Einblick in den Kohle-Tagebau. Die Nichtregierungsorganisationen kritisieren Banken die sie als Geldgeber klimaschädlicher Branchen identifiziert haben. / Foto: Fotolia

14.01.15 Finanzdienstleister

Studie kritisiert: Deutsche Bank, UBS und Co. finanzieren klimafeindliche Industrien

Die Deutsche Bank, BNP Paribas,  UBS, Allianz und andere stehen in der Kritik von Nichtregierungsorganisationen. Der Vorwurf: Sie sollen Unternehmen und Branchen massiv unterstützen, denen andere Großinvestoren wegen teils grober Nachhaltigkeitsmängel den Rücken gekehrt haben. Auch Deutschlands staatliche KfW Bank bekommt ihr Fett weg:  Ihr Engagement als Kohlekraft-Finanzierer trübe weiterhin das Image als Geldgeber von Energieeffizienz- und Grünstromvorhaben. Das zeigt eine aktuelle Studie von Facing Finance sowie Recherchen von urgewald.


Die aktuelle Facing-Finance-Studie „Dirty Profits III - Report on Companies and Financial Insitiutions Benefitting from Violations of Human Rights“ beleuchtet einmal mehr die dunkle  Seite der konventionellen Finanzindustrie. Im Fokus stehen die Geschäftsbeziehungen von 24 internationalen Finanzkonzernen mit 25 ethisch-ökologisch kontroversen Unternehmen. Analysiert wird der Zeitraum zwischen Januar 2012 und August 2014. Es geht um Kredite, Dienstleistungen bei Kapitalmaßnahmen wie Börsengängen oder Anleiheemissionen und darum, inwiefern die Banken selbst Wertpapiere verwalten. Die Studie zeigt beispielsweise auf, woher Bergbauriesen wie Glencore, Öl- und Gaskonzerne wie Gazprom, Chevron und Shell Teile ihres Kapitalbedarfs decken. „Firmen wie Chevron, Shell, Gazprom oder Coal India gehören zu den weltweit größten CO2-Produzenten. Wer ihr Geschäftsgebaren akzeptiert und finanziert, verabschiedet sich vom Ziel, die Erderwärmung auf maximal 2 Grad zu beschränken. Es wird Zeit, dass Banken und Investoren diesen Unternehmen endlich den Geldhahn zudrehen“, kommentiert Regine Richter von urgewald aus Sassenberg die Studie.

Neben der Deutschen Bank und dem Versicherer Allianz benennt die Studie unter anderem die französische Großbank BNP Paribas und schweizerische Geldhäuser wie UBS als unrühmliche Beispiele für Banken, die Geschäftsbeziehungen zu Unternehmen pflegen, die auf den Tabulisten von Pensionsfonds und Kirchen oder anderen ethisch orientierten Großinvestoren stehen.


Deutsche Bank einmal mehr im Zentrum der Kritik

Insgesamt vergaben die 24 untersuchten Großbanken laut der Studie im Untersuchungszeitraum 39,2 Milliarden Euro als Kredite an die aus 25  Nachhaltigkeitssicht kritischen Unternehmen. Die Studienautoren wählten Firmen,  „die bereits bei Investoren auf Ausschlusslisten stehen, gegen die Gerichtsverfahren laufen, die gegen internationales und nationales Recht verstoßen oder gegen die massive Vorwürfe und Anklagen von Medien und Zivilgesellschaft erhoben wurden“, erklärt Facing Finance die Kriterien der Studie. Die Finanzkonzerne verwalteten Wertpapiere der kritisierten Konzerne im Wert von 65,3 Milliarden Euro. Als besonders aktive Geschäftspartner in diesem Bereich benennt die Studie die Deutsche Bank, HSBC  sowie die Schweizer Institute Credit Suisse und UBS. BNP Paribas steht vor allem aus zwei Gründen in der Kritik der Studienautoren: Zum einen sei die Großbank massiv in klimaschädliche Energie, speziell Kohlekraft, investiert. Zum anderen habe die Bank im Sommer 2014 empfindliche Strafen von der US-Regierung hinnehmen müssen, weil mit Geschäften in Sudan, Iran und Kuba gegen Sanktionen der US-Regierung verstoßen habe. Dem deutschen Versicherer Allianz werfen die Studienautoren unter anderem Finanzgeschäfte mit Gazprom, Chevron und Shell vor.
Bild: Sitz der Deutschen Bank in Frankfurt. / Foto: Unternehmen


Kohlenstaub verdunkelt das Positiv-Image der KfW Bank

Die staatliche KfW Bank ist zwar keine echte Nachhaltigkeitsbank. Dennoch genießt sie nicht nur in Deutschland einen Ruf al Bank, die vor allem „grünen Strom“, Energieeffizienzmaßnahmen, Existenzgründer und Studierende fördert. Die Nichtregierungsorganisation urgewald moniert seit längerem, dass die KfW Bank im In- und Ausland auch Kohlekraftwerke finanziert. Umweltministerin Barbara Hendricks hatte im September 2014 für die KfW-Entwicklungsbank das Ende der Kohlefinanzierung bei Neubauten verkündet. Den Umweltschützern geht dies jedoch nicht weit genug. Die Argumentation: Dieser Ausstieg gelte nur für etwa ein Drittel der KfW-Kohlefinanzierung im Ausland. Der größte Teil werde über die Export- und Projektfinanzierung der KfW-Tochter IPEX Bank finanziert. Dieser Teil sei nicht eingeschränkt, mahnt urgewald. Erst zwei Tage vor Weihnachten habe die Bundesregierung nach achtmonatiger Prüfung entschieden, dass dieser Teil der Kohlekraftfinanzierung weiterlaufen solle.
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