Kohlekraftwerk im Rheinland. / Quelle: Fotolia

  Erneuerbare Energie

Studie entlarvt Kohle- und Atomkraft als Strompreistreiber

Die Stromproduktion aus Kohle- und Kernkraftwerken ist für die Deutschen viel teurer als die Produktion von Strom aus  Erneuerbare Energien. Wenn man die versteckten Kosten einrechnet, die die herkömmlichen Energieträger verursachen.  Würde man diese Kosten im Stile der EEG-Umlage auf die Allgemeinheit der Stromverbraucher umlegen, wäre diese „Graustromumlage“ pro Kilowattstunde um 63 Prozent teurer als es die EEG-Umlage für 2014 ist. Allein für 2012 summierten sich die nicht im Strompreis enthaltenen Kosten der fossilen Energieträger auf 40 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Grünstromanbieters Greenpeace Energy aus Hamburg.

Für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Strom aus Erneuerbaren Energien zahlt ein Durchschnittshaushalt über die Stromrechnung derzeit 6,25 Cent. Dieser Betrag wir als so genannte EEG-Umlage erhoben. Diese soll per Gesetz die Energiewende finanzieren. Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr zahlt also 220 Euro Ökostromumlage für 2014. Weil sie in den vergangenen Jahren – auch dank zahlreicher Ausnahmen für Industrieunternehmen – rasant gestiegen ist, geißeln Kritiker den Ausbau von Windkraft, Solarenergie und Co. als „Strompreistreiber“. Die Ergebnisse der neuen FÖS-Studie zeichnen ein anders Bild: Demnach würde eine Graustromumlage nach dem Vorbild der Grünstromumlage mit 10,2 Cent pro Kilowattstunde deutlich teurer sein. Der Durchschnittshaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch müsste dann 360 Euro seiner Stromrechnung allein für Atomkraft, Kohle und Co. abführen.

„Die Preise am Strommarkt sind verzerrt. Während die Förderung von Wind und Sonne gut sichtbar in der Stromrechnung ausgewiesen wird, erhalten Kohle und Atom versteckte Subventionen, ohne dass die Stromkunden dies wissen“, kritisiert Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy. Von den versteckten Kosten entfielen 11 Milliarden Euro auf die Atomenergie, 12,4 Milliarden Euro auf Steinkohle und 13,9 Milliarden Euro auf die besonders umweltschädliche Braunkohle. Errechnet haben die Studienautoren diese Kosten einerseits aus staatlichen Finanzhilfen für die Energieindustrie – etwa durch Steuervergünstigungen. Andererseits sind externe Folgekosten eingerechnet, die durch Klima- und Umweltschäden anfallen, etwa durch Atommüll oder Unfälle. „Diese Kosten tragen nicht die Verursacher, sondern werden von Verbrauchern unter anderem über Steuern und Abgaben gezahlt“, stellt Greenpeace Energy klar.

„Erneuerbare Energien senken Kosten“

Nicht nur weil der Ausbau der Erneuerbaren solche Folgekosten vermeide führe die Energiewende zu kräftigen Kostenersparnissen, so Greenpeace Energy weiter. „Erneuerbare-Energien-Anlagen produzieren schon heute zum Teil deutlich günstiger Strom als der konventionelle Kraftwerkspark. Bis zum Jahr 2030 summiert sich der Kostenvorteil auf insgesamt 54 Milliarden Euro, bis 2050 sogar auf 522 Milliarden Euro“, rechnet Marcel Keiffenheim vor. Sein Fazit: „Investitionen in erneuerbare Energien machen uns nicht nur unabhängiger von umwelt- und klimaschädlichen Technologien, sondern unsere Stromversorgung auf lange Sicht auch günstiger.“ Neben der Kostenersparnis durch die Vermeidung von Umweltschäden bringe der technische Fortschritt zusätzliche Kostenvorteile.

Weicht die Bundesregierung ihre Grünstromziele auf?

Unterdessen kritisiert der Bundesverband Erneuerbare Energie die Bundesregierung dafür, dass sie sie im Begriff sei, die Ziele der Energiewende aufzuweichen und sie so „den Privilegien der Schwerindustrie zu opfern“. Hintergrund dieser Kritik ist das europaweit einmalige Privilegien-System für Industrieunternehmen, die in Deutschland produzieren. Zahlreiche Unternehmen sind deshalb ganz oder Teilweise von der EEG-Umlage befreit. Ursprünglich galt diese Sonderbehandlung nur für große, stromintensive Konzerne, die im internationalen Wettbewerb stehen. Die Zugangsbeschränkung zu diesen Privilegien wurde 2012 jedoch deutlich aufgeweicht. Das hat EU-Wettbewerbskommissar Almunia auf den Plan gerufen. Der lässt derzeit prüfen, ob diese Sonderbehandlung gegen EU-Recht verstößt (ECOreporter.de  berichtete).

Der BEE kritisiert nun, die Bundesregierung habe im Rahmen der Verhandlungen still und leise das Ausbauziel für Erneuerbare-Energien bis 2030 deutlich gesenkt: „Erstmals setzt sich die deutsche Bundesregierung nur noch für einen Anteil von 27 Prozent an erneuerbaren Energien bis 2030 ein. Bis vor dem Treffen des Wirtschaftsministers Gabriel mit dem Wettbewerbskommissar Almunia am vergangenen Montag hatte sich Deutschland noch für einen 30-prozentigen Anteil auf EU-Ebene stark gemacht“, moniert der BEE. „Die Bundesregierung opfert jetzt ihr 30-Prozent-Ziel den Privilegien der deutschen Schwerindustrie“, beklagt Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des BEE. „27 Prozent sind Business-as-Usual ohne jegliche Ambition beim Ausbau der Erneuerbaren und für einen besseren Klimaschutz“, schimpft Falk. „Nach dem Willen der Kanzlerin ist Deutschland statt im Energiewende-ICE nun im Bummelzug mit Kohledampflok unterwegs. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gemeinsam mit Frankreichs Präsident Hollande der Atomkraft faktisch einen Freifahrtschein ausgestellt“, so Falk weiter.

Von verbindlichen nationalen Zielen für Klima und Energie sei mittlerweile keine Rede mehr, kritisiert der Geschäftsführer des BEE weiter. Dadurch hätten die Länder, die auf Atomenergie setzen wollen, die freie Wahl. Die Energiewende höre damit an der Landesgrenze auf. Deutschland selbst mache in Europa energiepolitisch keine gute Figur: „Inzwischen steht sogar in Frage, ob Deutschland sein verpflichtendes Erneuerbare-Energien-Ausbauziel für 2020 erreicht. Insofern ist es wenig überraschend, dass Deutschland jetzt auch keine Ambitionen mehr auf europäischer Ebene zeigt“, folgert der BEE. Verbindliche Ziele für den Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch seien weiterhin unerlässlich. Die Forderung des BEE: 45 Prozent bis 2030 anstatt nur 27 oder 30 Prozent.
Aktuell, seriös und kostenlos: Der ECOreporter-Newsletter. Seit 1999.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x