Arbeiten an einer Offshore-Windkraftanlage von Siemens. / Quelle: Unternehmen

21.07.15 Erneuerbare Energie

Stop-and-go beim Ausbau der deutschen Offshore-Windkraft?

Der Ausbau der deutschen Windkraftkapazität auf See - offshore - ist auf Kurs. Das meldet der Bundesverband WindEnergie gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie, der Stiftung Offshore-Windenergie, der Windenergie-Agentur WAB und dem Maschinenbauer-Verband VDMA Power Systems. Demnach wurden im ersten Halbjahr 422 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.765,3 Megawatt (MW) neu ans Netz angeschlossen. Sie verteilen sich auf neun Offshore-Windparks. Dadurch erhöhte sich die deutsche Windkraftleistung auf See innerhalb von sechs Monaten auf nun insgesamt 2.779 MW, wovon nur rund 300 MW auf Projekte in der Ostsee entfallenund der Löwenateil auf Windparks in der Nordsee. Dem Windkraftverband zufolge reicht die zur Jahresmitte installierte Kapazität aus, um etwa drei Millionen deutsche Haushalte mit Strom zu versorgen. Er geht davon aus, dass im Gesamtjahr 2015 insgesamt neue Offshore-Windenergie-Kapazitäten mit etwa 2.250 MW neu ans Netz kommen. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Schon in 2014 hatte sich die deutsche Windkraftkapazität auf See mehr als verdoppelt, von knapp 529 MW in 2013 auf 1.049 MW.

„In der deutschen Nord- und Ostsee werden zum Jahresende wie geplant Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu 3.300 MW am Netz sein“, stellt der Bundesverband WindEnergie nun fest. Damit werde zum Ende dieses Jahres die Hälfte der für 2020 geplanten 6.500 MW erreicht. Auf diese Marke hatte die Große Koalition das ursprüngliche Ausbauziel für die Windkraft auf See von zehn MW in 2020 bei ihrer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus 2014 gekappt. Wie der Verband weiter mitteilt, stehen nur noch für rund 18 Prozent der bis zur Zielmarke 2020 ausstehenden MW an Offshore-Windenergie-Kapazitäten „finale Investitionsentscheidungen“ aus. Der Rest sei entweder umgesetzt, im Bau oder zumindest finanziert. Umso wichtiger sei es, dass bald die Weichen für den Zubau nach 2020 gestellt würden. Hier sehen der Bundesverband WindEnergie und seine Partner und großen Nachholbedarf.
Wie Jörg Kuhbier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Offshore-Windenergie erläutert, ist für den künftigen Ausbau der Windkraft auf See „ein kontinuierlicher Aufbau der Netzinfrastruktur nötig“. Das aber sehe der aktuelle Entwurf für den Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP 2015) der zuständigen Bundesnetzagentur nicht vor. „Für die Zeit nach 2020 sind ausreichende Netzkapazitäten von zentraler Bedeutung. Nur so erhalten die Unternehmen Planungssicherheit für weitere Investitionen. Denn Offshore-Windenergieprojekte sind durch lange Vorlaufzeiten und hohe Investitionssummen geprägt. Je geringer die Anzahl der Netzanbindungssysteme, auf denen Kapazität zur Verfügung steht, desto beschränkter ist auch der im Rahmen von zukünftigen Ausschreibungen angestrebte Wettbewerb zwischen den Projekten. Die mit dem Wettbewerb angestrebte Senkung der Stromgestehungskosten würde unnötig erschwert, wenn das Netz wieder zum Engpass werden würde“, sagt Kuhbier.

Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie weist auf die große Unsicherheit hin, die ein Umstieg von festen Einspeisetarifen für Windstrom aus Offshore-Projekten auf ein Ausschreibungsmodell auslösen würde. In diesem Jahr wurde ein solches mit den ersten Solarauktionen bereits im Bereich Photovoltaik eingeführt. Die EU-Kommission verlangt von den Mitgliedstaaten diese Umstellung der Förderung von erneuerbarer Energie. Bis 2017 will die Bundesregierung diese Vorgabe umsetzen. Albers dazu: „Nachdem die Offshore Windenergie nach vielen Jahren der Vorinvestitionen nun einen immer wichtigeren Beitrag zur Energiewende leistet, kann die Umstellung auf Ausschreibungen erneut die Investitionssicherheit gefährden. Insbesondere die Infragestellung der Eigentumsverhältnisse verunsichert die Projektentwickler. Um die zweifelsohne bestehenden Kostensenkungspotentiale dieser wichtigen Technologie zu heben, braucht es Verlässlichkeit auf Seiten der Politik.“

Norbert Giese, Vorsitzender des VDMA-Lenkungskreises Offshore-Windindustrie und Vorstand der Windenergie-Agentur WAB, verlangt, dass zumindest frühzeitig deutlich gemacht wird, was aus die Branche konkret zukommt: „Die Offshore-Windindustrie braucht schon 2016 Klarheit über das Ausschreibungsdesign, damit der Ausbau kontinuierlich vorangetrieben werden kann. Um ein Stop-and-go im Markt zu vermeiden, ist es zudem bei jedem Modell unabdingbar, klare Regelungen zu schaffen für den Übergang von der Festpreisvergütung hin zur wettbewerblichen Ausschreibung."
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