10.08.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Streit um Vestas-Werksschließung in Großbritannien geht weiter

Während 20 gegen die Werksschließung protestierende Mitarbeiter in Cowes auf der Isle of Wight nach einem Sit-in aus der Fabrik entfernt wurden, schwelt der Rechtfertigungskampf hinter den Kulissen weiter. Die dänische Windturbinenherstellerin Vestas Wind Systems A/S will die Rotorblattfabrik wegen mangelnder Nachfrage in Großbritannien schließen und bis zu 600 Mitarbeiter entlassen. Wie aus mehreren Medienberichten hervorgeht, schieben sich die Beteiligten nun gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

Vestas beschuldigt die britische Regierung, in ihrer Genehmigungspolitik für Windparks die Beschäftigungseffekte im eigenen Land nicht zu berücksichtigen. Außerdem würden zu wenige Windparks realisiert. Um profitabel zu sein, müsse die Rotorfabrik jährlich Rotorblätter für Windparks mit einer Kapazität von einem Gigawatt herstellen. Bei einem Marktanteil von 25 Prozent von Vestas könne das nur gelingen, wenn jährlich Windparks von vier Gigawatt in Großbritannien realisiert würden. Trotz Bekenntnissen zu erneuerbaren Energien sei das Land davon aber weit entfernt. Allerdings könne ab 2015 voraussichtlich mit einem jährlichen Kapazitätszuwachs von drei Gigawatt gerechnet werden. Dann sei es denkbar, dass die Fabrik wieder reaktiviert werde. In anderen Ländern wie Portugal, Spanien und China sei es üblich, die Genehmigung von Windparks auch davon abhängig zu machen, dass lokale Komponenten verbaut würden. Eine solche Bedingung habe positive Beschäftigungseffekte. Vestas will dem Standort eigenen Angaben zufolge nicht ganz den Rücken kehren. Ein Forschungs- und Entwicklungszentrum soll demnach zunächst 100, später 50 weitere Ingenieure beschäftigen.

Derweil beschuldigt ein Gewerkschaftsvertreter der RMT transport union Vestas, die Rettung der Fabrik zu untergraben. Bei Gesprächen im zuständigen Ministerium sei ihm gesagt worden, dass die Regierung verschiedene Rettungspläne für die Fabrik vorgelegt habe, die Vestas alle abgelehnt habe. So sei ein nicht näher genannter "wesentlicher Betrag" zur Rettung der Fabrik angeboten worden. Ein weiterer Vorschlag habe darin bestanden, die Fabrik neu auszustatten und dritten Parteien zur Übernahme anzubieten.
Den Medienberichten zufolge wurde das Treffen zwar bestätigt, die Inhalte jedoch nicht kommentiert.

Die Vestas-Aktie gab heute morgen im Xetra-Handel knapp ein Prozent auf 50,50 Euro nach (10:27 Uhr). Ihr Jahresverlust beläuft sich auf rund 37 Prozent.

Vestas Wind Systems A/S: WKN 913769 / ISIN DK0010268606
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