Deutsche Bank scheint zu diesem Zeitpunkt allerdings abgesichert. Herrhausen begründet seinen Vorschlag damit, man müsse jetzt einen Schnitt machen und einen Neubeginn wagen. Man könne den Ländern nicht ewig Geld leihen, sodass die Schulden ins Unermessliche stiegen. Herrhausen handelte "mit Sicherheit nicht aus Menschenfreundlichkeit, eher ging es ihm darum, etwas zu bewegen", so der FAZ-Redakteur Andreas Platthaus damals. Parallel versucht er, die gesamte Deutsche Bank umzustrukturieren – nun schlägt ihm auch intern Unmut entgegen.

Am 30. November 1989 wird Herrhausen auf dem Weg zur Arbeit bei einem Bomben-Attentat in seinem Wohnort Bad Homburg ermordet. Er stirbt an hohem Blutverlust, verursacht durch eine Verletzung am Oberschenkel. Die Täter sind bis heute nicht gefasst. Allerdings hat die RAF kurz nach dem Attentat in einem Bekennerschreiben die Verantwortung für Tat übernommen. Die RAF behauptet, Herrhausen sei der mächtigste Bankenchef Europas gewesen und eine zu große Gefahr – auch für die RAF, deren Feindbild ins Wanken geriet, weil Herrhausen Pläne verfolgte, die radikal waren. Noch heute spricht man über sein Visionen, welche allerdings nie verwirklicht wurden.

Text: Maximilian Tillmann

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